Eine Halbzeit lang sprach wenig dafür, dass die deutsche U-21 beim EM-Turnier in Israel eine gute Rolle würden spielen können. Diesen Eindruck widerlegte Rainer Adrions Auswahl in der zweiten Hälfte - der in letzter Minute eingefangene dritte Gegentreffer schmälerte die Halbfinalchancen jedoch.
Eines hatte Hollands Coach Cornelius Pot seinem deutschen Pendant Rainer Adrion schon im Vorfeld voraus: Derweil er personell aus dem Vollen schöpfen konnte, fehlten der DFB-Elf aus unterschiedlichen Gründen etliche erfahrene, spielstarke Akteure (Draxler, Schürrle, Kroos, Gündogan, Götze, Kirchhoff, Jung, Arslan), die man für dieses Turnier hätte aufbieten können. Dennoch musste der Auftakt gegen die „Oranjes“ nicht so misslingen. „Sie sind besser ins Spiel gekommen, wir dagegen haben alles vermissen lassen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann die Präsenz und Fitness gezeigt, die wir von Anfang an sehen wollten“, beschrieb Adrion den Spielverlauf im Überblick. Die Niederländer erfreuten sich von Beginn an großen Freiraums und drückten früh auf die Führung. Eine Direktabnahme des ballsicheren Mahers parierte Leno noch in starker Manier (7.), bei dem verdeckt abgezogenen Schuss des 19-Jährigen zum 1:0 sah der DFB-Keeper jedoch schlecht aus (24.), derweil die Schuldzuweisungen beim zweiten Treffer eher an Lenos Vorderleute zu richten waren. Wijnaldum überrannte mehrere deutsche Feldspieler, bevor er aus 17 Metern abzog. Leno bekam noch eine Faust an den Ball, der dann aber doch über die Linie trudelte (38.). Fast im Gegenzug verzog Rudy das Leder in aussichtsreicher Position (39.); ein Schuss Johns hätte aber ebenso gut den dritten niederländischen Treffer bringen können (45., Außennetz).
In den ersten 45 Minuten war das DFB-Team jede Durchschlagskraft und Raffinesse im Angriff schuldig geblieben. Das änderte sich nach dem Seitenwechsel. Und ein berechtigter Foulelfmeter - Hollands Keeper Zoet hatte Holtby zu Fall gebracht - trug dazu bei, dass man zügig den Anschluss herstellte: Rudy traf sicher vom Punkt (46.). Nun nahmen die Deutschen das Spiel in die Hand und trugen etliche vielversprechende Angriffe vor. Herrmann trat wesentlich besser in Erscheinung als zuvor, der bereits ausgangs der ersten Halbzeit eingewechselte Volland setzte starke Akzente, hatte aber Pech bei einem 16-Meter-Schuss (63., Querbalken), und auch Clemens wusste spielerisch zu gefallen, blieb aber ebenfalls glücklos im Abschluss. Als schließlich Kapitän Holtby mit seinem schwächeren rechten Fuß zum 2:2-Ausgleich traf (81.), war der Leistungssprung des deutschen Teams zurecht belohnt worden. Zwischendurch blitzte aber immer wieder die Gefährlichkeit der „Qranjes“ bei schnellen Gegenstößen auf. Bereits in der 70. Minute musste Leno in höchster Not gegen den eingewechselten Jozefzoon retten. Der Schlagabtausch in den Schlussminuten ließ dann jede Option offen - und wurde in der 90. Minute dann zugunsten der Niederländer entschieden, für die Fer nach einem Eckstoß zum 3:2 einköpfte.
André Schulin
Zuletzt wurde mir vorgeworfen, ich würde zu spät auswechseln. Aber ich bin ja lernwillig...
— Felix Magath, der in Bochum Gerd Wimmer schon nach 29 Minuten vom Platz holte