Mit Bayer Leverkusen, Werder Bremen, dem VfL Wolfsburg sowie dem SC Freiburg mussten vier Bundesligisten mit hängenden Köpfen das Grün verlassen, weil sie sich entweder selten dämlich anstellten oder ihren Gegner nicht wirklich ernst nahmen. Aber auch die Zweitligisten St. Pauli, Cottbus und Union Berlin blamierten sich in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals.
Eine Woche vor dem Bundesligastart in die neue Spielzeit durften sich die Erstligisten im DFB-Pokal gegen mehr oder weniger starke Kontrahenten zum Formcheck stellen. Von den Meisterschaftsfavoriten legten der FC Bayern München (3:0 in Braunschweig) und Borussia Dortmund (3:0 in Sandhausen) einen souveränen Auftritt hin, während Bayer Leverkusen nach einer 3:0-Führung in Dresden am Ende sensationell mit 3:4 die schmachvolle Heimreise antreten musste. In den letzten 22 Minuten der Normspielzeit hatte Dynamo aus dem 0:3 ein 3:3 gezaubert und drei Minuten vor dem Abpfiff der Verlängerung dem selbsternannten Meisterschaftskandidaten das entscheidende 4:3 eingeschenkt. Auch dem VfL Wolfsburg war beim 2:3 gegen die Viertliga-Limo-Truppe von RB Leipzig ein weiteres dunkles Kapitel in der Pokalhistorie hinzugefügt worden. Der Name Daniel Frahn (er schoss all drei RB-Treffer) wird in der VW-Stadt seitdem zwar weiterhin kaum ausgesprochen, aber nicht mehr wirklich aus den Köpfen der Werkskicker verschwinden. Ein böses Erwachen gab es auch für den SC Freiburg, der in Unterhaching beim 2:3 in allen Mannschaftsteilen Schwächen zeigte und beim eingespielten Drittligisten große Abstimmungsschwierigkeiten offenbarte. Nahtlos knüpfte derweil Werder Bremen an seine Grusel-Saison an, machte zwar aus null Chancen ein Rosenberg-Sonntagsschuss-Tor (33.), ließ dann Marin vom Elfmeterpunkt dilettieren (51.), sich zweimal wie ein Haufen Amateure in der Abwehr überraschen und hatte am Ende als Erklärung nur das Floskel-Vokabular aus der Mottenkiste der letzten Spielzeit parat. Alles andere als ein Fehlstart in die Bundesliga erschien nach dieser ratlosen Gemengelage auf und neben dem Platz eher nicht im Bereich der aktuellen Bremer Möglichkeiten.
Die anderen Bundesligateams waren zwar nicht unbedingt durchweg besser aufgestellt, taten aber immerhin soviel, dass am Ende das Weiterkommen eingetütet werden konnte. Manche taten auch etwas mehr, auch wenn Schalke mit dem 11:1 beim Siebtligisten Teningen in Freiburg die 20-Tore-Marke deutlich verpasste und Mainz, Hoffenheim sowie Augsburg eine Extraschicht einlegen mussten. Neben dem FC Bayern und Dortmund präsentierten sich vor allem Hannover (6:0 in Lübeck gegen Wismar), Hertha BSC (4:0 bei Meuselwitz), Köln (3:0 in Wiedenbrück), Nürnberg (5:1 in Bielefeld), Gladbach (3:1 in Regensburg) und Kaiserslautern (3:0 bei Dynamo Berlin) in solider, konzentrierter Form. Nur Stuttgart und der HSV mussten bei ihren 2:1-Erfolgen in Wehen und Oldenburg bis zum Schlusspfiff zittern.
Von den Zweitligisten kippten überraschend Union Berlin (5:6 n.E.), der FC St. Pauli (1:2 bei Pokalschreck Trier) und Energie Cottbus (glatt 0:3 bei den "Störchen" aus Kiel) aus dem Rennen. Zweimal kam es zum direkten Duell innerhalb der 2. Liga, wobei Bochum Rostock erst im Elferschießen ausstach, während der KSC die Aachener Pokalträume mit dem 3:1 schon etwas deutlicher platzen ließ. Zweistellig mit jeweils 10:0 trumpften derweil Paderborn (in Ahlen) und Greuther Fürth (bei der eingesprungenen A-Jugend von Eimsbüttel-Hamburg) auf, während der FSV Frankfurt (5:1 in Emden), 1860 München (3:2 in Osnabrück) sowie Erzgebirge Aue (3:1 in Saarbrücken) erst in der Verlängerung den Klassenunterschied belegten. Fortuna Düsseldorf (3:0 in Kassel), Eintracht Frankfurt (2:0 in Halle), der MSV Duisburg (2:0 in Babelsberg) und der SV Ingolstadt 04 (4:1 in Oberneuland) rissen zwar keine Bäume aus, orderten aber weitere Prämien aus der nachfolgenden Pokalrunde.
Ulrich Merk
Felix Magath und Clemens Tönnies sollten eine halbe Stunde in einen Raum gehen, das Licht ausmachen und sich gegenseitig aufs Maul hauen. Dann wäre das Thema durch.
— Udo Lattek