Gastgeber Ukraine träumt bei seiner ersten EM-Teilnahme mindestens vom Einzug ins Viertelfinale. Allerdings wäre alles andere als ein Ausscheiden nach der Vorrunde eine Überraschung. Der WM-Viertelfinalist von 2006 setzt zwar auf Konter, aber hat eine schwache Defensive.
Der Gedanke ist romantisch. Beim größten Ereignis in der ukrainischen Fußballgeschichte werden die beiden größten Kicker-Legenden des Landes in tragenden Positionen dabei sein. Doch Trainer Oleg Blochin, Europas Fußballer des Jahres 1975 und Trainer der Nationalmannschaft Ukraines bei der WM 2006, und Sturmführer Andriy Shevchenko, der mit Dynamo Kiew ins Champions-League-Halbfinale 1999 und mit der Nationalmannschaft ins WM-Viertelfinale 2006 vorstieß, scheinen ihren Zenit überschritten zu haben. Blochin hatte, bevor er die ukrainische Nationalmannschaft zum zweiten Mal als Trainer übernahm, als Coach beim russischen Erstligisten FK Moskau und als Sportdirektor bei Tschornomorez Odessa nur mäßigen Erfolg gefeiert. Shevchenko bestritt in der abgelaufenen Saison aufgrund von Verletzungen nur 16 von 30 möglichen Ligaspielen für seinen Verein Dynamo Kiew. Möglicherweise beendet der Weltstar nach der EM seine Karriere.
Am liebsten würde er seine Laufbahn am 1. Juli im Olympiastadion von Kiew abschließen. Denn dort wird dann das EM-Finale ausgetragen. Shevchenko ist nicht der einzige Ukrainer, der von einem Einzug ins Endspiel träumt. Dabei gibt die Mannschaft kaum Grund zur Hoffnung, sondern eher zur Skepsis. Seit seinem Amtsantritt im April 2011 hat Nationaltrainer Blochin schon 41 Spieler (Stand: Mitte Mai) eingesetzt. Im vorläufigen EM-Kader befinden sich mit den aus der Bundesliga bekannten Anatoliy Tymoshchuk (Bayern München) und Andrej Voronin (Dynamo Moskau) lediglich zwei Legionäre. Den Großteil der Mannschaft stellen die beiden heimischen Vorzeigeklubs Dynamo Kiew und Schachtar Donezk. Doch die beiden Spitzenmannschaften sind miteinander verfeindet. Nach dem letzten Aufeinandertreffen im April beschuldigte Schachtar-Verteidiger Yaroslav Rakitskiy den Dynamo-Torwart und Nationalmannschaftskollegen Alexandr Shovkovskiy, ihn beleidigt zu haben. „Wie können wir dann in derselben Mannschaft spielen?“, fragte sich Rakitskiy damals. Diese Frage muss er sich nun nicht mehr stellen. Denn Shovkovskiy fällt genauso wie sein Torhüterkollege Andrey Dikan (Spartak Moskau) verletzt aus. Mit Oleksandr Rybka (Schachtar Donezk) fehlt ein weiterer Schlussmann aufgrund einer Dopingsperre, nachdem er Diätpillen eingenommen hat. Bei der EM wird mit Andrey Pyatov (Schachtar Donezk) die etatmäßige Nummer vier im Tor der Ukraine stehen.
Blochin setzt auf Konter über seine schnellen Außenspieler. Doch für einen effektiven Konterfußball ist auch eine stabile Abwehr erforderlich, und die fehlt der Ukraine. Im Freundschaftsspiel gegen Deutschland im November 2011 erzielten die Gelb-Blauen zwar drei Tore, aber ließen auch drei Gegentreffer zu. Gegen einen der drei Vorrundengegner, Frankreich, gab es sogar eine 1:4-Heimniederlage im Juni 2011. Trotzdem will Trainer Blochin mit seiner Auswahl mindestens das Viertelfinale erreichen. Jedoch wäre alles andere als ein Ausscheiden nach der Vorrunde eine große Überraschung.
Mögliche Aufstellung: Pyatov - Butko, Kucher, Rakitskiy, Selin - Rotan, Tymoshchuk - Gusev (Konoplyanka), Yarmolenko - Milevsky, Shevchenko
Senthuran Sivananda
Deutsche Spieler sind prinzipiell unbegabt.
— Peter Schmeichel, im EM-Finale 1992 mit Dänemark Gegner der deutschen Mannschaft...