Den Reiz der englischen Woche macht hauptsächlich aus, dass innerhalb kurzer Zeit Weichen neu gestellt werden können: Gefahr für jene Klubs, die negativ in die Rückserie starteten.
Ein klarer Verlierer des Rückrundenauftaktes, die Frankfurter Eintracht (1:4 in Freiburg), empfängt am Dienstag einen großen Gewinner, den VfL Wolfsburg (4:1 gegen Bayern). Ungeachtet dessen, dass Schürrles erwarteter Transfer zu spät über die Bühne ging, um den pfeilschnellen Angreifer bereits für das Gastspiel in Frankfurt auf den Plan zu bringen, gehen die "Wölfe" als Favorit in dieses Duell. Thomas Schaafs Gegneranalyse bezog sich im wesentlichen auf dessen offensive Qualitäten: "Sie haben sich nicht nur darum gekümmert das Spiel des FC Bayern zu begrenzen, sondern auch ihr eigenes Spiel inszeniert. Das ist etwas, was uns beschäftigen muss." Inwiefern sich der FC Bayern mit Schalkes Offensive beschäftigt, weiß wohl nur Pep Guardiola. "Schalke ist eines der besten Teams in Deutschland mit einer super defensiven Organisation", lobte der Spanier indes die Abwehr der Gäste. Sicher ist jedoch, dass den Königsblauen wegen Huntelaars Sperre eine ganz wichtige Option im Sturm fehlt. Gegen das angekündigte Strafmaß (6 Spiele) legten die Schalker Widerspruch ein. Die Resultate des letzten Spieltages, Mainz´ deutlicher Erfolg und Hannovers Niederlage auf Schalke, offerieren den 05ern die Chance, mit einem Auswärtssieg an den 96ern vorbei zu ziehen. Hannovers Coach Tayfun Korkut fordert von seiner Elf eine bessere Chancenverwertung: "Um Punkte zu holen, muss man halt einfach auch Tore schießen." Das klappte zuletzt bei den Freiburgern ganz gut (4:1 gegen Frankfurt). Das Gastspiel in Mönchengladbach dürfte allerdings komplizierter werden. "Das ist ein tolles Stadion mit einer Riesenatmosphäre, aber uns erwartet natürlich auch ein Gegner mit ganz enormer Qualität", freut sich SC-Trainer Christian Streich auf das Match. Einen Sieg auf anderem Terrain konnte er bereits am Sonntag feiern: Der Bürgerentscheid bezüglich eines neuen Stadions fiel positiv aus.
Die Mittwochspiele stehen überwiegend im Zeichen des Kampfes um den Klassenerhalt. Stuttgart wird versuchen, die Kölner Heimschwäche zu nutzen. Neuzugang Serey Die kann die Schwaben dabei noch nicht unterstützen (für die Elfenbeinküste beim Afrika-Cup). Der FC musste unterdessen die angepeilte Verpflichtung Eduardos abhaken; stattdessen präsentierte man den 23-jährigen brasilianischen Stürmer Deyverson (ausgeliehen für die Rückserie). Werder Bremen will den nächsten Schritt machen, weg vom Tabellenkeller. Mit den Ex-Hoffenheimern Vestergaard und Casteels (Reserve-Torwart) geht es in den Kraichgau. "Ohne Auswärtspunkte wird es schwierig", will sich SVW-Coach Viktor Skripnik nicht nur auf grünweiße Heimstärke verlassen. Unter erhöhtem Druck, auf fremdem Platz zu punkten steht der Hamburger SV, den es nach der 0:2-Enttäuschung gegen Köln zum Aufsteiger Paderborn führt. "Paderborn ist aus meiner Sicht ein Schlüsselspiel", sagt Peter Knäbel (Direktor Profifußball). Eine frische Verletzung Lasoggas (Oberschenkelzerrung) beraubt den abschlussschwachen HSV einer Stürmeralternative. Hertha BSC wird sich gegen Leverkusen anders als im Bremer Gastspiel präsentieren müssen, um zurück in die Spur zu finden. Die Gäste hadern derweil mit ihrer Torausbeute. Roger Schmidt: "Wir verteidigen derzeit auf einem sehr hohen Niveau, doch diese höchste Qualität brauchen wir auch im vordersten Bereich." Dass es bei Borussia Dortmund ebenfalls im Angriff hakt ist kein Geheimnis. Gespannt darf man sein, ob die Schwarzgelben gegen den FC Augsburg, gegen den man noch nie verlor und 17 von 21 möglichen Bundesliga-Punkten holte, eine Wende einleiten können. Derzeit weist der FCA jedoch fast doppelt so viele Punkte aus wie der BVB. "Dortmund ist trotzdem der Favorit. An beiden Vereinen sieht man, wie kurios die Bundesliga in dieser Saison ist", kommentiert Markus Weinzierl die Situation. "Doch wir freuen uns auf die Partie, da wir mit viel Selbstvertrauen nach Dortmund reisen können und wollen mindestens einen Punkt holen."
Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.
— Jürgen Wegmann