Kometenhaft aufgestiegen, brutal abgestürzt, wieder aufgerappelt und nach eigener Einschätzung („Es gab noch nie einen besseren Adler als jetzt“) wieder obenauf: René Adler hat seiner Karriere einen Neustart auf höchstem Niveau verpasst.
Man kann dem HSV, gerade auch bei personellen Entscheidungen, in jüngerer Vergangenheit nicht zwingend ein glückliches Händchen nachsagen. Mit der Verpflichtung René Adlers landete Frank Arnesen jedoch einen Volltreffer: „Wenn man einen deutschen Nationaltorwart mit 27 Jahren ablösefrei holen kann, ist das eine spezielle Chance, die man nutzen muss. Da muss man zuschlagen“, legte sich der Däne im Frühjahr 2012 auf eine Verpflichtung des Keepers fest, dessen Karriere durch einen Rippenbruch (im April 2010) und später langwierige Patellasehnenprobleme empfindliche Rückschläge auswies. Mit einem bemerkenswerten Erstliga-Comeback bestätigte Adler die ihm zugedachte Wertschätzung und avancierte gemeinsam mit Rafael Van der Vaart zum wichtigsten HSV-Akteur der Hinrunde. „Es gibt nicht so viele Torhüter, die Punkte holen“, meinte Hamburgs Coach Thorsten Fink. Dieser Ansicht schlossen sich auch die stimmberechtigten Spieler-Kollegen aus der Bundesliga an, die Adler zum besten Schlussmann der Hinserie 2012/13 wählten. Und Bayern-Coach Jupp Heynckes machte sich bereits im November 2012 für seinen Ex-Schützling (bei Leverkusen) stark: „Er ist wieder in der Form, dass er zur Nationalmannschaft eingeladen werden muss.“ Mit dem Einsatz im Freundschaftsspiel gegen die Niederlande (0:0) kehrte Adler dann auch tatsächlich in den Nationalmannschaftskreis zurück.
„Ich erinnere mich an meine Fußballkindheit, meine Konkurrenten aus Dortmund und München hatten jeden Tag Torwarttraining, ich in Leipzig nie. Deswegen ging ich im Jahr 2000 in den Westen“, beschreibt Adler seine Motivation, als 15-Jähriger den VfB Leipzig zu verlassen, um bei Bayer Leverkusen eine Profilaufbahn in Angriff zu nehmen. Im Februar 2007 war er dann soweit - da Bayers Stammkeeper Jörg Butt verletzt pausieren musste - sich dauerhaft als Leverkusens Nr. 1 zu behaupten. Seine Fangsicherheit, Sprungkraft und starken Reflexe blieben auch Bundestrainer Joachim Löw nicht verborgen, der mit Adler als erster Wahl im DFB-Kasten in die WM 2010 gehen wollte. Ein Rippenbruch durchkreuzte diese Pläne, schweren Herzens musste Adler die Turnierteilnahme absagen und Manuel Neuer feierte seinen großen Durchbruch. Adlers Tiefpunkt war damit jedoch noch nicht erreicht. Hartnäckige Knieprobleme brachten ihn auch noch um seinen Platz im Bayer-Tor; in der Saison 2011/12 konnte er kein einziges Erstligaspiel bestreiten. „Ich wurde geerdet“, blickt er auf jene Zeit zurück, die ihn manches Mal sogar an an einer Fortführung seiner Karriere zweifeln ließ. „Das geht ganz schnell, dass Du nicht mehr gefragt bist. Das war schmerzhaft.“
Für die Reha nahm er sich acht Monate Zeit, um wieder vollständig zu regenerieren. Ein Aufwand der sich lohnte. Es sieht danach aus, dass nicht nur die Zahl von Adlers Bundesligaspielen (155) sich kräftig erweitern sollte, auch die Länderspiele (10) könnten aufgestockt werden. Den Konkurrenzkampf mit Neuer will er annehmen, allerdings ausschließlich nach sportlichen Kriterien: „In uns steckt wenig Kahn und wenig Lehmann, sondern viel Neuer und viel Adler! Wir machen das sicherlich auf unsere Art und Weise aus."
André Schulin, Januar 2013
Schöne Hereingabe - und dann wird Marek Heinz zum Heinz!
— Jörg Wontorra, SAT 1, über HSV-Profi Marek Heinz.