„Es ist ein Klub, der dauerhaft um Titel mitspielen wird und finanziell nicht am Hungertuch nagt“, hat Nationaltorhüter Tim Wiese gesagt, als er seinen Weggang von Werder Bremen bekanntgab. Mit dem „nicht am Hungertuch nagen“ hat er Recht, mit dem „um Titel mitspielen“ (noch) nicht.
Vier Jahre dauert die Zeit zwischen den Olympischen Sommerspielen und die Legislaturperiode einer Bundesregierung. Vier Jahre können kurz sein, aber auch lang. Vor vier Jahren war die TSG Hoffenheim noch ein frischgebackener Erstligist. Inzwischen haben die Kraichgauer allerdings schon drei Trainer, zwei Manager und verschiedene Philosophien verschlissen. Unter Ralf Rangnick stieg die TSG dank teurer südamerikanischer Talente ins Oberhaus auf und wurde gleich in der ersten Halbserie Herbstmeister. Rangnicks Nachfolger Marco Pezzaiuoli und Holger Stanislawski sollten mehr auf die etwas aus dem Ruder geratenen Gehaltskosten als auf die sportlichen Ergebnisse achten und junge Talente an die erste Mannschaft heranführen. Und nun will Markus Babbel, seit Februar Trainer und Manager im Kraichgau, mit etablierten Bundesligaprofis die TSG in den Europapokal (am liebsten in die Champions League) führen.
Nach Wiese wurden Eren Derdiyok (Bayer Leverkusen), Matthieu Delpierre (VfB Stuttgart) und Chris (VfL Wolfsburg) verpflichtet. Zudem kamen aus München die Talente Takashi Usami (Bayern München) und Kevin Volland (1860 München), und von Aufsteiger Greuther Fürth wechselte Stephan Schröck ablösefrei zu den Kurpfälzern. Immerhin nahmen die Sinsheimer auf dem Transfermarkt bislang mehr ein, als sie ausgaben. Für Peniel Mlapa (Borussia Mönchengladbach), Chinedu Obasi (Schalke 04) und vor allem Gylfi Sigurdsson (Tottenham Hotspur) erhielten sie zusammen über 15 Millionen Ablöse. Der große Mann im Hintergrund, der Mäzen Dietmar Hopp, steht voll hinter dem Kurswechsel. „Das ist mir sehr sympathisch. Es ist wie in einem Unternehmen: Man muss ehrgeizige Ziele ausrufen und dann belohnen, wenn sie erreicht werden, sonst erreicht man gar nichts", sagt er.
Aus der Offensive der Kraichgauer, die vor knapp vier Jahren für Furore sorgte, ist mit Sejad Salihovic lediglich ein einziger Spieler übriggeblieben. Carlos Eduardo, der Abräumer Luiz Gustavo, Demba Ba, Chinedu Obasi und Vedad Ibisevic - alle sind der Reihe nach verkauft worden. Auch Salihovic stand schon auf dem Abstellgleis. Trainer Babbel suspendierte den Bosnier, an dem in seiner besten Phase selbst der FC Bayern interessiert war, in der vergangenen Spielzeit für zwei Spiele. Doch die Denkpause schien dem Freistoßspezialisten gut getan zu haben. Salihovic durfte bleiben. Und nicht nur das: Sein Vertrag wurde bis 2016 verlängert, und er gilt als ein Kandidat für die Kapitänsbinde.
Zum Verkauf steht dafür ein anderer: Ryan Babel, vor wenigen Monaten noch niederländischer Nationalspieler, der in der Winterpause der Saison 2010/11 für 7 Millionen vom FC Liverpool geholt wurde. Der Niederländer konnte in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht überzeugen - jedoch genauso wenig die restliche Mannschaft. Drei Spielzeiten in Folge wurden die Sinsheimer nur Elfter. In der Rückrundentabelle der vergangenen Saison belegten sie sogar lediglich den 13ten Rang. Grund zur Hoffnung für die neue Saison geben deswegen vor allem die Neuzugänge. „Wir können hier Großes erreichen und wollen international spielen. Ich versuche dabei, mit absolutem Siegeswillen voranzugehen“, sagt der neue Torwart Wiese. Trotz der Neuverpflichtungen wird Trainer Babbel an der taktischen Grundformation, einem 4-2-3-1-System, wohl nichts ändern.
Senthuran Sivananda
Wir haben einige Kandidaten in dem Kreis der Kandidaten.
— 96-Boss Martin Kind zur Frage, wer Nachfolger von Hannover-Coach Ralf Rangnick wird.