Nur noch Hoffenheim und Hannover blieben bislang sieglos, doch die unter der Woche erfolgreichen Teams aus Stuttgart und Gladbach müssen im direkten Duell den Wert ihrer ersten Dreier bestätigen. Aus gesicherten Positionen können Köln und Ingolstadt am Freitag den Angriff auf weitere Fortschritte in der Tabellen angehen.
Vor dem Freitags-Match gegen den punkt- und torgleichen FC Ingolstadt äußert sich Kölns Trainer Peter Stöger zur besonderen Belastung der Profis bei englischen Wochen: „Der körperliche Aspekt einer englischen Woche ist gar nicht so entscheidend. Sich mental darauf einzustellen, alle drei Tage Höchstleistung zu zeigen, ist die Schwierigkeit.“ Gästecoach Ralph Hasenhüttl wähnt sein Team offensichtlich mental bereit, diese Schwierigkeit zu bewältigen. Die drei Auswärtssiege der Schanzer tragen zum Selbstbewusstsein bei: „Unsere Punkteausbeute ist besser, als uns viele zugetraut haben. Darauf wollen wir uns aber noch lange nicht ausruhen.“ Die Kölner Heimstärke entging Hasenhüttl aber nicht: „Mit diesem Publikum und diesem Stadion im Rücken sind sie eine Macht.“
Vergleichbares ist von Werder Bremen nicht zu behaupten. Zwei der drei Partien vor eigenem Publikum gingen bereits verloren; gegen Bayer Leverkusen wollen die Grünweißen ihre Heimbilanz nicht noch weiter verschlechtern. „Jeder hat gesehen, dass Werder nicht so gut mit der Favoritenrolle umgehen kann“, spricht Viktor Skripnik die beiden Niederlagen gegen die Aufsteiger an - und erklärt gegen Bayer folgerichtig die Gäste zum Favoriten. Wer im spannenden Spiel VfB Stuttgart vs. Borussia Mönchengladbach höher einzuschätzen ist, ist schwer zu beantworten. Beide Kontrahenten sammelten am letzten Spieltag neue Motivation durch den jeweils ersten Saisonsieg. „Aber wir haben erst drei Punkte auf dem Konto“, erinnert André Schubert, Gladbachs neuer Mann an der Seitenlinie, an die - ebenso für Stuttgart - geltende Notwendigkeit nachzulegen. Alles andere als beruhigend stellt sich auch die Lage für den FC Augsburg und 1899 Hoffenheim dar. Die Schwaben müssen im Duell mit den Kraichgauern, die im Spiel gegen Dortmund einen Formanstieg erkennen ließen, weiterhin auf Werner verzichten.
Die auf Platz 18 abgerutschten Hannoveraner müssen beim niedersächsischen, Lewandowski-geschädigten Nachbarn VfL Wolfsburg antreten. „Unsere Aufgabe ist es, am Samstag zu gewinnen“, fordert der frühere 96-Coach Dieter Hecking von seinen „Wölfen.“ Seinem Ex-Klub attestiert Hecking zwar einen verunglückten Saisonstart. „Für mich ist es zu früh, von Abstiegskampf zu reden“, glaubt er jedoch noch an eine mögliche positive Entwicklung zugunsten der Roten. Besser als allgemein erwartet steht der Hamburger SV nach sechs Runden da. „Ich bin weit davon entfernt, zu glauben, dass es jetzt so positiv weiter geht. Das ist in der Bundesliga auch gefährlich ...“, bleibt Bruno Labbadia geerdet. „Gegen Schalke erwartet uns eine reizvolle Aufgabe, auf die wir uns alle sehr freuen“, versichert er glaubhaft. Beim letzten Aufeinandertreffen mit Schalke, am 34. Spieltag der vergangenen Saison, ging es für die Hamburger, die 2:0 gewannen, noch um die Bundesliga-Existenz. Wenn Tabellenführer FC Bayern beim FSV Mainz antritt, sollten die Torgestänge nochmals überprüft werden. Sieben Mal hauten die Münchner den Ball in dieser Saison gegen das Aluminium, sechs Mal übten sich die Mainzer im Materialtest. FSV-Trainer Martin Schmidt kündigte an, keine außergewöhnlichen taktischen oder personelle Maßnahmen gegen den Rekordmeister einzusetzen: „Es ist sicher kein Spiel, bei dem wir viele Experimente machen. Ich setze auf Automatismen.“
Am Sonntag spielt zunächst Eintracht Frankfurt gegen Hertha BSC. Beide Teams vermittelten zuletzt kompakte Auftritte, wobei die Hessen nur aufgrund mangelhafter Abschlussqualitäten mit leeren Händen aus Gelsenkirchen zurückkehrten. Seferovic, der in jener Partie eine Oberschenkelverletzung erlitt, kann die Eintracht vorläufig nicht bei der Torjagd unterstützen.
Weiterhin vom Anpfiff weg kann Dortmunds Stürmer Aubameyang, sonst oft als Einwechselspieler aktiv, auch im Spiel des BVB gegen Darmstadt 98 seine Chance suchen. Die Lilien verblüfften jedoch bislang auch durch ihre Auswärtserfolge: Auf Schalke (1:1) und in der BayArena (1:0) sammelten sie vier Punkte ein.
Die Kameras sind fast bis mit zur Toilette gegangen, um zu sehen, welches Gesicht der Trainer macht.
— Fredi Bobic