Mit 37 Buden fing sich Werder doch wieder eine horrende Anzahl Gegentreffer ein, nachdem man zu Saisonbeginn noch an eine Besserung des Abwehrverhaltens geglaubt hatte. Generell hat Robin Dutt noch viel Arbeit vor sich, um die Balance im Team auf ein Niveau zu bringen, das seriös für einen Platz in der vorderen Tabellenhälfte in Frage kommt.
Der Start konnte besser nicht sein: Zwei 1:0-Erfolge, erzielt in Braunschweig und gegen den FC Augsburg, bescherten den Grünweißen nebst ihrem neuen Coach Robin Dutt glatte sechs Punkte und - was angesichts der vorigen Saison mit satten 66 Gegentreffern besonders wichtig war - zwei Zu-null-Spiele. Der zweite Spieltag war aber auch deshalb ein besonderer für Werder, da man im Weserstadion bei dieser Gelegenheit die Verbundenheit zum nicht anwesenden Thomas Schaaf demonstrierte. Auf den Rängen wurden 42.000 "Danke Thomas"-Schildchen hochgehalten, als Anerkennung für die 14-jährige Trainertätigkeit Schaafs. Dessen Nachfolger ließ sich jedoch vom kurzzeitigen Höhenflug nicht blenden. "Das ist für Werder ja nun wirklich eher ungewöhnlich", freute sich Dutt über die gegentorfreien Partien, betonte jedoch, und das war auch schon bei den glücklichen Siegen erkennbar, dass noch eine Menge Arbeit anstehen würde. Als Beleg dafür konnten die folgenden drei Partien herhalten, die allesamt verloren gingen. Der 2:0-Auswärtserfolg beim Hamburger SV entspannte die Lage der Bremer dann wieder; besonders Torjäger Nils Petersen durfte aufgrund seines Doppelpacks nach zuvor langer Tor-Flaute erleichtert durchatmen. Drei Unentschieden am Stück sorgten anschließend dafür, dass Werder sich im Mittelfeld der Liga zu stabilsieren schien. Danach jedoch folgte eine bittere Phase, die alle überwunden geglaubten Schwächen der Bremer offen legte: Es hagelte Gegentore en masse - mit der schlimmen 0:7-Heimpleite gegen die Bayern als Gipfel. In zahlreichen Gazetten wurde süffisant berichtet, dass der zeitgleich wütende Orkan "Xaver" weniger Unheil angerichtet hätte, und das Spiel aus Bremer Sicht besser ausgefallen wäre. Der folgende Spieltag brachte dann zwar erneut eine Niederlage, das 2:3 in Berlin bewies allerdings, dass die Moral der Grünweißen ungebrochen war. Zum Abschluss der Hinserie versöhnte Werder seinen Anhang auf die gleiche Weise, wie man begonnen hatte: Mit einem 1:0-Sieg. Santiago Garcia traf gegen nicht zwingend in Bestform agierende Leverkusener.
Der Argentinier durfte neben Luca Caldirola als ordentlicher Bremer Neuzugang eingestuft werden. Offensivspieler Franco Di Santo hatte einen weniger glücklichen Einstand bei den Hanseaten. Verletzungsprobleme sowie eine berechtigte Rot-Sperre ermöglichten nur acht Einsätze (ein Treffer) des technisch beschlagenen Argentiniers. Cedrick Makiadi, von Dutt aus Freiburg losgeeist, blieb ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Unverhofft öffnete sich dagegen ausgangs der Hinserie, bedingt durch die zahlreichen Gegentore, Raphael Wolf die Chance, im Tor der Grünweißen sein Können zu beweisen. Eine bessere Quote als Sebastian Mielitz wies der Österreicher indes nicht aus - 14 Mal musste er das Leder während seiner vier Einsätze aus dem Netz fischen. Da ihm trotz dieser verheerenden Bilanz jedoch keine Torwartfehler nachgesagt werden konnten, sollte der Konkurrenzkampf um den Platz zwischen den Pfosten für die Rückserie offen sein.
Ein Teil der unkonstanten Werderleistungen dürfte auch auf diverse Verletzungsfälle zurückzuführen sein. Hierbei wiegt der Ausfall von Zlatko Junuzovic (Haarriss im Sprunggelenk) wohl besonders schwer, da der Österreicher neben Aaron Hunt als wirkungsvollster Mittelfeldakteur auftrat. Kämpferisch war den Grünweißen in der Hinserie kaum ein Vorwurf zu machen; bis spielerisch wieder ein Rädchen reibungslos und konstant ins andere greift, sollte der Werder-Fan jedoch noch ein Quäntchen Geduld aufbringen. Bei optimalem Verlauf wird den Bremern ein einstelliger Tabellenplatz möglich sein, wahrscheinlicher ist jedoch, dass jeder Punkt hart erkämpft werden muss, um die Klasse zu halten.
Es muss allen klar sein, dass wir jede Promille brauchen.
— Mainz-Coach Bo Svensson setzt gegen Bayer Leverkusen auf vollen Einsatz...