Stürmische Griechen, gescheiterte Italiener und ein Wiederholungstäter

von Günther Jakobsen17:26 Uhr | 25.06.2014

An den Siegern der Gruppen C (Kolumbien) und D (Costa Rica) gab es schon vor der letzten Runde keine Zweifel. Den jeweilig zweiten Platz rissen jedoch Teams an sich, die mit schlechteren Voraussetzungen als ihre Kontrahenten starteten.

Dass ausgerechnet Griechenland hauptverantwortlich für ein Spektakel sein würde, hatte wohl kaum jemand auf der Rechnung. Die Hellenen hatten in den beiden Spielen der Gruppe C zuvor noch nicht einmal ein einziges Tor erzielt und ebenso wenig mit fußballerischen Mitteln überzeugt. Anders als der abschließende Gegner, das Team von der Elfenbeinküste, war man zwingend zum Siegen verdammt um weiterzukommen. Und selbst das wäre unter Umständen zuwenig gewesen, hätte Japan im Parallelspiel Kolumbien besiegt. Der Auftakt verlief zudem sehr unglücklich, da Verletzungen (12., Kone/24., Schlussmann Karnezis) zu frühen Umstellungen zwangen. All diesen widrigen Umständen zum Trotz glückte Griechenland schon vor dem Pausenpfiff eine nicht unverdiente Führung. Bei einem fulminanten Lattenschuss durch Holebas hatte man noch Pech (33.), als die Ivorer in der 42. Minute aber den Ball im Aufbauspiel leichtsinnig vertändelten, packte Fernando Santos´ Team die Gelegenheit beim Schopfe: Der eingewechselte Samaris traf abgezockt zum 1:0. Die Afrikaner waren zum Reagieren gezwungen und legten sich gleich nach dem Seitenwechsel mächtig ins Zeug. Griechenland antwortete mit Kontern und fast hätte Christodoulopoulos den Vorsprung ausgebaut (54., knapp links vorbei). Das Spiel steigerte sich gewaltig und ein weiteres Mal waren die Europäer im Pech, als Karagounis das Leder aus der Distanz an den Querbalken hämmerte (67.). Auf der Gegenseite zahlte sich der Druck der Ivorer aus: Eine feine Aktion von Gervino und dem eingewechselten Bony als Vollstrecker führte zum 1:1-Ausgleich (74.), der den Afrikanern zum Einzug ins Achtelfinale gereicht hätte. Mit von ihnen selten gesehener Offensivpower stemmten sich die Griechen gegen das Ausscheiden, hatten nochmals einen Gebälktreffer (80., Torosidis´ Flanke landete am Außenpfosten) und erhielten auf den letzten Drücker die ultmative Siegchance, als Sio in der Nachspielzeit im eigenen Strafraum ungeschickt agierte und Samaras zu Fall brachte. Der Gefoulte blieb beim Elfer eiskalt, traf zum 2:1 und verhalf den Griechen zum ersten WM-Achtelfinaleinzug ihrer Geschichte. Das Parallelspiel zwischen Kolumbien und Japan konnte mit der Dramatik der anderen Partie nicht mithalten. Zwar glich Japan die Führung des Gruppensiegers unmittelbar vor dem Pausenpfiff durch einen Kopfballtreffer Okazakis noch aus, als die Südamerikaner ihrerseits das Tempo verschärften, hatte man aber keine Mittel mehr, dagegenzuhalten. Kolumbiens 4:1-Erfolg hatte noch ein Schmankerl zu bieten, als "Oldtimer" Faryd Mondragon in der 85. Minute eingewechselt wurde. Der 43-jährige Keeper avancierte zum ältesten WM-Spieler.

Er kann´s nicht lassen. Zum dritten Mal in seiner Profikarriere schlug Luis Suarez seine Zähne in das Fleisch eines Gegenspielers; dieses Mal war Italiens Abwehrspieler Chiellini das Opfer (79.). Da Schiedsrichter Rodriguez-Moreno den Vorfall nicht notierte, dürfte die FIFA als Ankläger via Videobeweis aktiv werden. Dieses beschämenden Vorfalls hätte es kaum bedurft, um Uruguay in die nächste Runde zu hieven, die mutmaßlich ohne Suarez bestritten wird. Entscheidender war wohl die strittige Rote Karte gegen Marchisio (59.). In Relation zu anderen Aktionen während des Spiels schien das Foul gegen Rios zu hart bestraft, gleichwohl handelte der Schiri regelkonform. Das zähe Ringen um Feldvorteile verschaffte Uruguay in Überzahl natürlich Vorteile und Buffon musste schon seine ganze Klasse auspacken, um einen Rückstand gegen Suarez´ Außenristschuss zu verhindern (66.). Italiens Kontern fehlte die Schärfe. Auch Cassano, der anstelle der wirkungslosen Balotelli und Immobile (beide ausgewechselt) für Torgefahr sorgen sollte, konnte nichts bewegen. Uruguays Kapitän Godin gelang nach einem Eckstoß der entscheidende 1:0-Siegtreffer. Inmitten einer Spielertraube, zentral vor dem Kasten aufsteigend, befördete er das Spielgerät mehr mit der Schulter als dem Kopf in die Maschen (81.). Italiens Aufbäumen nutzte nichts mehr - klare Torchancen sprangen auch in der Nachspielzeit nicht mehr heraus. Nach den bereits qualifizierten Kickern aus Costa Rica, die sich im anderen Spiel der Gruppe D 0:0-unentschieden von England trennten, durfte sich also auch Uruguay auf die Runde der besten 16 freuen. Dort wartet Kolumbien, während Costa Rica auf Griechenland trifft.



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