Bayern München tat sich im Auswärtsspiel beim bislang punktlosen französischen Vertreter OSC Lille schwerer als erwartet. Dennoch fuhr der deutsche Rekordmeister im dritten Champions-League-Vorrundenspiel dieser Saison den zweiten Sieg ein. Allerdings war es bezeichnend, dass ein Elfmeter für den goldenen Treffer sorgte.
Die Vorstellung der Bayern in Lille erinnerte teilweise fatal an die blamable 1:3-Niederlage beim weißrussischen Meister BATE Baryssau drei Wochen zuvor. Die Münchner entwickelten in der Offensive zu wenig Durchschlagskraft, obwohl Lille mit Debuchy (Sperre), Basa, Gueye und Kapitän Mavuba (alle verletzt) auf gleich vier Leistungsträger in der Verteidigung verzichten musste. Und in der Anfangsphase wackelte die eigene Hintermannschaft der Münchner bei den schnellen Kontern der Franzosen zumindest ein wenig. Doch im Gegensatz zur Blamage in Weißrussland, als Kroos frei vor dem leeren Gehäuse nur den Pfosten getroffen hatte, nutzten die Bayern diesmal ihre erste Großchance. Digne rutschte am Ball vorbei, so dass stattdessen Lahm an die Kugel kam. Lilles Linksverteidiger lief Bayerns Rechtsverteidiger hinterher und stieß ihn im Strafraum um. Der Schiedsrichter pfiff einen Foulelfmeter. Müller trat zum Strafstoß an und verlud den gegnerischen Schlussmann Landreau mit einem Schuss in die Mitte (20.). Mit der Führung im Rücken gewannen die Münchner in der Defensive an Sicherheit. Nach vorne ließen sie es dagegen weiterhin an Zug zum Tor vermissen. Wenn was nach vorne lief, dann meist über Ribery. Der Münchner Mittelfeldspieler war gegen seine Landsleute nicht nur oft am Ball, sondern auch ein beliebtes Foulopfer der ruppigen Nordfranzosen
Deswegen musste Ribery nach der Pause mit einer Muskelverhärtung ausgewechselt werden. Auch ohne ihren Franzosen hatten die Bayern das Geschehen in der zweiten Halbzeit zunächst im Griff. Allerdings verpassten sie es, die Führung auf eine beruhigende Höhe zu schrauben. Die Gäste spielten ihre Angriffe nicht gut aus und kamen zu selten zum Abschluss. Nach einer guten Stunde hatten sie Pech, dass es nicht wieder einen Elfmeter gab, nachdem die Hereingabe des eingewechselten Shaqiri den zu hoch gehobenen Arm von Beria getroffen hatte (64.). Die beste Chance zur Vorentscheidung vergab Müller. Der Führungstorschütze erwischte eine Lahm-Vorlage nicht mit dem rechten Fuß, sondern ungewollt mit dem linken Knie, und von dort flog der Ball ins Toraus (77.). In der Schlussphase wagte der deutsche Rekordmeister dann einen Ritt auf der Rasierklinge. Die Bajuwaren ließen zu viel zu und sich zu weit in die Defensive drängen. Wie schon im ersten Champions-League-Auswärtsspiel dieser Saison gegen Baryssau schienen sie in der Endphase der Partie müde zu sein, als würden sie an einer Reisekrankheit leiden. Doch die Gäste aus Deutschland retteten den knappen Vorsprung über die Ziellinie - mit Glück in einigen Situationen, etwa als Dantes Abwehrversuch beim eingewechselten Lille-Kicker Mendes da Graca landete, aber dessen anschließender Schuss von Boateng abgeblockt wurde (78.), Geschick und gegnerischem Unvermögen. Denn meist suchten die Nordfranzosen zu überhastet den Abschluss und verfehlten das Ziel gleich um mehrere Meter.
Senthuran Sivananda
Emotionen gehören zum Fußball dazu, schließlich sind wir nicht beim Schach.
— Carsten Jancker