Fast überall Brennpunkte

von Günther Jakobsen15:43 Uhr | 15.05.2015

Nur ein Spiel, dessen Ausgang ohne nennenswerte Konsequenzen bleibt: Am vorletzten Spieltag steht die Liga noch unter Hochspannung. Das Epizentrum des Interesses ruht in Stuttgart.

Das einzige Match des 33. Spieltages, bei dem sich beide Kontrahenten ein entspanntes Auslaufen gönnen könnten, ist die gemeinsame Sitzung der Karnevalshochburgen Mainz und Köln. "Ich denke, das könnte ein unbeschwertes Spiel geben", meint denn auch FSV-Trainer Martin Schmidt, der aber einen spielerisch besseren Auftritt seiner 05er als zuletzt sehen will. FC-Coach Peter Stöger gibt immerhin noch das Erreichen der 40-Punkte-Marke als Saisonziel aus. "Wenn man als Aufsteiger 0:0-Serien vorgeworfen bekommt, ist das manchmal befremdlich", wundert sich der Österreicher über seiner Meinung nach unberechtigte Kritik. Köln war bislang an neun torlosen Partien beteiligt.
Einen Mangel an Torerfolgen ist dem VfL Wolfsburg nicht vorzuwerfen - hinter den Bayern sind die Niedersachsen das torhungrigste Team (68 Treffer), und ein 0:0 haben die "Wölfe" in dieser Saison noch nicht auf der Referenzliste. Gerne würde der VfL als Vizemeister abschließen, empfängt jedoch im letzten Heimspiel mit Borussia Dortmund einen Widerpart, der noch die EL-Teilnahme anstrebt. BVB-Coach Jürgen Klopp hat besonderen Respekt vor den Standards der Niedersachsen: "Das ist eine Wolfsburger Waffe." Die gleiche Konstellation - CL-Teilnehmer gegen EL-Aspirant - findet sich noch zweimal wieder: Leverkusen vs. Hoffenheim und Werder Bremen vs. Mönchengladbach. In Bremen geht es für die Gäste darum, ihre Option auf Platz zwei zu wahren. Werder-Coach Viktor Skripnik, der seinen verletzten Kapitän Clemens Fritz nicht einsetzen kann, lobt die Borussen in höchsten Tönen: "Sie gewinnen nicht nur gegen die Konkurrenten, sondern spielen auch noch guten Fußball."

In den anderen fünf Begegnungen spielt die Abstiegsangst mit: Für sechs Klubs ist der Rücksturz in die Zweite Liga ein realistisches Szenario. Selbst die auf Platz 13 rangierende Hertha (34 Punkte) könnte es noch erwischen. Ein Sieg gegen Frankfurt würde allerdings die Rettung bedeuten. "Alle anderen müssen zittern und beten", weist Pal Dardai auf die noch kompliziertere Situation der Konkurrenten hin. Paderborn (31) beispielsweise muss nach Gelsenkirchen, wo man selbst unter Druck steht, um die EL-Teilnahme nicht zu verfehlen. Oder Hannover (31): Gleiche Ausgangslage, nur dass der Auswärtstermin in Augsburg ansteht. In Freiburg (31) fragt man sich, ob dem FC Bayern beizukommen ist. "Wenn wir an unsere Leistungsgrenze gehen, kann es für die Bayern schwer sein, uns zu schlagen", beantwortet Christian Streich diese Frage. Zwei mit dem Rücken zur Wand stehende Teams treffen in Stuttgart aufeinander. Der VfB (30) steht zum 100. Mal dem Hamburger SV (32) in der Bundesliga gegenüber - derart prekär wie aktuell war dieses Duell noch nie. "Der VfB hat zuletzt gute Spiele abgeliefert, aber wir kennen Stärken und Schwächen und wissen, was auf uns zukommt", glaubt sich Bruno Labbadia gut vorbereitet auf das Gastspiel beim Tabellenletzten, der kurioserweise den Klassenerhalt noch in eigenen Händen hält: Zwei Siege zum Abschluss würden mindestens Platz 16 bedeuten.



Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich.

— Ansgar Brinkmann