Gastgeber in der Favoritenrolle

von Günther Jakobsen19:08 Uhr | 20.05.2014

Am 12. Juni erfolgt der Anpfiff zur 20. Fußball-Weltmeisterschaft. Die Kontrahenten dieser Partie sind Gastgeber Brasilien und Kroatien. Die Südamerikaner sind mittlerweile wiedererstarkt und scheinen auch in der Lage, den Titel zu holen. Mexiko und Kroatien sind jene Teams in der Gruppe A, denen hinter Brasilien am ehesten der Einzug in die nächste Runde zugetraut wird. Kamerun kommt als "Underdog" daher.

Noch vor weniger als zwei Jahren war WM-Gastgeber Brasilien ein gutes Stück davon entfernt, als Topfavorit des Turniers im eigenen Land genannt zu werden. Mit der Rückkehr von Luiz Felipe Scolari im November 2012, der die Selecao bereits beim Titelerfolg 2002 coachte, fand Brasiliens Nationalteam jedoch zusehends zurück zu alter Stärke. Der Confederations-Cup-Sieg im Jahre 2013, eingefahren mit einem klaren 3:0-Finalerfolg über Spanien, macht deutlich, dass Scolari über ein höchst schlagkräftiges Team verfügt, das besonders in der Offensive (Neymar, Oscar, Fred, Hulk) exellente Einzelkönner ausweist. Hohe Qualität ist indes in allen Mannschaftsteilen vorhanden; aus der Bundesliga wurden die beiden eher defensiv ausgerichteten Spieler Dante (FCB) und Gustavo (Wolfsburg) nominiert. "Wir haben alles was man braucht, um das beste Team der Welt zu sein", erliegt Scolari gar nicht erst der Versuchung, auf Understatement zu setzen. Für ihn ist der sechste WM-Titel Brasiliens das Ziel.

Während Brasiliens Rolle als Favorit der Gruppe A außer Frage steht, darf darüber, wer als Zweitplatzierter abschneidet und somit die nächste Runde erreichen würde, ernsthaft spekuliert werden. Normalerweise, auch wegen der geografischen Nähe, sollten die in der Weltrangliste knapp vor den Kroaten platzierten Mexikaner als erster Anwärter gelten. "El tri" tat sich jedoch in der WM-Quali unerwartet schwer und konnte sich erst durch die Hintertür (Play-off-Sieg gegen Neuseeland) für das Turnier qualifizieren. "Wir werden ein Spektakel bieten und gute Ergebnisse liefern", ist Mexikos Coach Miguel Herrera allerdings zuversichtlich, mindestens die Gruppenphase zu überstehen. Linksverteidiger Guardado (Leverkusen) steht als einziger Bundesligaspieler im 23er Kader Mexikos. Der Großteil der Auswahl steht bei mexikanischen Vereinen unter Vertrag (16 Spieler), prominentester Akteur ist der für Manchester United spielende Angreifer Javier Hernandez (genannt: "Chicharito").

Kroatiens Coach Niko Kovac hat sich noch nicht für den endgültigen 23er Kader entschieden, berief aber vier BL-Spieler (Olic, Perisic, Mandzukic, Badelj) in das vorläufige 30er Aufgebot. Der angeschlagene Illicevic wurde gestrichen. Mit u.a. Srna, Corlica, Modric, Kranjcar, Kovacic, Rakitic und Jelavic stellen die Kroaten zudem ein international erfahrenes - quer durch alle Mannschaftsteile reichendes - ausgebufftes Team auf die Beine, das durchaus nicht chancenlos dasteht. Schwierig dürfte allerdings der Auftakt sein, wenn man im Eröffnungsspiel der "Selecao" gegenübersteht. "Wir müssen nicht die nächste Runde erreichen, aber wir wollen", sagt Kovac. Platz zwei ist machbar.

Der erklärte Außenseiter der Gruppe, die von Volker Finke betreute Nationalmannschaft Kameruns, steht vor ihrer siebten WM-Teilnahme. Zwei Bundesligaspieler (Choupo-Moting und Matip), sowie Zweitligastürmer Idrissou (Kaiserslautern) stehen in der vorläufigen 28er Auswahl. Verglichen mit den Gruppengegnern, scheinen die "Unzähmbaren Löwen" weniger ausgeglichen besetzt, Kapitän Samuel Eto´o ragt als internationaler Star heraus. Finke allerdings hat das Team in den vergangenen Monaten enger zusammengeschweißt und weitere Schlüsselspieler ausgemacht: "Natürlich ist Samuel ein Stürmer, der den Unterschied ausmachen kann. Aber im Mittelfeld haben wir Song und in der Abwehr N´Koulou und Chedjou. Das sind drei weitere Spieler, die das Rückgrat unserer Mannschaft bilden". Seine Erklärung zu den Chancen in der Gruppe ist unmissverständlich: "Wir sind die ´Underdogs´. Aber wir wollen die K.o.-Runde erreichen."

André Schulin



Das war natürlich ein super Start für ihn. Zwei Spiele, fünf Tore - so viel hat er jetzt im Training nicht getroffen in den letzten Tagen.

— Manuel Neuer, FC Bayern, über Robert Lewandowski.