Einen Großteil der abgelaufenen Saison verbrachten der Hamburger SV und der VfB Stuttgart im Tabellenkeller. Als größte Hoffnungsträger der kommenden Spielzeit fungieren in beiden Klubs nun Personen, die nicht (mehr) persönlich auf dem Platz für Punkte sorgen sollen: HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer und VfB-Trainer Armin Veh.
Nach einer katastrophalen Saison, die so gerade noch mit der Vermeidung des Abstieges endete, versucht sich das Bundesliga-Urgestein Hamburger SV neu aufzustellen. Die Ausgliederung der Fußball-Profis aus dem Gesamtverein, im Mai, war eine notwendige strukturelle Veränderung. Die Rückholaktion von Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer gründet auf der Annahme, dass der einstige HSV-Profi ausreichend Kompetenz und Durchsetzungsvermögen mitbringt, den Verein nach langen Jahren der Flickschusterei sowohl im administrativen, wie auch im sportlichen Bereich personell und ideell in die Erfolgsspur zu drücken. Kein leichtes Unterfangen, aber erste Weichen sind bereits gestellt. Bernhard Peters (Ex-Hockey-Bundestrainer, zuletzt bei Erstligist Hoffenheim tätig) soll die Nachwuchsarbeit der Hanseaten entscheidend verbessern, der langjährige Ex-Spieler David Jarolim soll ebenfalls noch für die Jugendabteilung gewonnen werden. Finanziell scheint man aus dem Gröbsten heraus, da die neue Struktur der Vereinsführung größeren Spielraum (Sponsoren) gewährt und Hauptinvestor Klaus-Michael Kühne offenbar geneigt scheint, Mirko Slomkas Wunschspieler Nicolai Müller (FSV Mainz), Matthias Ostrzolek (FC Augsburg), Valon Behrami und evt. Blerim Dzemaili (beide SSC Neapel) zu finanzieren. Mit der geglückten permanenten Übernahme Pierre-Michel Lasoggas (von Hertha) hatte man zuvor bereits ein Erfolgserlebnis verbucht, derweil der nicht unbedingt erwünschte Abgang Hakan Calhanoglus (für etwa 14,5 Mio. nach Leverkusen) angesichts der unschönen Begleiterscheinungen wohl als beste Lösung gesehen werden muss. Noch nicht hundertprozentig sicher ist der Verbleib Rafael van der Vaarts, dem wohl ein Angebot aus England vorliegt. "Wir brauchen ein neues Gesicht, eine andere Einstellung, müssen robuster sein ...", hatte Slomka kurz nach dem gesicherten Klassenerhalt gefordert. Das neue Gesicht nimmt Formen an, eine veränderte Einstellung wird erst im Ernstfall erkennbar.
Auch beim VfB Stuttgart wird ein Heimkehrer bejubelt: Armin Veh, der die Schwaben 2007 zu ihrer letzten Meisterschaft führte, kehrte zurück an die Stätte seines größten Erfolges: "Ich habe sehr gute Erinnerungen an den Verein, kenne die Menschen und das Umfeld hier." Sein Ziel: "Eine Chance darauf, einen internationalen Platz zu erreichen ..." Dass der VfB mit seinem nominell gut bestückten Kader in der vergangenen Saison nur mühevoll dem Abstieg entrann, hat auch Veh erstaunt zur Kenntnis genommen. Einen größeren Umbruch hielt er zunächst für unnötig; wesentliche personelle Veränderungen waren deshalb unwahrscheinlich. Vor allem im Angriff sah Veh keinen Handlungsbedarf. "Wir haben ja vier Stürmer. Wenn ich jetzt noch einen hole, nur weil einer zwei Monate ausfällt, wird der Kader irgendwann zu groß." Da mit Harnik (Reha nach schwerer Schulterverletzung) und Abdellaoue (monatelanger Ausfall wegen Knie-OP) jedoch zwei Stürmer nicht an der Saisonvorbereitung teilnehmen können, ist ein Umdenken nicht ausgeschlossen.
Vielleicht blühen ja auch die zurückgekehrten ´Leihspieler´ Kvist und Holzhauser unter Vehs Regie beim VfB auf - Sportdirektor Fredi Bobic würde es freuen, denn er hatte auf der Mitgliederversammlung am 28. Juli einen schweren Stand. "Das geht klar auf meine Kappe, ich trage die Verantwortung und möchte daraus lernen", räumte er Fehler für diverse Fehlentwicklungen ein. "Wir arbeiten intensiv daran, die nächsten Transfers zu realisieren", deutete er abschließend an, dass der Kader sich bis zum Saisonstart doch noch auf einigen Positionen verändern könnte.
Lieber arbeitslos als Österreicher!
— Claus Reitmaier hält nichts von einem Wechsel in die österreichische Bundesliga...