Die 51. Bundesligaserie startet in München, wo sich der einmal mehr als "Überfavorit" angesehene FC Bayern mit den Gladbachern misst. Eintracht Braunschweig und Hertha BSC, die beiden Aufsteiger, dürfen zum Auftakt im eigenen Stadion auflaufen. Abschließend erwartet der HSV eine Standortbestimmung vom Gastspiel auf Schalke.
Zum fünften Mal in der Bundesligageschichte begegnen sich der FC Bayern und Borussia Mönchengladbach am ersten Spieltag. Diese, in der vergangenen Dekade begonnene Serie, weist einmal mehr die Münchner als klaren Favoriten aus, obwohl die Gladbacher dabei bislang besser abschnitten (zwei Siege, ein Remis, eine Niederlage). „Ich glaube, wir sind bereit für diese Gelegenheit“, vertraut Bundesliga-Novize Pep Guardiola auf den zufrieden stellenden Eindruck, den sein Team in der Vorbereitung ausstrahlte. Lediglich Einsätze von Badstuber, Götze und Gustavo mussten vorab ausgeschlossen werden. Die Gäste sind personell keinen Einschränkungen ausgesetzt, vermutlich aber einem Dauerdruck der Münchner. „Wenn wir nur hinten drin stehen, wird es extrem schwer“, ermutigt Lucien Favre seine Spieler, jede Möglichkeit der Entlastung zu nutzen.
Am Samstag stehen zwei Nordduelle an. Eine besondere Vorfreude dürfte dabei den Braunschweigern zuzusprechen sein, die seit 1985 erstmals wieder um Bundesligapunkte mitspielen. Kuriose Randerscheinung: Torsten Lieberknecht (seit 2008 bei den Braunschweiger „Löwen“) geht als dienstältester Coach in sein Trainer-Erstligadebüt. Sein Pendant dieser Partie, Robin Dutt, rechnet mit einer „Aufstiegseuphorie“ der Eintracht. „Wir wissen, dass es ein ganz heißer Tanz wird“, versichert der neue Werder-Coach. „Wir wollen in Hannover selbst unser Spiel durchziehen“, hat sich Wolfsburgs Coach Dieter Hecking für das andere Nordderby festgelegt, im Niedersachsen-Treff bei den „Roten“ selbst initiativ zu werden. Die drei letzten Vergleiche gewannen allerdings die 96er.
Hertha BSC glückte der direkte Wiederaufstieg. Zum Auftakt geht es für die Berliner, die bis auf den angeschlagenen Lasogga alle Akteure an Bord haben, zuhause gegen den besten Aufsteiger der letzten Saison, die Frankfurter Eintracht. „Es wird sicherlich kein einfaches Spiel beim Aufsteiger morgen, aber wir wollen dort etwas holen“, gibt sich Eintracht-Coach Armin Veh vorsichtig optimistisch. „Du weißt zum Beispiel nicht, wo du stehst. Aber das geht den anderen Clubs ja genauso“. Vizemeister Borussia Dortmund (ohne Neuzugang Mkhitaryan und evt. Gündogan) erhofft sich auswärts beim FC Augsburg (Markus Weinzierl: „Wir werden in den 90 Minuten alles daran setzen, um einen guten Start zu schaffen“) einen erfolgreichen Saisoneinstieg, derweil sich die per Relegation geretteten Hoffenheimer auf die Gastmannschaft des 1. FC Nürnberg freuen. „Die Spieler sind sich bewusst, dass es ein großes Glück ist, dieses Jahr in der Bundesliga zu spielen“, stellt 1899-Übungsleiter Markus Gisdol nochmals den Bezug zum äußerst spät gesicherten Klassenerhalt her. Bayer Leverkusen wird allgemein attestiert, an das Niveau der vergangenen Spielzeit anknüpfen zu können. Hingegen fällt es sehr schwer, den ersten Gegner der Werkself, den SC Freiburg, einzuschätzen. Die Breisgauer verloren eine stattliche Anzahl an Schlüsselspielern. „Sie kennen uns und wir kennen sie, obwohl sich bei uns mehr verändert hat“, fasst SC-Trainer Christian Streich die Situation vor dem Anpfiff zusammen.
Im ersten der beiden Sonntagsspiele tritt der mühevoll für die Europa League-Play-offs (gegen HNK Rijeka) qualifizierte VfB Stuttgart auswärts beim FSV Mainz an. „Es ist immer gut, mit einem Heimspiel zu starten“, freut sich 05-Coach Thomas Tuchel auf das Spiel gegen den VfB, den er stärker als in der vorigen Saison wähnt. „Der Kader wurde sehr gut ergänzt mit gestandenen, starken Spielern mit viel Bundesligaerfahrung“. Den Abschluss der ersten Runde bildet dann das Aufeinandertreffen der Bundesliga-Urgesteine Schalke 04 vs. Hamburger SV. Die „Knappen“ gelten weiterhin als Mannschaft, die um die CL-Plätze mitspielt. Hamburgs suboptimale Vorbereitung lässt hingegen daran zweifeln, dass den „Rothosen“ in dieser Spielzeit ein entscheidender Schritt nach vorn gelingt. Thorsten Fink erhofft sich konkrete Hinweise aus dem ersten Punktspiel: „Das ist ein starker Gegner. Ein echter Gradmesser, nach dem wir sehen, wo wir stehen“.
Bayern hat doch keine Stars mehr. Wenn die Bayern in Zivilkleidung über die Düsseldorfer Kö gehen, wird nur noch Klaus Augenthaler erkannt.
— Udo Lattek