Zehn Spieltage vor Saisonende zeichnet sich noch nicht ab, ob Hertha BSC unter der Regie von Hans Meyer, dem nach Huub Stevens und Andreas Thom dritten Übungsleiter der Berliner in dieser Spielzeit, der Klassenerhalt noch gelingt. Der katastrophale Eindruck des Teams zu Ende der Hinserie wurde zwar getilgt, die Heimspielschwäche jedoch blieb.
Gastfreundlich
Herthas ohnehin nicht rosige Situation wurde durch die Sperren der Schlüsselspieler Dick van Burik und Arne Friedrich, die im HSV-Spiel vorzeitig vom Platz mussten, noch verschärft. Trainer Hans Meyer bleibt somit ein erneutes Umkrempeln seiner Formation nicht erspart - und dies vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern München, der um seine letzten, vagen Meisterschaftschancen kämpft. Nicht mehr als zwei (!) Heimsiege stehen bislang in dieser Saison auf der Guthabenseite der Berliner. Nimmt man Hans Meyers Orakel von der „Heimstärke als Schlüssel zum Klassenerhalt“ zum Maßstab, sieht es düster aus, denn der vermeintliche Vorteil, von den zehn noch ausstehenden Spielen sechs im heimischen Olympiastadion austragen zu können, droht eher ein Handicap zu sein.
Hart, härter, Hertha
Diesem Problem versuchte Meyer, der in der Winterpause zu den Berlinern stieß, früh entgegenzusteuern und ordnete außerplanmäßiges Training im Olympiastadion an; statt sich wie gewohnt auf Nebenplätzen vorzubereiten. Gegen Stuttgart ging diese Rechnung auf (1:0-Sieg). Gegen Frankfurt (1:2) und Bochum (1:1) nicht. „Wir haben unsere katastrophale Heimbilanz um zwei Minuspunkte bereichert“, resümierte Herthas Coach nach dem Bochum-Spiel. „Den Ball behaupten und weniger Fehler machen gelingt uns auswärts besser. Ich weiß auch noch nicht, warum das so ist“, schob er nach. Und in der Tat: Bei den Auswärtserfolgen in Freiburg (3:2) und Hannover (3:1) spielte Hertha über weite Strecken so, wie man sich das in Berlin vorgestellt hatte. Was jedoch neben der Heimschwäche nachdenklich stimmen sollte, ist, dass die Mannschaft in der Wahl ihrer Mittel nicht gerade zimperlich ist: 605 Fouls, 68 Gelbe Karten und sechs Rote Karten stellen Bundesligaspitze dar. Die Vielzahl der Platzverweise plus Sperren minderten Herthas Erfolgsaussichten erheblich.
Schnäppchen oder Geldverschwendung
Mit diversen Umstellungen innerhalb des Teams sowie dem für die vakante Rechtsaußenposition neu verpflichteten Billy Reina holte Hans Meyer die Hertha aus ihrem Tief und glaubt nach eigener Einschätzung, dass die Mannschaft „Sich dem Abstiegskampf gefestigt stellen kann“. Den Absturz in die Zweitklassigkeit zu verhindern, wurde er verpflichtet. „Halten wir die Klasse, hat Dieter Hoeneß ein Schnäppchen gemacht. Falls nicht, hat er eine Menge Geld zum Fenster rausgeworfen“, kommentierte Hans Meyer in typischer Art seine „Mission Klassenerhalt“ in Berlin. Als „Vater aller Schnäppchen“ würde sich Hertha-Manager Dieter Hoeneß sicher gerne feiern lassen und bot Meyer auch schon eine Verlängerung des bis zum Saisonende datierten Vertrages an. Aber noch könnte das Geld auch zum Fenster rausgeschmissen sein…
André Schulin
Die Schotten feiern richtig schön, ohne Ausschreitungen. Die trinken so viel, da können sie gar nicht mehr zuhauen.
— Gerhard Delling