Kräftemessen zweier CL-Aspiranten

von Günther Jakobsen13:49 Uhr | 31.03.2006

Im Kampf um die Champions-League-Plätze ist die Begegnung Schalke gegen den HSV bedeutsam. Schalke steht unter größerem Druck: Bei einer Niederlage wäre der Rückstand der Westdeutschen auf den HSV auf sieben Punkte angewachsen.

Hamburger Handikap
Ausgeglichener kann es nicht sein: In 29 Bundesligaspielen hat Schalke den HSV geschlagen und genauso oft gegen die Hanseaten verloren. 17 Partien blieben ohne Sieger. Die Versuchung, aus der Statistik einen eindeutigen Favoriten im Spitzenspiel des Vierten gegen den Zweiten ableiten zu wollen, greift also nicht, zumal selbst eine signifikante Heim/Auswärts-Lastigkeit nicht erkennbar wird. Bleibt, so man denn über den Ausgang spekulieren möchte, der Blick auf die Kader. Da muss dem HSV der Nachteil bescheinigt werden, ohne die etatmäßige Innenverteidigung (van Buyten verletzt, Boulahrouz Gelb-gesperrt) in die Außenseiter-Rolle gedrückt zu werden. Schalke, mit dem UEFA-Cup-Erfolgserlebnis gegen Sofia im Rücken, kann personell aus dem Vollen schöpfen.

Macht`s Ailton besser?
Zum zweiten Mal in der jüngeren Vergangenheit verpflichtete der HSV einen Stürmer der zuvor das Trikot der Knappen getragen hatte: Ailton. Dessen Vorgänger war Emile Mpenza, der auf Schalke (79 Spiele/28 Tore, zwischen 1999 bis 2003) am Schluss ebenso wenig zurechtkam wie beim HSV (36 Spiele/5 Tore, 2004 bis 2005). Ganz ähnlich wie Mpenza polarisiert auch Ailton, der in Gelsenkirchen nie heimisch wurde und bei jeder möglichen Gelegenheit die Autobahn in Richtung Bremen ansteuerte, wo er im Kreis der Werderaner Nestwärme empfangen konnte. Aber seine Tore machte er für die Knappen: 14 Treffer in 29 Spielen sind keine schlechte Quote. Das war auch der Grund, weshalb in der Winterpause der Blitztransfer Ailtons von Besiktas zum HSV zustande kam. Eine Zwangspause (Kieferbruch) warf den Brasilianer zurück, so dass sein erstes Ligator für den HSV erst am vorigen Spieltag fiel. „Vielleicht läuft es ja so wie gegen Dortmund. Ich werde eingewechselt und schieße ein Tor. Wir dürfen dann nur nicht wieder drei Gegentore bekommen“, sinniert Ailton zum anstehenden Gipfeltreffen.

Schalke unter Erfolgsdruck
„Eins ist sicher: Wir werden am Sonntag eine Klasse-Mannschaft auf dem Feld haben“, stärkt HSV-Coach Tomas Doll besonders Guy Demel und Bastian Reinhardt den Rücken, die für die ausfallenden van Buyten und Boulahrouz in der Anfangsformation stehen. Rückendeckung seitens der Schalker genießt Stürmer-Neuzugang Kevin Kuranyi, der nach überstandenem Meniskuseinriss in der Vorwoche zu einem Teilzeiteinsatz kam, ein Tor erzielte und erneut von Beginn an auflaufen wird. Nur das Endresultat, das 2:2 gegen den VfL Wolfsburg schmeckte den Schalkern überhaupt nicht. „Das ist besonders bitter, weil wir den HSV nun im Heimspiel angesichts von vier Punkten Differenz nicht überholen können. Wir schauen dem Spielchen wieder von hinten zu“, dachte Trainer Mirko Slomka sofort an das Spiel gegen den CL-Platz-Konkurrenten. Bei einer Heimpleite wäre das Nachsehen kaum noch reparabel.

André Schulin



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