DFB-Team

Gebremste Favoriten

von Günther Jakobsen14:52 Uhr | 18.10.2012

Deutschlands kurioses 4:4-Remis gegen Schweden zählte in der vierten Runde der UEFA-WM-Qualifikation zu der Besonderheit, dass die vier bestplatzierten europäischen Teams der FIFA-Weltrangliste - Spanien (1), Deutschland (2), Portugal (3), England (5) - nicht über Punkteteilungen hinaus kamen.

Dass sich mit Belgien und Kroatien (jeweils 10 Zähler) zwei Teams in der Gruppe A nach vier Runden bereits derart deutlich absetzen konnten, war nicht zwingend zu erwarten. Die nächsten Verfolger, Serbien und Mazedonien (jeweils 4), hingen bedenklich zurück, vom britischen Schlussduo Wales (3) und Schottland (2) ganz zu schweigen. „Wir haben unsere Zielsetzung mit zehn Punkten aus vier Spielen absolut erfüllt", meinte Kroatiens Coach Igor Stimac nach dem ungefährdeten 2:0-Sieg gegen Wales, bei dem ein Fehler von „Dragons“-Keeper Price, durch Mandzukic eiskalt ausgenutzt, Kroatiens 1:0-Führung ermöglichte (27.). Der gebürtige Brasilianer Eduardo, seit 2002 kroatischer Staatsbürger, traf zum Endstand (58.).

Italien, Spitzenreiter der Gruppe B, kam nach seinem 3:1-Sieg gegen Dänemark (2 Punkte) ebenfalls auf zehn Zähler. Die Azzurri spielten die komplette zweite Hälfte in Unterzahl (Rote Karte gegen Osvaldo). Dahinter platzierte sich vorerst Bulgarien (0:0 in Tschechien) mit sechs Punkten auf dem zweiten Rang. Da abgesehen von den beiden Erstplatzierten alle anderen Mannschaften erst drei Spiele absolvierten, war die Tabellensituation nicht verbindlich. An Italiens Topposition gab es allerdings nichts zu deuteln. Deutschlands ominöses 4:4-Remis gegen Schweden beendete einerseits die Siegesserie der DFB-Elf in Qualifikationsspielen - in 13 Partien in Folge hatte man immer die volle Punktzahl eingeheimst. Auf der anderen Seite blieb das Feld in der Gruppe C damit enger beisammen. Österreich (4:0 gegen Kasachstan) und Irland (4:1 bei den Färöern) rückten heran. Und Giovanni Trapattoni erhielt vom irischen Verband die Zusage, die Auswahl der „Grünen Insel“ weiterhin betreuen zu dürfen.

Ihr 3:1-Auswärtserfolg bei den Rumänen machte die Niederländer (12 Punkte), mit einem starken van der Vaart, zum verlustpunktfreien Spitzenreiter der Gruppe D. Die Rumänen und auch Ungarn (jeweils 9 Punkte) boten sich als aussichtsreichste Kandidaten für Platz zwei in der Endabrechnung an, derweil die Türkei (3 Zähler) nach der 1:3-Pleite in Budapest nur noch auf einen Kraftakt in den Restspielen hoffen kann. Die Schweiz gewann auch ihr zweites Auswärtsspiel in der Gruppe E (2:0 in Island) und verteidigte damit ihre Tabellenführung. Die unterlegenen Isländer mussten Norwegen (3:1 auf Zypern) und Albanien (1:0 gegen Slowenien) vorbeiziehen lassen - die Hoffnung im Kampf um die vorderen Plätze indes noch nicht. Es blieb eng. Etwas anders stellte sich dagegen die Lage in der Gruppe F dar. Portugal, wenige Tage zuvor in Russland unterlegen, leistete sich auf eigenem Platz ein 1:1-Remis gegen Nordirland, was zu einem nicht unerheblichen Fünfpunkterückstand gegenüber den Russen (12 Punkte) führte. Peinigend kam hinzu, dass Israels 3:0-Erfolg über Luxemburg die Portugiesen sogar auf den dritten Rang drückte.

Griechenlands Goalgetter Salpingidis gelang aus kurzer Distanz der glückliche 1:0-Siegtreffer beim Gastspiel in der Slowakei (63.), der den Dreikampf in der Gruppe G zunächst einmal auf ein Duell mit den punktgleichen Bosniern (3:0 gegen Litauen) reduzierte. Der Spielverlauf machte allerdings deutlich, dass mit den drei Punkten hinterher hängenden Slowaken (7 Zähler) immer noch zu rechnen ist. Das wegen starker Regenfälle von Dienstag auf Mittwoch verlegte Gastspiel der Engländer in Polen (Gruppe H) endete mit einem für die Briten ernüchternden 1:1-Remis. Rooneys Kopfball, nach einer Ecke, sorgte für die 1:0-Führung Englands (31.). Polen zahlte jedoch mit gleicher Münze heim: Nach einer Eckstoßflanke köpfte Glik in der 70. Minute zum verdienten Ausgleich ein. Da Montenegro einen 1:0-Sieg in der Ukraine landete, gingen die Balkankicker als Gewinner aus diesem Spieltag hervor. England (4 Spiele/8 Punkte) konnte seine Tabellenführung gegenüber Montenegro (3 Spiele/7 Punkte) nicht wirklich feiern. Keine Freude kam auch bei den Spaniern (Gruppe I) auf, die sich zuhause mit einem mühsamen 1:1 gegen Frankreich begnügen mussten. Die Franzosen, denen ein Treffer fälschlicherweise wegen Abseits aberkannt wurde, waren in der zweiten Halbzeit das bessere Team. Zunächst aber hatte Frankreichs Schlussmann Lloris, der u.a. einen Elfer Fabregas’ parierte, großen Anteil daran, dass die Gäste nicht höher als 0:1 (25., Ramos, aus kurzer Distanz) zurücklagen. Girauds Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit belohnte dann den Mut der Franzosen nach der Pause.



Wenn du einen Elfer schießen musst, knallst du ihn einfach in die Mitte. Der Toni wird schon wegspringen!

— Wolfgang Sidka, Hertha BSC, zu einem Elfmeter gegen Köln und Toni Schumacher, 1983.