Signifikante Veränderungen hat es bei den 96ern nicht gegeben. Das ist aber durchaus beabsichtigt. „Jetzt haben wir den Kader nicht nur zusammengehalten, sondern punktuell weiter verstärkt“, meinte Mirko Slomka noch Anfang August. Doch die Integration lief nicht so reibungslos wie erhofft.
Für die ‚Roten’ fing die Saison früh an. Das erfreuliche Abschneiden der vergangenen Europa-League-Serie hatte den Appetit auf weitere Auftritte im Europapokal geweckt und durch die Erfolge über Saint Patrick’s Athletic (3:0 und 2:0) rückt die Chance näher, erneut die Europa League-Gruppenphase zu erreichen. Als letzte Hürde davor wurde der polnische Meister Slask Wroclaw (Breslau) zugelost - eine relativ unbekannte Größe; dieser Gegner muss erst einmal studiert werden. Ein großes Match mit internationalem Flair gönnte sich Hannover indes bereits in der Saisonvorbereitung: Das 3:4 gegen Manchester United war trotz seines hohen Unterhaltungswerts aber eben nur ein Test - kein angestrebter Vergleich mit Hochkarätern unter Wettbewerbsbedingungen.
Die Kaderveränderungen fielen vergleichsweise dezent aus. Mit Altin Lala (zu FC Bayern II) verabschiedete man quasi einen ‚Eingeborenen’, denn der Albaner, der in den letzten vier Jahren, auch verletzungsbedingt, nur sporadisch zum Einsatz kam, trug 14 Jahre lang das Trikot der ‚Roten’. An Stammkräften verlor Hannover nur den nach Wolfsburg abgewanderten Pogatetz und Stoppelkamp (1860 München).
Die Zahl der von außerhalb verpflichteten neuen Spieler hält sich in Grenzen. „Alle, die wir geholt haben, neben Huszti auch noch Felipe, Adrian Nikci und Hiroki Sakai, kommen für die erste Elf infrage“, setzte Mirko Slomka darauf, sofort über Alternativen zu verfügen. Das entpuppte sich jedoch als Wunschdenken. Der Brasilianer Felipe, von EL-Gegner Standard Lüttich lostgeeist und als Kandidat für die Innenverteidigung vorgesehen, tat sich schwerer als erwartet, Nikci erlitt einen Muskelfaserriss und auch mit Sakai - als Alternative zu Dauerbrenner Cherundolo in der Rechtsverteidigung vorgesehen - lief es nicht wie geplant, da der 22-Jährige angeschlagen in Hannover ankam. „Er ist mit einer schwereren Verletzung von Olympia zurückgekommen, als wir das erwartet hatten“, ärgerte sich Slomka, dass der Japaner nach einer bereits im ersten Spiel erlittenen Bänderverletzung auch danach noch bei Olympia eingesetzt wurde. Für zusätzliche Impulse in der Offensive, in der Hannover zunächst noch auf den verletzten Diouf verzichten muss (Comeback evt. Mitte bis Ende September), sollen Flügelspieler Nikci und Rückkehrer Szabolcs Huszti sorgen. Nach einem dreijährigen Intermezzo bei Zenit St. Petersburg kehrt Linksfuß Huszti in die niedersächsische Hauptstadt zurück. Slomka: „Seine Stärken kommen sicherlich im linken offensiven Mittelfeld am besten zur Geltung.“
Hannovers Stärken waren in der vergangenen Saison eindeutig auf eigenem Platz zu finden, wo die ‚Roten’ als einziges Bundesligateam ungeschlagen blieben. Knüpfen die 96er an diese Leistung an und verbessern ihre Bilanz auf fremden Plätzen, ist eine ihnen eine ähnlich gute Rolle wie in der vergangenen Saison zuzutrauen. Slomka hofft auf etwa 20 Auswärtszähler, was fast eine Verdoppelung gegenüber der letzten Ausbeute (11 Punkte) darstellen würde.
André Schulin
Andere erziehen ihre Kinder zweisprachig, ich beidfüßig.
— Christoph Daum