Neun-Tore-Spektakel

von Günther Jakobsen23:30 Uhr | 18.01.2013

Kopfschütteln allerorten: Nach zähen ersten 45 Minuten, die Schalke nicht unverdient mit einer 1:0-Führung abschloss, explodierte die Partie nach dem Seitenwechsel. Am Ende stand ein 5:4-Erfolg der Gastgeber.

Unter den Klängen des Status Quo-Klassikers „Whatever You Want“ betraten die beiden Teams zum Bundesligarückrundenstart das Feld. Und Schalkes Anhang bekam zunächst das geboten, was er sehen wollte: stürmische Gastgeber, die Hannover unter Druck setzten. Drei gute Torchancen sprangen in dieser Phase heraus, von denen die erste, ein Kopfball Högers, den Zieler über die Querlatte bugsierte (2.), noch die gefährlichste war. Hannover schaffte es nach einer Weile, sich aus der Umklammerung zu befreien, konnte jedoch über die gesamte erste Halbzeit keine echte Torchance herausholen. Der beste spielerische Vorstoß der „Roten“, in der 38. Minute, endete in einer Abseitsstellung Dioufs. Eine Offenbarung war aber auch Schalkes Vorstellung nicht. Immerhin: Defensiv ließ man nichts anbrennen und kurz vor dem Pausengang half der Zufall ein bisschen mit, als Eggimann per Kopf einen weiten Einwurf von Fuchs unglücklich genau vor die Füße Farfans beförderte. Der Peruaner zog aus spitzem Winkel ab und traf zum 1:0 (44.). Zielers Rettungstat gegen Holtby verhinderte eine Minute später den zweiten Schalker Treffer.

Die zweite Halbzeit war erst wenige Minuten alt, als Eggimann erneut zum Pechvogel mutierte. Von seinem Schienbein prallte die Kugel als Querschläger auf rechtsaußen in den Lauf Holtbys, der nach ein paar Schritten erkannte, dass Draxler zentral völlig frei stand. Holtbys Pass kam genau und Zieler blieb gegen Draxler ohne Chance (49.). Der bisherige Spielverlauf ließ eigentlich nur den Schluss zu, dass nun die Entscheidung gefallen war. Doch diese verrückte Partie begann erst jetzt, richtig Fahrt aufzunehmen. Beiden Mannschaften bot sich sehr viel mehr Freiraum an, als noch vor der Pause. Mit einem noch durch Neustädter abgefälschten Volleyschuss brachte da Silva Pinto die Gäste unverhofft auf 1:2 heran (55.). Chaheds starker Auftritt auf der rechten Seite sowie seine gute Flanke ins Zentrum bereiteten Hannovers 2:2-Ausgleich sehenswert vor. Auch die Vollstreckung von Huszti, gegen dessen Flachschuss ins rechte Eck Hildebrand chancenlos war, hatte Format (59.). Lange konnten sich die Gäste ihrer Aufholjagd indes nicht erfreuen, denn Schalkes prima Angriffszug aus der 64. Minute - Holtby steckte zum Torschützen Höger durch - brachte die Hausherren wieder in Vorlage. Ein schlechtes Abwehrverhalten der Hannoveraner, die Maricas Sololauf nicht störten, bedeutete die erneute Zweitore-Führung Schalkes (67.). Wieder glaubte man auf den Rängen, dass alles gelaufen wäre, doch weit gefehlt. Nach Dioufs Kopfballablage eröffnete sich Huszti ein zweites Mal mittig im Schalker 16er eine Torchance, und wieder hämmerte der Ungar den Ball in die Maschen (68.). Einen möglichen 4:4-Ausgleich verpasste Diouf zweimal nur sehr knapp (70./86.). Nach einem abgefangenen Eckstoß der „Roten“ konterte Schalke dann über Farfan. Holtby leitete den Pass des Peruaners zum 5:3 weiter (88.), doch das letzte, wenn auch nicht mehr entscheidende Highlight, zündeten die Gäste. In der Nachspielzeit zauberte Diouf den Ball per Fallrückzieher aus 16 Metern ins Netz.

André Schulin



Diese Ruuudi-Ruuudi-Rufe hat es früher nur für Uwe Seeler gegeben.

— Gerd Rubenbauer