Mühevoller "La Roja"-Erfolg durch Elfmeterschießen

von Günther Jakobsen13:01 Uhr | 28.06.2013

Italien blockierte Spaniens Kurzpassspiel erfolgreich, verpasste es aber, aus seinen zahlreichen Torchancen einen Vorsprung zu erarbeiten. Das kräftezehrende Halbfinale wurde somit im Elfmeterschießen entschieden - zugunsten der Spanier.

„Wir hatten das Glück im Elfmeterschießen“, hob Vicente del Bosque jenen Spielabschnitt hervor, der seiner Elf den Einzug ins Finale bescherte. Und die Spanier mussten tatsächlich ihr Glück strapazieren, um die reguläre Spielzeit unbeschadet zu überstehen. Speziell in den ersten 45 Minuten gab „La Roja“ ein selten gesehen, schwaches Bild ab. Den mit einer Dreier-Abwehrkette startenden Italienern gelang es von Beginn an, Spanien im Mittelfeld abzufangen. Der Weltmeister blieb auf seinen nutzlosen Ballbesitz-Vorteilen hängen, derweil die Italiener nach Balleroberung serienweise gefährliche Gegenstöße durchbrachten. Viel lief dabei über ihre linke Seite, wo Giaccherini kaum zu stoppen war. Erstaunlich einfach kamen Gilardino (15., Direktabnahme, knapp daneben), Maggio (17., Casillas klärt), de Rossi (19., Kopfball rechts vorbei) und Marchisio (20., Kopfball vorbei) zu großen Möglichkeiten. In der 36. Minute hätte Maggio nach Giaccherinis Flanke fast schon zwingend die Führung markieren müssen, scheiterte aber aus Nahdistanz mit seinem Kopfball an Casillas. Spaniens gefürchtetes Tiki Taka fand überhaupt nicht statt; die einzige Riesenmöglichkeit entsprang im wesentlichen einer starken Einzelleistung von Torres. Der Chelsea-Stürmer nahm den Ball in Bedrängnis mit dem Rücken zum Tor an, drehte sich dann blitzschnell, zog an seinem Bewacher vorbei und schloss sofort ab - der Schuss rauschte allerdings links vorbei (37.).

Die Fülle und Qualität an Torchancen, die sie in der ersten Hälfte erspielt hatten, konnten die Italiener nach dem Seitenwechsel nicht mehr generieren. Ein Großteil ihrer Angriffe lief nun über die rechte Seite; Candreva bereitete dort der spanischen Abwehr erhebliche Probleme. Dies hatte auch zur Folge, dass Linksverteidiger Alba nicht wie gewohnt offensiv in Erscheinung trat. Ein wenig präsenter wurde Spaniens Offensivspiel dennoch, weil Italien mit fortlaufender Spieldauer seinem hohen läuferischen Einsatz Tribut zollte und der in der 53. Minute eingewechselte Navas das spanische Offensivspiel frisch belebte. Mit Mühe rettete sich Italien in die Verlängerung.
Ein Pfostenschuss Giaccherinis deutete zu Beginn der Extrazeit an, dass mit Italien trotz seines Kräfteverschleißes noch immer gerechnet werden musste (93.). Gleichwohl rückten die Spanier, für die der eingewechselte Martinez im Sturmzentrum spielte (94., für Torres), nun verstärkt an den italienischen Sechzehner heran. Alba spitzelte, von Iniesta mit einem Lupfer bedient, den Ball nur knapp über den Querbalken (99.) und brenzlig wurde es für die Azzurri auch, als Xavi aus der Distanz abzog und Buffon den Schuss mit einer Hand noch glücklich an den Pfosten lenken konnte (115.). Italien wankte bedenklich, doch Spanien hatte auch nicht mehr die Kraft, dies entscheidend zu nutzen. Konsequenz: Elfmeterschießen. Mit großer Souveränität entledigten sich die jeweils ersten sechs Schützen der Nervenbelastung und trafen. Italiens Innenverteidiger Bonucci setzte das Leder dann über den Balken - die Entscheidung, da Navas nachfolgend seinen Versuch erfolgreich abschloss.

André Schulin



Das Lachkabinett geht weiter und jeder blamiert sich so gut, wie er kann.

— Rudi Assauer, Manager Schalke 04, über die ,,Trainer-Findungskommission" des DFB.