DFB-Team

Show mit Schönheitsfehlern

von Günther Jakobsen12:07 Uhr | 27.03.2013

Nach einer Halbzeit Traumfußball kam die deutsche Mannschaft etwas aus dem Tritt und kassierte einen vermeidbaren Gegentreffer. Die Drei-Punkte-Pflicht für die Qualifikation wurde indes erfüllt, die stürmerlose Variante funktionierte und das 4:1 stellte allemal einen verdienten Endstand dar.

Mit Musik wär’s ein Engtanz gewesen: Die vor Spielfreude berstende DFB-Elf stellte gegen Kasachstan das geflügelte Wort, jemanden „in der Telefonzelle auszutanzen“, plastisch dar. Mag auch von den Gästen die erste zählbare Torchance ausgegangen sein - Ostapenko verzog per Kopf nach einem Eckstoß (8.) - so spielte sich das restliche Geschehen der ersten 45 Minuten ausschließlich in deren Hälfte, über längere Phasen sogar unmittelbar in oder um den Strafraum herum ab. Dem temporeichen Kombinationswirbel der ohne echten Mittelstürmer angetretenen Deutschen hatten die Gäste nichts entgegenzusetzen; Pfostenschüsse von Gündogan (21.) und Götze (22.) deuteten die sich zwangsläufig abzeichnende Führung an, die Reus aus 17 Metern dann schließlich realisierte (23.). Auch wenn dem bestehenden Qualitätsunterschied zwischen beiden Mannschaften Rechnung getragen werden musste: Das flüssige, variable und tempostarke Spiel der Gastgeber auf engstem Raum war exzellent. Stark auch Lahms Sololauf aus der 27. Minute, mit dem der Kapitän den 2:0-Treffer durch Götze vorbereitete. Der Dortmunder, als vorderster Angreifer eingesetzt, konnte aus kurzer Distanz vollstrecken. Vom lauffreudigen und mit zahlreichen guten Ideen glänzenden Özil ging die Flanke aus, die Gündogan, bedrängt von Gorman, zum 3:0 vollstreckte (31.). Der Dortmunder Mittelfeldakteur, dem Joachim Löw eine große Präsenz bescheinigte, setzte in der 41. Minute aus 17 Metern noch einen Schlenzer auf den Querbalken.

Gleich nach Wiederanpfiff hatte der vollkommen unterbeschäftigte Neuer dann die Option, den Ball nach einem Rückpass einfach nur nach vorn wegzudreschen, oder zu versuchen, auf spielerische Weise das Leder an den Mann zu bringen. Er wählte die zweite Variante, verlor dabei jedoch den Ball an Dzholchiev - und Schmidtgal, der sich sehr umsichtig und zweikampfstark präsentierte, staubte zum 1:3 ab (46.). Die grandiose Vorstellung der ersten Halbzeit war nicht wiederholbar, weil sich einerseits die Deutschen nicht mehr so bedingungslos dem laufintensiven Pressing verschrieben, andererseits aber auch Kasachstan stabiler stand und durch den Treffer Motivation geschöpft hatte. Mit zwei Aktionen, als Korobkin eine Freistoßvorlage Schmidtgals an den Außenpfosten verlängerte (79.) und kurz vor Feierabend Lahm einen Schuss Schmidtgals von der Linie hauen musste (89.), erschreckten die Kasachen die Gastgeber nochmals. Trotz des zeitweilig stockenden Spielflusses und Schwächen in der Rückwärtsbewegung - wobei Khedira vieles ausbügelte - war jedoch die DFB-Elf weitaus öfter weiteren Treffern sehr nahe. So setzte Schmelzer nach einem guten Vorstoß den Ball nur knapp am langen Pfosten vorbei (64.) und in der 72. Minute verhinderten bei einer multiplen Torchance nur der sich mächtig steigernde Keeper Sidelnikov sowie nochmals Pfosten (Özil) und Latte (Khedira) einen Einschlag. Kasachstans Schlussmann parierte anschließend noch einen gefährlichen Schuss Lahms (74.) und schaufelte das Spielgerät nach einem Heber von Müller gegen den Querbalken (75.). Schließlich scheiterte auch Götze noch am Gästekeeper, der rechtzeitig herauskam (80.). Dass Reus nach Gündogans gutem Steilpass auf 4:1 erhöhen konnte (90.), war letztendlich hoch verdient.

André Schulin



Ich kann nicht mehr als schießen. Außerdem standen da 40 Leute auf der Linie.

— Toni Polster über eine vergebene Torchance