Kein Team der Gruppe H wird den großen Turnierfavoriten zugerechnet oder kann mit einer glanzvollen Historie aufwarten; Russlands Erfolge datieren aus längst vergangenen UdSSR-Zeiten. Die von Marc Wilmots gecoachten Belgier genießen allerdings hohes Ansehen und werden als aussichtsreicher Außenseiter gehandelt.
"Das Ziel ist, mindestens ins Achtelfinale zu kommen", verrät Marc Wilmots, und das, darüber sind sich alle Experten einig, sollte der belgischen Auswahl aufgrund ihres spielerischen Potenzials auf jeden Fall gelingen. Belgiens Coach sieht ein mögliches Manko darin, dass seiner Mannschaft noch die Erfahrung bei großen Turnieren abgeht: "Die Spieler sind noch nicht im besten Alter. Sie sind noch sehr jung". Auf Vereinsebene sind die Belgier jedoch Vergleiche mit der europäischen Spitze gewohnt, sehr viele stehen in der englischen Premier League unter Vertrag, so auch Kapitän Vincent Kompany (ManCity). Ein großes Plus der "Roten Teufel" ist ihre hohe individuelle Klasse in allen Mannschaftsteilen. "Eine 4-3-3-Taktik passt am besten zu unseren Spielern", sagt Wilmots - ein Ausdruck dafür, dass die Belgier in ihren Partien die Initiative suchen.
Während Italiens "Squadra Azzurra" sich bei WM-Turnieren doch recht häufig in eine Bestform hinein zu steigern vermochte, muss der russischen "Sbornaja" das Gegenteil attestiert werden: Regelmäßig blieb man hinter den Erwartungen zurück, sofern die Endrunde überhaupt erreicht wurde. Vielleicht war es deshalb keine schlechte Idee, mit der Verpflichtung Fabio Capellos (Juli 2012) ein italienisches Element zu installieren. Für die WM-Quali jedenfalls war es die richtige Entscheidung, da man dem Gruppen-Favoriten Portugal die direkte Qualifikation abluchste. Unter Capello vollzog sich allerdings eine Abkehr vom ansonsten bevorzugten Offensivstil hin zu einer Safety-First-Spielweise, die auf Konterfußball als Erfolgsrezept setzt. An Erfahrung mangelt es im Kader nicht. Spieler wie Akinfeev, Berezutski, Shirokov und Zhirkov sind seit langem fester Bestandteil des Teams. Etwas unverständlich erscheint Capellos Missmanagement mit Dzagoev, dem von der Veranlagung her dynamischsten Mittelfeldakteur der "Sbornaja", der jedoch keinen festen Startplatz besitzt. Besonders zu beachten sind die Stürmer Kerzhakov und Kokorin.
Bei der letzten WM schied Algerien in der Gruppenphase aus, ohne jedweden Torerfolg. Dass sich dies nicht wiederholt, hofft Offensivmann Sofiane Feghouli (FC Valencia), der wohl prominenteste Akteur im Kader der "Fennecs" (Wüstenfüchse). Von Feghouli sollen hauptsächlich die entscheidenden Anspiele ausgehen, die entweder Slimani oder Soudani zu Treffern nutzen. Obwohl in der FIFA-Weltrangliste vor Südkorea platziert (Stand: Mai), sind die Nordafrikaner allerdings erster Anwärter auf die Rote Laterne der Gruppe H. Trainer Vahid Halilhodic konnte während seiner bisherigen Amtszeit (seit 2011) dank einer offensiveren Spielweise zwar die Torgefährlichkeit der Mannschaft erhöhen - eine gesunde Balance zwischen Abwehr und Angriff zu finden, gelang dem Bosnier indes nicht. Dass sein Abschied nach dem Turnier bereits besiegelt ist, macht die Sache nicht einfacher.
Die Aussage könnte wie eine leichte Bedrohung wirken: "Ich weiss nicht, wieviel die anderen Teams über uns wissen. Aber sie werden feststellen, dass wir eine schnelle Truppe sind". Südkoreas (Republik Korea) Coach Myund-Bo Hong - ein ehemaliger Aktiver aus der Mannschaft, die 2002 sensationell WM-Vierter wurde - darf sich sicher sein, dass zumindest in Deutschland der Tempofußball der Koreaner kaum überraschen sollte. Hong und Ji (beide Augsburg), Koo (Mainz) und vor allem Son (Leverkusen) haben ihre Qualitäten in der Bundesliga gezeigt. Gelingt es den Asiaten, mit ihrem aggressiven Forechecking den Gegner unter Druck zu setzen, sind sie ein Anwärter für das Achtelfinale.
André Schulin
Wo ist das Problem? Ich komme aus Manchester!
— David Beckham auf die Frage, ob der Regen den Spielfluss gestört habe.