Surft man in diesen Tagen auf die Homepage der Braunschweiger Eintracht, wird man von fröhlichen Kickern mit den üblichen Weihnachts- und 2014-Wünschen begrüßt. Typisch Eintracht 2013. Beim Schlusslicht der Bundesliga lässt man wie selbstverständlich den vollen Optimismus, trotz eines ersten Halbjahres im Oberhaus nach langer Abstinenz mit einer alarmierenden Bilanz, heraushängen. Schließlich beendete der Aufsteiger die Hinserie auch mit einem Heimsieg über Hoffenheim und das rettende Ufer ist gleichfalls nur drei bis vier Punkte entfernt.
Fachjournalisten hatten den Neuling vor der aktuellen Spielzeit dann auch überwiegend als Absteiger-Nummer-1 einsortiert und lagen bislang ja auch goldrichtig. Aus den ersten sieben Partien hatte die Lieberknecht-Truppe nur einen Punkt (1:1 daheim gegen die immer noch sieglosen Nürnberger) eingesammelt. Ausgerechnet beim „Erzfeind“ VfL Wolfsburg holte das Team dann überraschend den ersten Dreier. Auch der erste Heimsieg am 11. Spieltag, ausgerechnet gegen die ansonsten starken Leverkusener, stand nicht ernsthaft auf den Plänen für die notwendigen bzw. zu erwartenden Punktgewinne. Mit dem dritten Dreier gegen Hoffenheim blieb die Eintracht letztlich im Rennen um den Klassenerhalt, auch wenn fast der gesamte Rest aller Partien in die Hose ging. Die zweite Ausnahme blieb der grausame Kick beim anderen ungeliebten Nachbarn Hannover 96, wo in einem der wohl miesesten Hinrundenspiele eine Nullnummer eingefahren wurde. „Auf die Mütze“ gab es zwar nur beim HSV (0:4), in Gladbach (1:4), daheim gegen Stuttgart (0:4), aber leider auch beim vermeintlichen Mitkonkurrenten Augsburg (1:4). Ansonsten überwogen ein typischen 0:2 oder die Ein-Tor-Differenz-Niederlage (je vier Mal). Als echtes Wir-sind-in-der-ersten-Liga-angekommen kann man trotz des unbändigen Optimismus in Braunschweig diese Bilanz nicht wirklich einsortieren. Die „Rote Laterne“ hält das Team somit nicht umsonst recht fest.
Schaut man sich die Bilanz der einzelnen Mannschaftsteile an, kommt man der fehlenden Bundesligareife schon ein Stück näher. Im Tor hat sich nach dem in den ersten Spielen enttäuschenden Petkovic (Durchschnittsnote 3,88) zwar Daniel Davari (3,23) durchgesetzt, doch ebenfalls nur selten wirklich überzeugt. Auch die überwiegend aufgebotene Viererkette mit zuletzt Elabdellaoui (3,91), Bicakcic (3,56), Dogan (3,80) und dem zuletzt zurückgezogenen Theuerkauf (4,03) offenbarte immer wieder deutliche individuelle Schwächen, die letztlich zu teils vermeidbaren Niederlagen führten. Im Mittelfeld fehlten mit Kruppke (4,70) aufgrund von Formkrisen und Verletzungen (Hochscheidt, 3,50) fest eingeplante Eckpfeiler. Boland (3,76), Theuerkauf, Kratz (4,11), Caligiuri (3,95) & Co. konnten diese Ausfälle einfach nicht kompensieren. Hätte nicht Bayer-Ausleihe Bellarabi (3,38) eine im Team-Vergleich herausragende Hinrunde hingelegt und mit seiner Schnelligkeit manche Lücke beim Gegner gerissen, wäre Braunschweig noch stärker ins Hintertreffen geraten. Punktuell gefiel im Angriff auch Ademi (3,83), wogegen Zweitligatorjäger Kumbela (4,25) und Neuzugang Oehrl (3,92) überwiegend enttäuschten. Aus der zweiten Reihe boten sich ebenfalls über alle Mannschaftsteile hinweg keine Spieler explizit an.
Auch Trainer Torsten Lieberknecht hat trotz akribischer Arbeit noch kein Bundesliganiveau erreicht. Zwar stehen seine Vorgesetzten offiziell weiter hinter ihm, doch mit verschiedenen Aufgeregtheiten und unbedachten Sprüchen bewies der Übungsleiter nicht unbedingt geschickte Außenwirkung und dürfte beiden den Schiedsrichtern auch künftig einen schweren Stand haben. Als Motivator bot sich sein Verhalten zumindest intern wohl dennoch an, denn seine kampfstarke Truppe war zumindest immer 90 Minuten kräftig unterwegs. Die immensen spielerischen Defizite dürften aber letztlich den Ausschlag dafür geben, dass die Eintracht die Bundesliga wohl wieder verlassen wird. Jeder andere Ausgang wäre nach dieser Hinrunde eine echte Sensation.
Ulrich Merk
For me, it's scheißegal.
— Uli Hoeneß