Taktische Fesseln im ersten, offener Schlagabtausch im zweiten Durchgang kennzeichneten die Partie zwischen zwei Teams der Gruppe G, die den bis dahin wohl aufregendsten Part dieser WM darboten. Am Ende stand ein Remis, mit dem alle, die das Spektakel miterleben konnten, zufrieden sein durften.
Weil die Deutschen sehr vorsichtig begannen, die Ghanaer aber sogleich intensiv in die Zweikämpfe gingen und rasch über die Flügel ihr Ziel ansteuerten, war es Gyan, dem die erste Chance zufiel, aber über den Kasten schoss (7.). Der Favorit brauchte etwas länger, ehe er erstmals gefährlich wurde, doch nach Müllers toller Ablage wurde der Schuss von Kroos, zentral vom 16er-Rand abgegeben, abgeblockt (11.). Gegenüber antwortete Ghana mit einem Knaller aus der 2. Reihe von Atsu, den Neuer kraftvoll wegfaustete (13.). Die nächsten beiden Versuche starteten Khedira (18.) und Müller (21.), doch die beiden vom emsigen Özil eingeleiteten Aktionen hätten bessere Abschlüsse verdient gehabt. Es folgte eine Phase, in der sich vor den Toren weniger abspielte. Mehr Fehlpässe, Mittelfeld-Zweikämpfe und Querspielereien bremsten die Partie etwas aus. Unterbrochen wurde das teilweise etwas übertriebene Taktieren bis zur Pause einzig durch zwei Möglichkeiten für Muntari (33., Neuer faustete erneut sicher) und Götze (41., verpasste knapp Müllers Vorlage).
Jerome Boateng musste offiziell wegen "muskulärer Probleme" zur Halbzeit passen und Mustafi Platz machen. Seine Mitspieler erhöhten derweil nach dem Wiederanpfiff den Druck und wurden in der 51. Minute fündig. Müllers Flanke auf den linken Torraum verwertete Götze mit einem Kopfball-aufs-linke-Knie-Abschluss zum 1:0 (51.). Völlig unberührt griffen die Afrikaner sofort selbst wieder an und glichen schnell durch André Ayew aus, der Affuls Flanke vor Mustafi erwischte und per Kopfball traf (54.). Es kam auch weiterhin selten Ruhe ins deutsche Aufbauspiel. Nach Lahms Fehlpass setzte Muntari zudem Gyan über halbrechts ein, der frei vor Neuer perfekt ins linke Toreck traf (63.). Die technisch starken, flinken Schwarzafrikaner hatten jetzt Vorteile auf dem ganzen Platz, während das DFB-Team verzweifelt nach einer Ordnung suchte. Diese ergab sich sogleich mit den Einwechslungen von Schweinsteiger und Klose (69.). Zwei Minuten später gab Kroos eine Ecke von links vors Tor, Höwedes verlängerte in Richtung zweiten Pfosten per Kopf auf Klose, der mit der Fußspitze zum 15. Mal bei einem WM-Spiel traf und damit zu Rekordhalter Ronaldo (Brasilien) aufschloss (71.). Danach war offener Schlagabtausch bis in die Nachspielzeit angesagt und fesselte das Publikum wie noch kein Spiel dieses Turniers zuvor. Während die Deutschen vor allem durch Lahm und Müller Hochkaräter liegen ließen und eine tolle Kondition unter schwerem Klima zeigten, bauten die Afrikaner zwar körperlich etwas stärker ab und vergaben ihre Chancen durch konditionell bedingte Unkonzentriertheiten, doch der Spannung tat das keinen Abbruch. Am Ende blieb es allerdings beim leistungsgerechten 2:2.
Ulrich Merk
Bitte bleiben Sie in der Halbzeit auf Ihren Plätzen, sonst könnten Sie ein Tor verpassen.
— Fans des SC Freiburg Spruchband in Bezug auf den nachträglich via VAR verhängten Halbzeit-Elfmeter beim Spiel in Mainz