Selbst nach der Rekordsaison 2011/12 will sich Borussia Dortmund den Favoritenschuh nicht anziehen. Das vorgegebene Ziel ist weiterhin das Erreichen der Champions League-Plätze und auch von „spanischen Verhältnissen“ in der Bundesliga möchte man in der BVB-Führung nicht reden.
81 Punkte, 80 erzielte Tore, Meistertitel, Pokalsieg - für Borussia Dortmund war die vergangene Saison eine Spielzeit der Superlative. Nach einem durchwachsenen Start ging für die Elf von Jürgen Klopp in der Rückrunde kein Spiel mehr verloren, was am Ende zu vollkommenen Glück fehlte, waren höchstens Erfolge in der Champions League. Dort war erneut bereits in der Vorrunde Schluss. Großen Anteil am Dortmunder Erfolg hatten Stürmer Lewandowski und Mittelfeldstratege Kagawa, die zusammen 37 Tore erzielten. Während der Pole gehalten werden konnte, schloss sich der Japaner für knapp 15 Millionen Euro Manchester United an, was dem BVB zwar die Kasse füllte, auf dem Platz aber ein großes Loch hinterlassen dürfte. Ersetzen soll den quirligen Offensivakteur Marco Reus, dessen Wechsel von Borussia Mönchengladbach bereits im Winter feststand. Der „Fußballer des Jahres 2012“ hat in ersten Test- und Pflichtspielen seine Klasse bereits unter Beweis gestellt, Sorgen um fehlende Impulse aus dem offensiven Mittelfeld muss sich das Team um Trainer Klopp also nicht machen. Ebenfalls neu dabei sind Leonardo Bittencourt (18, Energie Cottbus), Oliver Kirch (30, 1. FC Kaiserslautern) und Julian Schieber (23, VfB Stuttgart). Alle drei werden als Ergänzungsspieler in die neue Saison gehen, Schiebers Aufgabe ist es vorerst, den Abgang von Lewandowski-Ersatz Barrios zu kompensieren.
Der Borussia-Führung ist es gelungen, ein funktionierendes Team weitestgehend intakt zu halten und punktuell gar zu verbessern. Klopp steht ein breiter Kader aus erfahrenen sowie jungen, talentierten Akteuren zur Verfügung, in dem jeder seine Chance sucht. So streiten sich im defensiven Mittelfeld mit Kehl, Bender, Leitner und Gündogan gleich vier hochveranlagte Spieler um zwei freie Plätze. In der Offensive scheint Reus gesetzt, auf den Außenbahnen gibt es mit Götze, Großkreutz, Blaszczykowski und Perisic ebenfalls vier starke Spieler für zwei freie Positionen. In der Defensive ist die Meister-Viererkette weiterhin gesetzt und auch an Torwart Weidenfeller führt weiterhin kein Weg vorbei. Der große Konkurrenzkampf dürfte dem BVB vor allem bei der Doppelbelastung Liga / Champions League zugute kommen. Die große Qualität des Kaders gibt Klopp die Möglichkeit zu rotieren und somit seine Spieler vor übermäßiger Belastung zu schonen.
Trotz der Qualität, die Dortmund auch in der neuen Saison vorzeigen kann, waren die Auftritte der Vorbereitung eher durchwachsen. Niederlagen gegen Teams wie den SV Meppen und den 1. FC Nürnberg folgte ein Sieg über den HSV im Liga total Cup. Dort musste sich der deutsche Meister im Finale dann Werder Bremen im Elfmeterschießen geschlagen geben. Im Supercup setzte es trotz einer deutlichen Leistungssteigerung im zweiten Durchgang eine Niederlage gegen den FC Bayern München. „Wichtige Erkenntnisse“ für die neue Saison nahm Klopp aus dieser Partie mit, mehr allerdings auch nicht. Souverän präsentierte sich seine Elf dann jedoch im ersten Pflichtspiel der neuen Spielzeit. In der ersten Runde des DFB-Pokals wurde der FC Oberneuland klar mit 3:0 geschlagen, an seine Leistungsgrenze ging der Favorit dabei bei weitem nicht.
Dass es auch in diesem Jahr ein Zweikampf zwischen dem amtierenden und dem Rekordmeister wird und vor allem den Ausdruck „spanische Verhältnisse“, in Anspielung auf das Duell Madrid-Barcelona in Spanien, möchte Klopp nicht hören. „Seit 2004 hat es in Deutschland fünf verschiedene Vereine gegeben, die den Titel gewonnen haben. Das spricht doch für sich.“ Auch in der Zielvorgabe stapelt der BVB-Trainer tief und gibt das Erreichen des Champions League-Plätze als Minimum aus - „Nicht mehr und nicht weniger.“ Wenn es dem Übungsleiter gelingt, trotz des Konkurrenzkampfes den Teamgedanken und die Stimmung aufrecht zu erhalten, ist dieses Minimalziel für Dortmund absolut im Rahmen der Möglichkeiten. Die EM-Fahrer haben auch auf internationaler Ebene dazugelernt, sodass das Überstehen der Vorrunde der Champions League ebenfalls machbar ist. Doch weil er sicher ist, dass seine „Mannschaft in jedem Spiel alles gibt, was sie draufhat“, geht Klopp die neue Saison so entspannt an, wie die letzte, äußerst erfolgreiche.
Lisa Ramdor
Ich sehe Licht am Himmel.
— Friedel Rausch