Nach Burghausen und Bochum musste auch die Hertha ihre Pokalträume am Millerntor begraben. Die Pokalhauptstadt bleibt jedoch München, da sowohl die Bayern als auch 1860 den Einzug ins Viertelfinale schafften.
Das Freudenhaus der Regionalliga Nord wurde für Hertha BSC Berlin zur Folterkammer für vorweihnachtliche Gefühle. Nach Toren von Pantelic (8.) und Gilberto (40.) schienen die Hauptstädter gegen einen kämpferischen FC St. Pauli schon mit einem Bein im Viertelfinale. Doch die Nordlichter steckten keineswegs auf, kamen durch Mazingu-Dinzey noch vor der Pause zum Anschluss (45.) und retteten sich mit dem Treffer von Luz kurz vor dem Ende in die Verlängerung (86.). Dort setzte zunächst Marcelinho das erste Ausrufezeichen (100.), ehe Lechner (104.) und ein wuchtiger Kopfstoß von Palikuca (109.) die Höllenglocken endgültige zum Läuten brachten. Das "Wir sind Pokal"-Shirt der Pauli-Marketing-Abteilung brachte die Sache nach dem Schlusspfiff wieder einmal gelungen auf den Punkt.
Trotz des kläglichen Ausscheidens der SpVgg Unterhaching bei Arminia Bielefeld (0:2) bleibt München nach wie vor die Pokalhauptstadt. Shao bescherte den 60ern in der Schlussminute die Nachspielzeit beim SC Freiburg. Die Breisgauer hatten ein überlegen geführtes Spiel lediglich zu einem zählbaren Erfolg genutzt (Sanou, 77.). In der zusätzlichen halben Stunde gaben dann allerdings die Löwen den Ton an und zogen dank Agostino (96.) und Meyer (106.) doch noch in die nächste Runde ein. Ein ähnlich dickes Brett wie der Lokalrivale musste auch Bayern München im Topspiel gegen den HSV bohren. Der mit zunehmender Spielzeit immer überlegener werdende Rekordmeister fand bei seinen wenigen klaren Gelegenheiten in Gäste-Keeper Kirschstein seinen Meister. Erst gegen den fulminanten Distanzschuss von Hargreaves war kein Kraut gewachsen (113.). Die Norddeutschen erspielten sich keine einzige echte Torchance und mussten daher verdient die Segel streichen.
Die hessischen Vertreter Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach benötigten zum Weiterkommen das Elfmeterschießen. Beim 1:1 der Adlerträger gegen den 1. FC Nürnberg fröstelten sich die Zuschauer in der Commerzbank-Arena zum Showdown. Dort hatten dann die Club-Spieler ihre Nerven nicht mehr im Griff. Ebenfalls mit einem 1:1 schleppten sich Hansa Rostock und die Kickers zum finalen Glücksspiel, in dem sich die Ereignisse überschlugen. Während des Elfmeterschießens gerieten die Torhüter Ramovic und Schober aneinander. Der Hansa-Kapitän ließ sich dabei zu einer Kopfnuss á la Norbert Meier hinreißen und provozierte damit die Rote Karte – für seinen Konkurrenten. Da die Offenbacher schon dreimal gewechselt hatten, musste mit Sieger ein Feldspieler zwischen die Pfosten, der seinem Namen dabei alle Ehre machte. Zwei Lattentreffer der Norddeutschen sorgten für späte Gerechtigkeit und das Rostocker Ausscheiden. Bleibt zu hoffen, dass der DFB die Fehlentscheidung des Schiedsrichters unnachgiebig ahndet, da sich Schober auch nach dem Duschen noch völlig uneinsichtig präsentierte.
Ein kleiner Skandal ereignete sich auch im rheinland-pfälzischen Derby zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Mainz 05. Auch diese Partie ging nach Toren von Engelhardt (29.) und da Silva (62.) zunächst in die Verlängerung und anschließend ins Elfmeterschießen. Dort führten die Pfälzer bereits mit 2:0, als Zandi mit seinem Versuch scheinbar an der Unterkante der Latte scheiterte. Dass der Ball hinter der Linie aufsetzte hatte das Gespann der Unparteiischen übersehen. So feierten die Rheinhessen ein nicht mehr für möglich gehaltenes Comeback. Der Frust bei den Betze-Buben kannte anschließend keine Grenzen.
Den Tanz auf drei Hochzeiten gönnt sich neben den Bayern auch Werder Bremen nach dem 4:1 bei Hannover 96. In einem sehr unterhaltsamen Nord-Derby war lange Zeit kein Gewinner auszumachen. Mit Naldo brach ausgerechnet ein Abwehrspieler den Bann nach 71 Minuten. Zwei umstrittene Strafstoßentscheidungen von Schiedsrichter Merk erhöhten das Resultat kurz vor Schluss auf 2:1. Das deutliche Endergebnis realisierten ein Eigentor von Balitsch und Hunt erst in der Schlussminute. Die 96er verließen die heimische AWD-Arena dennoch erhobenen Hauptes.
Kai Endres
Er ist ein intelligenter Bursche, der gern so tut, als wäre er bescheuert.
— Ally McCoist, Glasgow Rangers, über seinen Mitspieler Paul Gascoigne.