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Netter, unwichtiger Kick

von Günther Jakobsen22:31 Uhr | 27.07.2013

Ein so genannter Supercup-Wettbewerb, also ein Testspielhighlight zwischen den beiden Siegern der Vorsaison, genauer: dem Sieger und dem zuletzt notorischen Vize. Der Gewinner war am Ende Dortmund, das ein überwiegend körperloses Spiel gewonnen hatte, dem mit sechs mehr oder weniger zufälligen Treffern auch ein gewisser Unterhaltungswert nicht abzusprechen war.

Aufgeregter waren nur noch die kaum zu bändigen TV-Begleiter, denen der Endlich-wieder-geiler-Fußball-Sabber literweise übers Krawattenlätzchen bzw. Sommerhemd rann. Ansonsten turnt das ZDF beim BL-Fußball schließlich nur in der 3. Reihe und macht auch dort – wie gehabt – mindestens ein Auge zu. Immerhin brachte der FC Bayern ein früh ausgehändigtes Gastgeschenk von Ersatzkeeper Starke für das BVB-Kopfballungeheuer Reus mit (6.). Der holte sich sein Präsent allerdings nach 19 Minuten mit einer Fußabwehr gegen den unfreien Vertragsfußballer Lewandowski, der nicht sein neuer Spielkamerad werden durfte, zumindest teilweise zurück. Natürlich wurde dem Aufeinandertreffer der beiden deutschen Top-Teams hohe Priorität zugestanden: ein erstes wichtiges Kräftemessen halt. Krass auffällig war allerdings das absolut körperlose Spiel. Durchgezogen wurde heute nicht, oder zumindest knapp am vermeintlichen Opfer vorbei. Verständlich, denn die Saison steht vor der Tür, Verletzungen will keiner riskieren. Hier und da wurde dafür ein zartes kleines „technisches Kabinettsstückchen“ angedeutet. Klar: unter Beifall. Unterhaltung pur. Einige freundliche Tormöglichkeiten wurden ebenfalls aufgeführt und trugen zur Echtheit des Events bei. Überwiegend wurde die Kugel allerdings mehr oder weniger geschickt im Mittelfeld hin und her geschoben. Es wurde ab und an eine Flanke zugelassen, damit die Innenverteidigungen ebenfalls ihre klärenden Aktionen vorführen durften. Sparsamer waren die „Kontrahenten“ mit Torschüssen. Mehr Versuche, als an einer Hand abzählbar, wurden von keiner Mannschaft vor der Pause ausgeliefert. Ein nettes Spielchen mit wenigen Höhepunkten hatten die Zuschauer im ersten Durchgang gesehen.

Vielleicht hatte die 2. Halbzeit ja noch ein bisschen mehr zu bieten, denn immerhin ging es nicht nur um irgendeinen Cup, sondern um einen „Super“-Cup. Verzweifelt hatte der Moderator allerdings noch vor dem Seitenwechsel nach Taktik-Indizien geforscht, musste aber immer wieder eingestehen, keine Besonderheiten entdecken zu können. Keine Frage, auch in der Anfangsphase des 2. Durchgangs wurde immer mal wieder das Tempo angezogen, speziell wenn es Kontermöglichkeiten gab. Letztlich endeten die Angriffe jedoch mit Flanken, die einzig Torhüter und Innenverteidiger beschäftigten. Außer bei einer Lahm-Flanke auf den Kopf von Robben wollte der BVB nicht mitmachen (54.), doch van Buyten hatte Nachsicht, überraschte seinen Keeper mit einem Kopfball ins eigene Netz (55.). Den Dreierpack vervollständigte Gündogan, der die Kugel geschickt ins rechte Eck zirkelte (57.). Spaßfußball hatte sich urplötzlich breit gemacht, zumindest beim BVB, der Trainer-Pep sah dagegen eher etwas ratlos aus. In meiner Facebook-Gemeinde hob man bereits das „tolle Pressing“ der Borussen hervor, die auch mit offensichtlich mehr Spielfreude als der FCB nach gut einer Stunde das Mittelfeld dominierten. Spielverderber Robben hatte allerdings etwas dagegen, zog unbedrängt einen Drehschuss flach ins rechte Eck und verkürzte auf 2:3 (65.). Mandzukic zeigte zudem einen schönen Seitfallzieher (67., links vorbei) und nun stieg auch Schweinsteiger erstmals nach seiner Verletzung ins Geschehen ein. Weitere Spielerwechsel und Wasserpausen dominierten die nächste Phase, brachten die Partie wieder runter aufs Normalmaß. Thomas Müllers Lattenaufsetzer nach 80 Minuten und schöner Thiago-Vorlage war der nächste Aufreger, davor hatten es sich die Akteure wieder zwischen den 16ern bequem gemacht. Der Moderator sah das als „rassiges Spiel“, meinte wohl noch das Fehlerfestival zwischen Minute 54 und 67. Dann durfte sich Starke noch zweimal auszeichnen (82., Aubameyang; 84., Reus). Zwei Minuten später öffnete der FCB (van Buyten und Alaba) wieder die Tür: Aubameyang über rechts völlig frei auf Reus und das 4:2 war nicht zu verhindern (86.). Letzte Spielerwechsel verzögerten die Schlussminuten, drei Minuten wurden noch nachgereicht, dann war Dortmund Supercup-Gewinner und konnte einen Erfolg feiern, der den Zuschauern gefiel, dem FC Bayern aber kaum wehtat.



Ich glaube, er ist DIN A4.

— Dragoslav Stepanovic auf die Frage, wie sein neuer Vertrag in Frankfurt aussehe