DFB-Team

Vier-Sterne-Debüt mit vier Gegentoren

von Günther Jakobsen14:27 Uhr | 04.09.2014

Nach 18 Partien ohne Niederlage musste sich die DFB-Elf erstmals wieder geschlagen geben. Die 2:4-Niederlage gegen Argentinien wurde missmutig, aber nicht als beunruhigend hingenommen.

Die Reaktionen auf den Rängen, anlässlich der Verabschiedung der nach der WM zurückgetretenen Per Mertesacker (104 Länderspiele), Philipp Lahm (113) und Miroslav Klose (137), zeigte, welche Wertschätzung diese langjährigen Nationalmannschaftsstützen genießen. Auch Hansi Flicks Wechsel vom Co-Trainer-Posten zum DFB-Sportdirektor wurde wohlwollend angenommen. Der anschließende erste Auftritt der Nationalelf nach dem Titelgewinn, gegen Finalteilnehmer Argentinien, endete allerdings nicht mit einem freundlichen Resultat für die Deutschen. Angesichts der Personalsituation - nur vier deutsche Spieler aus dem WM-Finale standen in der Startelf - durfte man gegen die starken Südamerikaner aber ohnehin nicht zwingend von einem Erfolg ausgehen. Argentiniens neuer Chefcoach, Gerardo Martino, brachte immerhin sieben Endspiel-Akteure gleich zu Beginn. Bis auf Messi, Rodriguez und Palacio konnte er aus dem Vollen schöpfen. Zum wichtigsten Akteur in Reihen der Albiceleste wurde der im Finale fehlende Angel Di Maria, der Messis Absenz vergessen ließ.

Das durchweg unterhaltsame Spiel hatte seinen ersten Höhepunkt, als Kramer, der mit viel Spielfreude und Spielwitz überzeugte, perfekt für Comeback-Stürmer Gomez auflegte (8.). Dass der Mann vom AC Florenz nach längerer Verletzungsmisere noch nach seiner Topform suchte, wurde in dieser Szene sowie bei zwei anderen guten Torchancen deutlich. Frei vor Romero auftauchend, scheiterte Gomez am lange wartenden Keeper, wie auch in der 28. Minute. Die Chancenverwertung machte in diesem auf Augenhöhe ausgetragenen Duell den Unterschied, denn ohne Fehler war auch Argentiniens Defensive nicht. Im Angriff agierten die Südamerikaner aber wesentlich effektiver. Di Maria, der nicht nur Durm einen schweren Tag bescherte, schnibbelte in der 21. Minute das Leder per Außenrist auf Aguero - 1:0 für die Gäste. Beim 2:0 setzte Di Maria seinen Teamkollegen Lamela ein, gegen dessen Volleyabnahme Neuer ohne Chance blieb (39.). Zu den für Freundschaftsspiele obligatorisch zahlreichen Wechseln zählte auch der Halbzeit-Tausch zwischen Neuer und Weidenfeller. Dortmunds Keeper erging es aber nicht besser als seinem Münchner Kollegen: Nach Di Marias Flanke fing er sich gleich nach seinem Auflaufen den ersten Gegentreffer ein (47., Kopfball Fernandez) und drei Minuten später lupfte Di Maria persönlich zum 4:0 für Argentinien ein. Dieser Zwischenstand löste im Publikum etwas ähnliches wie eine weitere, diesmal ungeplante Schweigeminute aus; vor dem Anpfiff hatte man des verstorbenen argentinischen Verbandspräsidenten gedacht. Schürrle, im Nachschuss gegen Romero erfolgreich, weckte mit seinem Treffer die Lebensgeister neu (52.). Die Deutschen waren um Ergebniskorrektur bemüht, holten zunächst durch Reus jedoch nur einen Pfostentreffer heraus (76.). Götzes Treffer zum 2:4-Endstand (78.) ließ die Niederlage dann etwas gnädiger erscheinen. Übermäßig ernst nahm man diesen Test jedoch nicht. "Sonntag geht es für uns los, dann müssen wir gewinnen", sprach Joachim Löw das Auftakt-Spiel zur EM-Qualifikation gegen Schottland an.

André Schulin



Wenn ich darauf reagieren würde, müsste ich wie ein Zitteraal durch die Gegend laufen.

— Peter Neururer auf die Frage, wie er mit den Spekulationen um seine Entlassung umgeht