Schalkes 0:5-Desaster gegen Chelsea war nicht nur ein sportlicher Offenbarungseid - man büßte auch die Option ein, aus eigener Kraft das Achtelfinale zu erreichen. Bayerns 2:3-Niederlage bei ManCity hingegen war nur ärgerlich für die lange in Unterzahl spielenden Münchner.
Das erklärte Ziel, die Gruppe E als Sieger zu passieren, war längst erreicht. Dem FCB blieb aber noch der Ansporn, als erste Bundesligamannschaft eine CL-Gruppenphase ausschließlich mit Siegen abzuschließen. Ein Vorhaben, das im Gastspiel bei Manchester City frühzeitig erschwert wurde. Benatia sah nach 21 Minuten die Rote Karte, nachdem er Aguero elfmeterreif zu Fall gebracht hatte. Der Gefoulte verwandelte den Strafstoß persönlich. Zwei sehenswerte Treffer, Alonso mit einem flach ins rechte Eck gesetzten Freistoß (40.) und Lewandowski in Bedrängnis per Kopfball (45.), drehten den Spieß aber zugunsten der clever agierenden Münchner um. ManCitys Drängen nach der Pause brachte den gut verteidigenden FCB nur selten in Gefahr, in der Schlussphase jedoch kippten zwei Fehler die Partie noch komplettt um. Ein abgefangener Rückpass Alonsos landete bei Aguero, der nicht mehr zu stoppen war und Neuer überwand (85.). In der Nachspielzeit profitierte der Argentinier nochmals von einem Münchner Patzer, als Boateng, von einem abgefälschten Ball überrascht, das Leder nicht kontrollierte. Aguero schnappte zu und setzte aus zwölf Metern seinen dritten Treffer. Der FCB war indes nicht das einzige Team der Gruppe, dem auf den letzten Drücker die Punkte verloren gingen. AS Rom führte bis in die Nachspielzeit bei ZSKA Moskau mit 1:0 (43., Freistoß von Totti), als Berezutskiy eine Flanke schlug, die, vom Mitspieler verpasst, auch Roms Schlussmann De Sanctis überraschte. Vor dem letzten Spieltag verblieben somit die Roma, ZSKA und ManCity gleichauf mit jeweils fünf Punkten auf den Plätzen zwei bis vier, hinter den enteilten Bayern (12).
Schalkes Position in der Gruppe G verschlechterte sich entscheidend. Da Sporting Lissabon (7 Punkte) sich 3:1 gegen NK Maribor (3) durchsetzte, fielen die Königsblauen (5) auf den dritten Rang zurück. Für das abschließende Spiel in Maribor könnte selbst ein Sieg zu wenig sein, die nächste Runde zu erreichen. Für Chelsea (11) machte der 5:0-Kantersieg in Gelsenkirchen das Weiterkommen perfekt. "Es ist nach wie vor in der Gruppe alles möglich", sprach So4-Manager Horst Heldt die Chancen für den letzten Spieltag an, ließ jedoch keinen Zweifel am Versagen gegen die "Blues" aufkommen: "Man kann gegen Chelsea verlieren, das ist schließlich eine sehr gute Mannschaft - aber die Art und Weise, wie wir verloren haben, ist nicht akzeptabel." Das Unheil nahm schon in der 2. Minute seinen Lauf, als Terry nach einem Eckstoß zur 1:0-Führung der Gäste einköpfte. Der dritte Treffer der Briten fiel ebenfalls per Kopf nach einer Ecke: Allerdings fabrizierte Kirchhoff ein Eigentor (44.). Zuvor hatte Willian eine gute Kombination der Gäste mit einem Flachschuss erfolgreich abgeschlossen (29.). Peinlich dann, wie einfach die Abwehr mit einem langen Ball ausgespielt war und Drogba zum 4:0 einschob (76.). Auch beim fünften Gegentreffer spielte Chelsea Katz und Maus mit der Schalker Abwehr (78., Ramires). "Die Medien sagen vielleicht, dass Schalke Probleme hatte, aber ich denke, dass heute Abend jeder Gegner mit uns Probleme gekriegt hätte", lobte Jose Mourinho den englischen Tabellenführer.
André Schulin
Es ist ein Wunder, dass wir wieder Meister geworden sind.
— Franz Beckenbauer