Es passte wenig zusammen beim Gastspiel in Wien. Das 2:1-Resultat und die damit verbundenen drei Zähler in der Gruppe C stellten nahezu das einzig Positive aus deutscher Sicht dar. "Jede Chance durch Österreich war durch eigene Fehler zustande gekommen", schimpfte Joachim Löw.
Drei Punkte aus Wien mitgenommen zu haben war für die deutsche Nationalelf weitaus mehr, als es ihre Spielkunst an diesem Tag hergab. Das in guten Zeiten auf den Rasen gezauberte, kompromisslose Offensivspiel kam überhaupt nicht ins Rollen, weil Fehler im Aufbauspiel - und davon nicht wenige - von den hoch konzentrierten Österreichern sofort zu Attacken genutzt wurden, die ohne Zaudern einen möglichst direkten Abschluss zum Ziel hatten. Die durch das Pressing der Gastgeber verunsicherten Deutschen hatten Glück, dass Österreich aus seinen sechs in den ersten 20 Minuten registrierten Möglichkeiten keine einzige nutzte. Besonders kritisch für die Deutschen war es in der vierten Minute, als Badstuber im letzten Moment einen Fehlpass von Hummels gegen Harnik ausbügeln musste und als dem Österreicher in der 12. Minute nur Zentimeter am Torerfolg fehlten (links vorbei). Auch Neuer, ansonsten ein Ruhepol in der unter Druck stehenden Defensive, unterlief später ein Schnitzer, der jedoch ohne Folgen blieb. Er schoss Junuzovic an; der Abpraller ging ins Toraus (36.). Auf der Gegenseite ließ Müller, nach einem Querschläger aus kurzer Distanz zum Schuss gekommen, in der zehnten Minute eine gute Chance liegen, als er an Österreichs Keeper Almer scheiterte. Eine weitere gute Aktion des Münchners, als er Özils Flanke mit dem Kopf aufs Tor verlängerte, wurde ebenfalls vom Schlussmann der Gastgeber pariert (19.). Mit fortschreitender Spieldauer konnte die DFB-Elf das Spiel ausgeglichener gestalten, Österreich blieb indes gefährlicher (41., Ivanschitz aus 17 Metern sehr knapp links oben drüber). Nahezu ungläubiges Erstaunen stellte sich deshalb in der 44. Minute ein, als den Deutschen die 1:0-Führung glückte. Kloses Pass in die Tiefe auf Reus verschaffte dem Dortmunder genügend Freiraum, seine Schnelligkeit auszuspielen. Geschickt manövrierte er zwei Gegenspieler aus und traf flach ins linke Eck. Ein verblüffender Halbzeitstand.
Wegen einer Fußprellung kam Reus nicht mehr zurück ins Spiel, sein BVB-Teamkollege Götze ersetzte ihn. Ausgewechselt schien auch die fahrige Spielweise der Deutschen, denn nun hielt man den Ball sicherer in den eigenen Reihen - es kam Spielfluss zustande. Dass die dünne Führung kurz nach Wiederanpfiff ausgebaut wurde, war allerdings auch dem plumpen Einsatz Kavlaks zuzuschreiben, der Müller strafstoßwürdig rempelte. Özil haute den Elfer sicher in die Maschen (52.). Für kurze Zeit schien Deutschland auf gutem Wege, die Partie vollends in den Griff zu bekommen - Götzes zurecht nicht gegebener Abseitstreffer war spielerisch zumindest fein herausgeholt (55.). Nachdem Arnautovic sich auf rechts durchsetzte, ins Zentrum flankte und Junuzovic den 1:2-Anschluss erzielte (57.), büßte die DFB-Elf ihre kurzfristige Souveränität jedoch wieder ein. Großchancen ergaben sich für Österreich nach einem zu kurzen Rückpass Lahms - Neuer rettete (72.) - und kurz vor dem Spielende, als ein Konter der Österreicher über links durchkam. Arnautovic verpasste vor dem Tor jedoch die scharfe Hereingabe, so dass es schließlich beim schmeichelhaften 2:1-Erfolg der Deutschen blieb.
André Schulin
Ich bleibe auf jeden Fall wahrscheinlich beim KSC.
— Sean Dundee