Mit Szalai, Kirchhoff und Ivanschitz musste Mainz zur aktuellen Saison nicht unwichtige Stammspieler ziehen lassen. Neuzugänge wie Okazaki, Geis und zuletzt auch Park und Malli kompensierten die Abgänge jedoch überraschend gut. Die Tuchel-Elf landete auch deshalb zur Mitte der Spielzeit, für nicht wenige Beobachter überraschend, in der oberen Tabellenhälfte.
Zwar flogen die Mainzer bereits im September beim 1. FC Köln (0:1) im DFB-Pokal aus dem Geschäft und hatten sich zuvor in der 1. Runde auch nur knapp beim Viertligisten Fortuna Köln (2:1) durchgesetzt, doch der Start in die neue Saison verlief nahezu optimal. In den ersten drei Spielen gab der FSV nicht ein Pünktchen ab und fand sich auf Platz vier wieder. Stuttgart (3:2) und Wolfsburg (2:0) mussten sich Am Bruchweg geschlagen geben, aus Freiburg entführte man beim 2:1 ebenfalls drei wohlverdiente Zähler. Doch es sollte ein übersichtliches Intermezzo bleiben, denn neben dem Pokal-Aus ging es auch in der Bundesliga zum Herbst plötzlich rapide bergab. In Hannover (1:4) ließ man sich nach starkem Beginn auskontern, gegen Schalke (0:1) war die Chancenausbeute zu gering, in Leverkusen (1:4) lag der FSV schon zur Halbzeit verdient 0:3 zurück, in Berlin (1:3) brach das Team nach der Pause ein, während gegen Hoffenheim (2:2) zumindest per Last-Minute-Treffer ein schmeichelhaftes Remis gelang. Das 1:4 beim FC Bayern nach eigener Halbzeit-Führung war dann schon eher Liganormalität. In den restlichen acht Partien der Hinrunde aber unterlag Mainz nur noch zweimal, zuerst 1:2 bei den erstarkten Augsburgern sowie 1:3 in Dortmund, also weniger überraschend. Gegen Nürnberg (1:1) und Gladbach (0:0) gab es Schatten und Licht, doch Braunschweig (2:0), Frankfurt (1:0), Bremen (3:2) und der HSV (3:2) zogen jeweils zu Recht den Kürzeren. Die letztlich ausgeglichene Bilanz reichte am 17. Spieltag für einen aus FSV-Sicht zufrieden stellenden 9. Rang.
Im Tor hatte sich anfangs Heinz Müller (Durchschnittsnote: 3,15) behauptet, der seinen Platz in den letzten sechs Partien allerdings an Nachwuchsmann Karius (3,17) abgeben musste. In der Winterpause wurde zudem noch Dario Kresic verpflichtet, dem aktuell allerdings die Spielpraxis fehlt. Noch ist die Position im Tor somit eine kleine Baustelle. Sehr durchwachsen stellte sich letztlich auch die Viererkette dar. Die beiden Oldies Pospech (3,47) und Noveski (3,41) sowie Neuzugang Park (3,74) waren zwar immer dabei, doch nicht immer optimal präsent. Bell (3,30) konnte sich zuletzt gegen Routinier Svensson (3,73) behaupten, erwies sich dabei als hoffnungsvoller Stabilisator. Junior Diaz (3,60) und Bungert (3,50) waren aufgrund von Verletzungen zurückgeworfen, könnten den Wettbewerb aber künftig wieder befördern.
Auf der "Sechs" konnte sich Neuzugang Johannes Geis (3,28) durchsetzen und war nicht mehr zu verdrängen. Stark auch Nicolai Müller (3,44) und Choupo-Moting (3,27), Erstgenannter als zuverlässiger Torschütze, der andere als brandgefährlicher Joker. Zimling (3,77), Soto (4,20) und der Ex-Schalker Moritz (4,07) fielen dagegen deutlich ab, wurden sinnvoller Weise regelmäßig ausgewechselt, während sich Techniker Malli (3,40) zuletzt immens steigerte und eine weitere Option darstellt.
Als Volltreffer im Angriff erwies sich nach einer kleinen Anlaufphase Shinji Okazaki (3,44), der es wie Nico Müller auf acht Treffer brachte. Polter (3,64) und Parker (3,50) mangelte es dagegen noch an Konstanz.
Mit Ja-Cheol Koo, der vor allem in Augsburg teils tolle Leistungen offenbarte, kam ein neuer "Zehner" in der Winterpause, der die Kreativität nach vorne beflügeln soll. In Wolfsburg hatte er sich zwar nicht durchsetzen können, doch dort hatte die Konkurrenz in der Hinserie auch eine ganz besondere Qualität. Wenn sich zudem die Abwehr weiter stabilisieren sollte, dürften die Mainzer im gesicherten Mittelfeld der Liga ihren Platz behalten können. Nach oben sollten die Ambitionen schnell an Grenzen stoßen, in Richtung unteres Drittel ist indes auch einiges Unschönes möglich. Vor allem wenn sich Verletzungspech einstellen sollte. Das Polster von zehn Punkten auf den Relegationsplatz aber dürfte letztlich komfortabel genug sein, um nicht mehr in Gefahr zu geraten.
Ulrich Merk
Gott hat mich geschaffen, um den Menschen mit meinen Toren Freude zu machen.
— Romario, brasilianischer Weltmeister von 1994.