Konsolidierung nach dem Aderlass

von Günther Jakobsen20:23 Uhr | 05.01.2014

In der letzten Saison hievte sich der SC Freiburg geradezu sensationell in den Europacup. Wichtige Protagonisten dieses Erfolges wurden zur aktuellen Spielzeit jedoch abgeworben. Das neu formierte Team tat sich nunmehr erwartungsgemäß schwer und musste auf dem Relegationsrang überwintern.

Nach der zu erwartenden Startniederlage in Leverkusen (1:3) mussten die Schwarzwälder ausgerechnet gegen die sieben Monate auswärts sieglosen Mainzer im ersten Heimspiel eine Niederlage (1:2) einstecken. Es folgten zwei hoffnungsvolle Remis: Zuerst das unterhaltsame 6-Tore-Spektakel in Hoffenheim, dann das sensationelle 1:1 gegen den FC Bayern, allerdings mit sehr viel Glück. Doch es ging nicht aufwärts. In Augsburg kassierte das Streich-Team kurz vor Schluss das 1:2, gegen Liberec (2:2) und in Sevilla (0:2) kam die Mannschaft auch im Europapokal nicht vorwärts, musste nach einem Heim-1:1 gegen Hertha und einem 2:1 im DFB-Pokal über Stuttgart, dem ersten Pflichtspielerfolg, ein 0:5 in Dortmund verkraften. Drei weitere Unentschieden gegen Frankfurt (1:1) in Bremen (0:0) und daheim gegen Praia (1:1) ließen die Elf auf der Stelle treten. Über den 14. Platz kam der Sport-Club in der Bundesliga auch weiterhin nicht hinaus. Eines der vielleicht schlechtesten Hinspiele absolvierten die verletzungsgeplagten Freiburger auf eigenem Platz gegen den HSV und gingen zu Recht mit 0:3 unter. Es folgte allerdings in Nürnberg der erste Bundesligadreier am 11. Spieltag (3:0). Und auch wenn beim VfB ein 1:3 wenig ermutigte, hatte der 1:0-Sieg in Braunschweig den Abstand nach ganz unten manifestiert. Zudem ließ der erste Sieg in der Europa-League (2:1 in Liberec) Hoffnung aufkeimen. Doch dann warfen vier Niederlagen die Breisgauer zurück. Dem Heim-Aus im DFB-Pokal (1:2 gegen Leverkusen) folgten zwei Schlappen gegen Wolfsburg (0:3) und Schalke (0:2) sowie das EL-Aus gegen Sevilla (0:2). Immerhin wurden die Hannoveraner im letzten Spiel mit einem 1:2 nach Hause geschickt, dem ersten Heimsieg des SC der Bundesliga-Hinserie.

Im Tor hatte Freiburg mit Oliver Baumann einen überdurchschnittlichen Vertreter seines Faches, der einzig gegen den HSV völlig von der Rolle war (Note 6), was ihm seine gute Durchschnittsnote (3,09) etwas verhagelte. Die Viererkette konnte indes nicht überzeugen. Zu viele individuelle Fehler zogen die Beurteilungen der Außenverteidiger Sorg (3,73) und Günter (3,96) sowie der Innenverteidigern Diagné (4,08), Höhn (3,72) und Krmas (3,90) nach unten. Solidester Defensivmann war noch der oft zurückgezogen agierende Ginter (3,53), nach dem allerdings auch schon Dortmund die Finger auszustrecken scheint. Ginter überzeugte in der Regel nicht nur hinten, sondern war auch im Mittelfeld der beste Mann Trainer Streichs. Die Neuzugänge Fernandes (3,77), Coquelin (4,05) und Höfler (4,00) konnten dagegen nur punktuell überzeugen. „Alt-Freiburger“ wie Schmid (3,67) und Schuster (3,96) hatten neben ihren Verletzungspausen zudem längst nicht die Form des Vorjahres erreicht und müssen in der Rückrunde gehörig zulegen. Darida, Klaus und Pilar - alle neu verpflichtet - hatten letztlich zu wenige Einsätze, fielen gleichfalls dabei nur selten positiv auf. Im Angriff stach Mehmedi (3,43) hervor, traf immerhin fünf Mal und fehlte nur einmal. Dennoch konnte er ebenso wenig einen Max Kruse ersetzen wie seine Offensivkollegen Freis (3,88), Hanke (3,63) oder Guedé (3,80).

Weil der Sport-Club ohne die Last der Europa-Legue und des DFB-Pokals alle Konzentration auf den Abstiegskampf legen kann, die Integration der Neuzugänge langsam Früchte trägt und zum Start in die Rückrunde einige Langzeitverletzte wieder einsatzfähig sind, sollte sich das Team alsbald in Sicherheit bringen können. Bereits unter erschwerten Bedingungen boten die Schwarzwälder vor der Winterpause eine Reihe an Spielphasen, in denen das schnelle Kombinationsspiel der Vorsaison aufblitzte. Sollte es dem Team gelingen, die Individualfehler in der Deckung zu minimieren, die Durchschlagskraft im Angriff zu steigern und das Mittelfeldspiel mit dem dominierenden Ballbesitz wieder in der Nähe der Vorjahresqualität zu kultivieren, wäre der Klassenerhalt am Ende dieser Saison kaum mehr infrage zu stellen.

Ulrich Merk



Warum es immer dem HSV passiert, kann ich auch nicht sagen.

— Markus Gisdol nach der dritten Erstrundenaus des HSV beim VfL Osnabrück