Ein irrtümlich nicht anerkanntes Tor steckten die Kraichgauer noch zähneknirschend weg. Dass ein Treffer der Leverkusener, der keiner war, jedoch gegeben wurde, forderte ihren Widerspruch heraus.
Nach 45 kurzweiligen Minuten ging Leverkusen mit einer glücklichen 1:0-Führung in die Kabinen. Die gastgebenden Kraichgauer präsentierten sich absolut auf Augenhöhe mit dem Favoriten und peilten erstmals in der 9. Minute durch einen 18-Meter-Freistoß von Salihovic gefährlich das Tor der Westdeutschen an - Wollscheid rettete per Kopfballabwehr im linken Eck. Auf der Gegenseite musste 1899-Keeper Casteels bei einem abgefälschten Ball eines Mitspielers auf kurze Distanz schnell reagieren, um einen Rückstand zu verhindern (14.). In der Folgezeit verschaffte sich Hoffenheim eine Mehrheit an klaren Torchancen; so scheiterten zwei Schussversuche von Modeste an Leno (20./22.), setzte Strobl den Ball über den Querbalken (33.) und traf Volland nur ans Außennetz (40.). Bayer spielte verhaltener, nutzte jedoch eine Unsicherheit im Defensivverhalten der Gastgeber kaltblütig aus. Castro wurde bei einem Vorstoß durchs Mittelfeld nicht gestört und spielte zu Sam, der ebenfalls nicht entscheidend attackiert wurde. Sein Schuss ins kurze Eck brachte Bayer eine durchaus überraschende Führung, die umso ärgerlicher für Hoffenheim war, weil einem regulären Treffer Vollands die Anerkennung wegen angeblicher Abseitsstellung verwehrt wurde (35.). Diesem Fehler der Unparteiischen sollte sich im zweiten Abschnitt ein noch größerer Fauxpas hinzu gesellen.
Mit einer Kopfballchance von Modeste - Leno hielt den Ball problemlos, da der Franzose keinen Druck hinter den Ball brachte - versuchte Hoffenheim zum Ausgleich zu kommen (52.). Leverkusen, nun besser auf die Ballzirkulation der Gastgeber eingestellt, schien die Partie jedoch kontrollieren zu können und wies durch einen Gewaltschuss Castros, den Casteels gut parierte, eigene Torgefährlichkeit nach (61.). Dann brach die 70. Minute an, in der sich die prägende Situation dieser Begegnung abspielte: Castro schlug von links einen Eckstoß in den Strafraum, Kießling nahm den Ball in der Drehung per Kopf und wandte sich anschließend ab, ohne zu jubeln. Der Ball war tatsächlich außen am Pfosten vorbeigesegelt - doch durch ein Loch im Außennetz plötzlich im Tor gelandet. Halbherziges Jubeln der Leverkusener, fragende Blicke der Kraichgauer - aber kein Protest. Schiedsrichter Dr. Felix Brych gab den Treffer, der keiner war. Kießlings Nachfrage beim Schiedsrichter, als man zum Anstoßkreis ging, deutete darauf hin, dass der Stürmer unsicher war. Verunsichert schien auch Brych, dessen Elfmeterpfiff zugunsten Hoffenheims als Konzessionsentscheidung verstanden werden konnte. Firmino scheiterte jedoch am stark reagierenden Leno. Den abprallenden Ball setzten in den nachfolgenden Sekunden noch zwei Leverkusener gegen den rechten Pfosten ihres eigenen Gehäuses - Konfusion pur (82.). In der 88. Minute köpfte der eingewechselte Schipplock noch aus spitzem Winkel zum 1:2-Anschluss ein; mehr sprang bis zum Abpfiff nicht für Hoffenheim heraus. Danach indes könnte sich einiges ereignen, da die TSG sofort einen Einspruch gegen die Wertung des Spiels ankündigte. Trainer Markus Gisdol forderte eine Spielwiederholung: "Alles andere wäre ein Witz".
André Schulin
Wir können jetzt in die Osterferien gehen. Ich hab gerade der Mannschaft gesagt: Ich kann se morgen net sehe!
— Klaus Schlappner nach dem Südwest-Derby Mannheim gegen Lautern.