Eine Menge Überraschungspotenzial

von Günther Jakobsen14:40 Uhr | 24.07.2015

Ein Topfavorit, RB Leipzig, ein Dutzend Aufstiegskandidaten: Die anstehende Zweitligasaison verspricht Hochspannung. Die ersten Punkte werden in Duisburg vergeben.

An Renommee mangelt es der 2. Liga, deren Saison am Freitagabend mit dem Duell zweier Bundesliga-Urgesteine - MSV Duisburg vs. 1. FC Kaiserslautern - angepfiffen wird, nicht. 13 Klubs können Erstligaerfahrung auswiesen; einige weniger, wie Paderborn oder Greuther Fürth (jeweils eine Saison), andere wesentlich mehr, wie Kaiserslautern (44), Bochum (34) oder Nürnberg (32). Für die Erfolgsaussichten sind diese Meriten jedoch nur von geringer Relevanz.
Zum engsten Favoritenkreis für Meisterschaft und Aufstieg wird RB Leipzig gezählt - der finanzstärkste Wettbewerber im 18er Feld. Ralf Rangnick, zuvor nur als Sportdirektor der Sachsen tätig, übernimmt in Personalunion nun auch die Trainerposition: "Aus unserer neuen taktischen Formation mit einer 4-2-2-2-Grundordnung können die Spieler einfacher und vor allem flexibler in andere Spielsysteme umschalten", setzt Rangnick auf eine hohe Variabilität im Spiel. Einen größeren personellen Umbau muss Erstligaabsteiger SC Freiburg verarbeiten, der sieben Stammkräfte zu ersetzen hat. "Wir wollen oben mitspielen", gibt Christian Streich als Ziel aus, rechnet aber mit einigen "Überraschungsmannschaften" und glaubt, dass "... gut zwölf Mannschaften für einen Aufstieg infrage kommen."

Diesem Kandidatenkreis ist Mitabsteiger SC Paderborn nicht zwingend zuzurechnen. Der Umbruch bei den Ostwestfalen (14 Abgänge) ist noch umfangreicher als in Freiburg, zudem wechselte Erfolgstrainer André Breitenreiter zum FC Schalke, sein Nachfolger Markus Gellhaus muss viel Aufbauarbeit leisten. Fortuna Düsseldorf, der Karlsruher SC, der 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig und der 1. FC Nürnberg sollten jedoch Anwärter für das obere Drittel sein. Union Berlin, Heidenheim und Bochum könnten dazu stoßen. Größeres Potenzial, als Überraschungsmannschaft aufzutreten, ist Aufsteiger Arminia Bielefeld zuzutrauen. Norbert Meier, Coach des DFB-Pokal-Halbfinalisten, wehrt eventuelle Durchmarschgedanken jedoch kategorisch ab: "Für Arminia Bielefeld kann es nur darum gehen, sich in der 2. Bundesliga mittelfristig wieder zu etablieren." Mitaufsteiger MSV Duisburg formuliert ähnlich: "Es geht nur um den Klassenerhalt" (Sportdirektor Ivo Grlic). Die Erfahrungen der letzten Saison lassen auch für den FC St. Pauli, 1860 München, FSV Frankfurt, den SV Sandhausen und Greuther Fürth eher vorsichtige Prognosen zu. Auf die Spielweise muss das aber nicht unbedingt destruktive Auswirkungen haben, wie Greuther Fürths neuer Übungsleiter Stefan Ruthenbeck mit seiner Aussage bestätigt: "Wir wol­len viel Ballbesitz, wollen Pressing spielen und schnell umschalten. Also all’ die Dinge, die für eine gewisse Attraktivität stehen." Sein Ziel: "Eine stabile Saison zu spielen, nicht in den Abstiegskampf zu geraten, aber attraktiv nach vorne zu agieren."

André Schulin



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— Uli Hoeneß