Showdown

von Günther Jakobsen15:28 Uhr | 22.05.2015

Wenn schon längst keine Spannung mehr im Titelkampf bestand, sorgt das Drama im Tabellenkeller mit sechs beteiligten Klubs für einen aufregenden Saisonabschluss. In Dortmund geht es neben Jürgen Klopps Abschied im Match gegen Bremen auch um die EL-Chance.

"Wir haben eine sehr, sehr gute Ausgangsposition", weist Pal Dardai darauf hin, dass Hertha BSC (35 Punkte) von allen sechs gefährdeten Teams die besten Karten hat, die Klasse zu halten. Mit einem Remis beim Gastspiel in Sinsheim wären die Berliner bereits gesichert. Gleiches gilt auch für den SC Freiburg (34), den allerdings ein hoch brisantes Auswärtsspiel in Hannover erwartet. Die wegen ihrer Tordifferenz hinter den Breisgauern rangierenden 96er (34) können nicht darauf spekulieren, mit einer Punkteteilung automatisch gerettet zu sein, lediglich Relegationsplatz 16 wäre dann erreicht. Michael Frontzeck zog die "Roten", die vor einer Woche ihren ersten Rückseriensieg feierten, zu einem Trainingslager in Harsewinkel zusammen und kann zu diesem Saisonfinale auf den kompletten Kader zurückgreifen. Freiburg muss auf Sorg verzichten. "Wir fahren jetzt aber sicher nicht nach Hannover und sagen, wir wollen irgendwie einen Punkt holen. Wir wollen auch Hannover schlagen - so wie sie uns schlagen wollen", stimmt SCF-Coach Christian Streich seine Mannschaft nicht darauf ein, ein Unentschieden anzustreben.

Der andere Abstiegskampf-Brennpunkt lagert in Paderborn. Das Maximum, das der gastgebende SCP (31) bei einem Sieg gegen den VfB Stuttgart (33) erreichen könnte, wäre Platz 16. Aus eigener Kraft kann man das jedoch nicht schaffen: Siegt der Hamburger SV (32) gegen Schalke, wäre Paderborn abgestiegen. Auf besondere Maßnahmen wegen der extremen Situation verzichtete André Breitenreiter: "Das brauchen wir nicht. Wir glauben an unsere Stärke, uns in Ruhe in Paderborn vorbereiten zu können." Der VfB wäre im Erfolgsfall aller Sorgen ledig: "Daher schauen wir nur auf uns", sagt Huub Stevens. Im Training offenbarten Didavi, Rüdiger und Baumgartl leichte muskuläre Probleme, sollten jedoch zum Spiel wieder fit sein. Der HSV ist abhängig von den Resultaten auf den anderen Plätzen, selbst ein Dreier gegen Schalke könnte zu wenig für den Klassenerhalt sein, aber auch der Sprung ans rettende Ufer (Platz 15) wäre möglich. "Ich wusste, dass es bis zum Ende eng werden würde", meint Bruno Labbadia, der ein Trainingslager in Malente bezog. "Wir müssen im Heimspiel unser Ding abliefern", weiß er, dass nur ein Sieg die Voraussetzung auf ein Fortbestehen in der Bundesliga ermöglicht.

Jürgen Klopps letzter Bundesliga-Auftritt als BVB-Coach entbehrt nicht einer gewissen sportlichen Dramatik: Mit Werder Bremen empfängt Borussia Dortmund jenen Klub, der die Schwarzgelben noch von Platz Sieben und der damit verbundenen möglichen EL-Teilnahme verdrängen könnte. "Ich bin selbst gespannt, was uns erwartet vor dieser Kulisse und mit dem emotionalen Abschied von Klopp. Aber ich erwarte, dass wir nicht hinfahren, um nur die Kulisse zu bestaunen", hofft Viktor Skripnik darauf, dass die Grünweißen ihre starke Rückserie krönen. Dortmund machte eine nahezu identische Saison-Entwicklung durch, was Jürgen Klopp nicht vergaß: "Man kann sich nicht vorstellen, wie dankbar ich dafür bin, heute in dieser Situation zu sein, den wild tobenden Abstiegskampf in der Liga nicht hautnah miterleben zu müssen. Seit vier, fünf Wochen hat sich die Perspektive für uns verschoben."
In der noch offenen Frage der Vizemeisterschaft hält Wolfsburg (68 Punkte) alle Trümpfe auf der Hand. Voraussichtlich sollte dazu bereits ein Unentschieden in Köln reichen - es sei denn, dass Verfolger Mönchengladbach (66) einen Kantersieg gegen Augsburg hinlegt und die schlechtere Torbilanz noch korrigiert. Ohne tabellarische Relevanz sind die Partien FC Bayern vs. FSV Mainz und Eintracht Frankfurt gegen Bayer Leverkusen. Auf Münchner Seite wäre für Robert Lewandowski noch der Gewinn der Torjägerkanone in gewisser Reichweite: Hinter dem wegen seiner Verletzung nicht mehr einsatzfähigen Alex Meier (19 Tore) weist der Goalgetter 16 Treffer aus. Die gleiche Erfolgsquote steht indes auch für Wolfsburgs Mittelstürmer Bas Dost zu Buche.



Markus Babbel hatte in der Mannschaft den Spitznamen Sommerloch.

— Mehmet Scholl, FC Bayern, über den ,,wechselwilligen" Markus Babbel, der 2000 dann tatsächlich von München nach Liverpool wechselte.