Der FC Augsburg ist der 51. Verein in der 1. Bundesliga und Abstiegskandidat Nummer eins. Im schlimmsten Fall geht es für die Schwaben Bayerns darum, mehr Punkte als der SSV Ulm, Fortuna Köln, Preußen Münster, Blau-Weiß Berlin, VfB Leipzig und Tasmania Berlin zu sammeln, die alle nur eine Saison in der Beletage erleben durften.
Die Aufstiegsmannschaft ist bisher nur punktuell verstärkt worden. Mit diesem Konzept stieg in der vergangenen Saison der FC St. Pauli ab, und vor zwei Spielzeiten hätte es einen ähnlich denkenden 1. FC Nürnberg fast erwischt. Von den Neuzugängen standen beim schwierigen Pokalauftakt in Oberhausen (2:1 n.V.) nur Mittelfeldspieler Lorenzo Davids (NEC Nijmegen), der Neffe des ehemaligen niederländischen Nationalspielers Edgar Davids, und Sturmspitze Sascha Mölders (FSV Frankfurt) in der Startformation. Das einzige, was sich beim FCA in der Vorbereitung auf die neue Saison grundlegend geändert hat, ist die taktische Ausrichtung. Vom 4-4-2 aus der Aufstiegssaison hat Trainer Jos Luhukay auf das defensivere 4-2-3-1 umgestellt. Auch deswegen war für Stürmerstar Michael Thurk kein Platz mehr im Kader, den die Schwaben sogar suspendiert haben. Thurk wurde nicht mehr gebracht, Ibrahima Traoré (VfB Stuttgart) und Moritz Leitner (nach Ausleihe zurück zu Borussia Dortmund) hätten die Fuggerstädter dagegen gerne behalten, aber sie machten mit ihren Leistungen die arrivierten Klubs der ersten Liga auf sich aufmerksam.
Augsburg hat bei den Fußballfans einen ähnlichen Ruf wie Hoffenheim. Richtig ist, dass der Erfolg der Schwaben Bayerns erst mit dem Einstieg von Walther Seinsch in den Verein eintrat. Richtig ist auch, dass Seinsch, bevor er Präsident in Augsburg wurde, es auch „auf“ Schalke und beim SSV Reutlingen versucht hatte. Aber der Textilunternehmer schmiss nicht mit seinem Geld um sich wie ein Scheich, sondern hat mit Bedacht investiert. Und Seinsch überträgt sein soziales Gewissen auch auf den Fußball. Er ist für eine Sozialkasse für Fans, die sich eine Eintrittskarte nicht mehr leisten können, und hält Proteste gegen Montagsspiele für unangebracht, weil sonst die zu Hause gebliebenen Anhänger die Partien nicht im Free-TV anschauen können. Nächstes Jahr ist der FC Augsburg mit einiger Wahrscheinlichkeit Zweitligist und darf wieder montags ran. Trotzdem muss sich Trainer Luhukay keine Sorgen um seinen Job machen. Denn er bekam vom Präsidenten einen Persilschein ausgestellt. „Luhukay kann 34 Spiele verlieren, und wir werden ihn nicht entlassen“, sagte Seinsch.
Senthuran Sivananda
Gewollt hab ich schon gemocht, aber gedurft ham sie mich nicht gelassen.
— Lothar Matthäus über seine Ambitionen als deutscher Nationaltrainer