Confederations Cup - News

Japan besser, aber Italien gewinnt

von Günther Jakobsen14:33 Uhr | 20.06.2013

Das bessere Offensivspiel, weitaus mehr Torchancen und der größere Ballbesitz gingen an Japan. Italien aber, obwohl anfällig in der Defensive, offenbarte seine Fähigkeit, ein Spiel zu gewinnen. Der 4:3-Erfolg der Azzurri schmiss Japan aus dem Rennen, derweil Italien sich das Halbfinale sicherte.

Die 1:0-Führung der Japaner fiel verdient, wenn auch von einer diskussionswürdigen Schiedsrichterentscheidung begünstigt. Als Italiens Schlussmann Buffon nach einem schlampigen Rückpass Sciglios zu einem Tackling mit dem heranstürmenden Okazaki gezwungen war, wollte der Unparteiische ein Foul des Italieners erkannt haben und zeigte auf den Punkt. Gegen Hondas Strafstoß war Buffon machtlos (21.). Schon zuvor hatte der Asienmeister gute Chancen herausgearbeitet, höhere Ballbesitzanteile sowie die bessere Spielanlage für sich beansprucht. Italien schien von der Spielstärke der Japaner überrascht. Und agierte nachlässig in der Abwehr. Als man in der 32. Minute das Leder nicht aus der Gefahrenzone bekam, Chiellini und Montolivo inkonsequent neben Kagawa standen, schaltete der Japaner schnell und haute die Kugel aus der Drehung zum 2:0 ins Netz. Dieser deutliche Rückstand animierte die „Azzurri“, ihren Einsatz zu steigern. Es bedurfte allerdings einer Standardsituation, um den Anschluss herzustellen: de Rossi wuchtete per Kopf einen Eckball Pirlos ins Netz (41.). Sogar der Ausgleich war in der Schlussphase der ersten Halbzeit noch möglich, doch Giaccherini traf in der Nachspielzeit nur den rechten Pfosten.

Das ansprechende, seitens der Japaner recht offensiv gespielte Match wurde nach der Halbzeitpause noch interessanter. Binnen weniger Minuten gelang es Italien, die Vorzeichen komplett zu ändern. Dem ersten Rückschlag für die Asiaten nach Wiederanpfiff ging ein grober Abwehrfehler im eigenen Sechzehner voraus. Yoshida verpasste es, konsequent zu klären und ermöglichte es dadurch Giaccherini, den Ball noch auf der Torauslinie zu erobern. Der wuselige Juve-Stürmer passte das Leder ins Zentrum, wo Uchida, beim Versuch, noch vor dem einschussbereiten Balotelli zu klären, ein Eigentor unterlief (50.). Damit nicht genug. Die Italiener setzten nach und erhielten - ebenfalls sehr fragwürdig - einen Handelfmeter, nachdem Hasebe, der einen Schuss Giovincos mit dem rechten Bein blockte, der Abpraller an den Arm sprang. Balotelli setzte den Elfer flach zum 3:2 ins linke Eck (52.). Danach zogen sich die Italiener wieder zurück und Japan machte das Spiel. Eine scharf von rechts herein geschlagene Freistoßflanke köpfte Okazaki aus kurzer Distanz zum 3:3-Ausgleich ein (69.) - ein Treffer, der unbedingt nötig war, um die Halbfinalchance der Asiaten zu erhalten. Die vom Italiener Alberto Zaccheroni gecoachten Japaner wollten aber mehr als ein Remis und drängten in der Folgezeit vehement weiter. Sie kamen durch Distanzschüsse von Honda (71.) und Hasebe (77.) einem Erfolg sehr nahe, beklagten aber in der 82. Minute doppeltes Pech, als nacheinander Okazaki (Pfosten) und Kagawa (Querbalken) nur das Gestänge trafen. Die Italiener brachten in dieser Zeit nur Ansätze von gefährlichem Konterspiel zustande - landeten aber einen Gegenstoß, beim dem alles passte: Über de Rossi und Marchisio rollte der Ball in der 86. Minute dem freigespielten Giovinco vor die Füße, der problemlos zum 4:3 einschob. Japans Schlussoffensive langte nur zu einem als solchen erkannten und daher nicht wertbaren Abseitstreffer von Yoshida (89.).

André Schulin



Wir haben schon ziemlich hart gespielt, aber immer im Grenzbereich.

— Andreas Müller, Schalke, zum Saisonfinale 1994 beim FC Bayern.