Für Mario Mandzukic verlief das erste Halbjahr bei Bayern München wechselhaft. Erst schlug der kroatische Neuzugang vom VfL Wolfsburg wie eine Granate in der bayrischen Landeshauptstadt ein, erzielte in seinen ersten elf Ligaspielen für den neuen Arbeitgeber gleich neun Tore. Doch auf Treffer Nummer neun folgte nur ein umstrittener Jubel, allerdings bis zur Winterpause kein Tor mehr.
In der vergangenen Bundesliga-Saison 2011/12 war Mario Mandzukic an 21 Treffern - zwölf hatte er selbst erzielt, neun weitere vorbereitet - seines damaligen Vereins VfL Wolfsburg beteiligt. Bei der Europameisterschaft im Sommer erzielte er drei von insgesamt nur vier Toren seiner kroatischen Nationalmannschaft. Fast jede Mannschaft der Welt wäre froh gewesen, so einen Angreifer im Kader zu haben. Zumal der Vertrag des Kroaten in der Autostadt eigentlich noch bis 2014 gelaufen wäre. Und ursprünglich wollte der Stürmer diesen Kontrakt sogar bis 2016 ausdehnen. Aber mit seinen Gehaltsvorstellungen hatte sich Mandzukic beim damaligen Wolfsburger Alleinherrscher Felix Magath verscherzt.
Schon im Mai 2012 wurde der Kroate zum Verkauf ausgeschrieben. Die anschließende Europameisterschaft nutzte er zur Eigenwerbung. Sogar dem FC Barcelona wurde ein Interesse am Stürmer nachgesagt. Schlussendlich war es Bayern München, der für die Ablösesumme von 14 Millionen Euro zuschlug. Beim deutschen Rekordmeister glauben sie, dass sie das Champions-League-Endspiel gegen den FC Chelsea (4:5 n.E.) für sich entschieden hätten, wenn sie einen Mandzukic oder Mitneuzugang Claudio Pizarro (kam von Werder Bremen) auf der Bank gehabt hätten. Stattdessen standen den Bajuwaren als Einwechselalternativen im „Drama dahoam“ lediglich der lange verletzte Angreifer Ivica Olic (wechselte später ablösefrei zum VfL Wolfsburg) und sein kaum eingesetzter Stürmerkollege Nils Petersen (wurde an Werder Bremen ausgeliehen) zur Verfügung.
Mandzukic‘ Wechsel nach München wurde schnell für beide Seiten zum Glücksfall. Denn Sturmkonkurrent Mario Gomez verletzte sich in der Saisonvorbereitung schwer und fiel für mehr als drei Monate aus. Auch Pizarro startete angeschlagen in die neue Spielzeit. Quasi kampflos kam der Neuzugang aus Wolfsburg an seinen Stammplatz bei den Bayern. Gleich in seinem ersten Pflichtspieleinsatz, dem Pokalspiel beim Zweitliga-Aufsteiger Jahn Regensburg (3:0), gelangen ihm zwei Tore. In der Liga ließ er neun Treffer folgen. Der kopfballstarke Neu-Münchner ist ein dankbarer Abnehmer für die Flanken von den Außenbahnen. Der Stürmer bleibt jedoch nicht im Sturmzentrum stehen, sondern ist im ständig rochierenden Münchner Angriffssystem viel unterwegs.
Nach seinem neunten Ligatreffer, der zwischenzeitlichen 1:0-Führung im Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg (1:1), salutierte Mandzukic vor der Münchner Fankurve. Pikant war nur, dass lediglich einen Tag zuvor die Gefängnisurteile des UN-Kriegsverbrechertribunals gegen zwei kroatische Kriegsgeneräle aufgehoben worden waren. „Das war nur ein Tor-Jubel und hat mit der anderen Sache gar nichts zu tun. Ich bin ein unpolitischer Mensch“, ließ sich der Bayern-Stürmer zitieren. Nicht so klug war, dass er auf seiner Internetseite dagegen „die Freude“ seiner Landsleute teilte. Der DFB beließ es zwar nur bei einer Ermahnung, aber die Vereinsverantwortlichen, allen voran Präsident Uli Hoeneß, tobten. Mit dieser Aktion leitete er nicht den kalendarischen, sondern seinen eigenen sportlichen Herbst ein. In den fünf Ligaspielen bis zur Winterpause gelang ihm kein Treffer mehr. Derweil war Konkurrent Gomez von seiner Verletzung genesen und als Einwechselspieler zweimal erfolgreich. Immerhin verlief der Jahresübergang für den kroatischen Angreifer versöhnlich. In seiner Heimat wurde er zum Fußballer des Jahres gewählt.
Senthuran Sivananda, Januar 2013
Als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern habe ich aus guter Tradition einen Cognac vor dem Spiel getrunken. Vielleicht probiere ich diesmal etwas Neues aus.
— Karl-Heinz Rummenigge zum Bundesliga-Start 2021.