Traditionell haben es die Drittligaaufsteiger schwer, in der höheren Spielklasse Fuß zu fassen. Nicht anders dürfte es Sandhausen, Regensburg und Aalen ergehen, mit denen zu Beginn der letztjährigen Saison wohl kaum jemand so richtig gerechnet hatte. Die Neulinge werden sich mit einer großen Gruppe messen müssen, die im Hinblick auf das Aufstiegsrennen wohl nur für sporadische Überraschungen sorgen dürfte. Im Allgemeinen gilt jedoch: Wer nicht um den Aufstieg kämpft, spielt gegen den Abstieg.
Wie man als Aufsteiger eine souveräne Saison spielt und sich in der Liga etabliert, zeigten im vergangenen Jahr Dynamo Dresden und Eintracht Braunschweig. Auf Platz neun, bzw. acht beendeten die Klubs die Spielzeit und lagen damit weit vor den Erwartungen. In Dresden gab man erneut den Klassenerhalt als Ziel aus, um dieses zu erreichen, wurden gleich acht neue Spieler verpflichtet. In Vorbereitungsspielen schlugen die Sachsen West Ham United (3:0), außerdem erreichte man ein mehr als achtbares 0:0 gegen den englischen Meister, Manchester City. Die Abgänge von Leistungsträgern wie Dedic (Bochum), Eilhoff und Heller (Aachen) dürften also kompensiert sein. In Braunschweig dagegen hielt man sich auf dem Transfermarkt weitgehend zurück, es wird wieder auf die Eingespieltheit der bestehenden Mannschaft gesetzt. Bei den Neuzugängen machte jedoch neben jungen Perspektivspielern vor allem Kevin Kratz aus Aachen auf sich aufmerksam und drängt in die Startelf. Manager Arnold gibt als Ziel die Etablierung in der Liga aus, was der Eintracht durchaus gelingen sollte. Den Vorgängern nacheifern wollen nun die drei neuen Aufsteiger Jahn Regensburg, der VfR Aalen und der SV Sandhausen. Dabei muss vor allem Regensburg eine wahre Flut von Abgängen verkraften, ein knappes Dutzend verließ den Verein. Auffangen sollen dies vor allem die Neuzugänge Amachaibou (Unterhaching) und Kotzke (1860 München), dem Aufsteiger gelang es bislang jedoch nicht, weitere Verstärkungen nach Regensburg zu locken. „Andere Vereine sind einfach attraktiver als der Jahn. Das ist halt so, wenn man jahrelang in der 3. Liga dahindümpelt.“, so Sportchef Gerber. Zusammen mit dem neuen Trainer Corrachano soll dennoch der Klassenerhalt erreicht werden. Der SV Sandhausen dagegen lotste gleich acht neue Spieler in die Rhein-Neckar-Gegend. Spieler wie Fabio Morena (St. Pauli) und Timo Achenbach (Aachen) sollen in der neuen Spielzeit für Stabilität sorgen und dazu beitragen, dass man sich möglichst frühzeitig nicht um den Abstieg sorgen muss. Ordentlich zugeschlagen hat auch der VfR Aalen, der neun Neue verpflichtete. Während Reichwein (Erfurt) in der dritten Liga mit 17 Toren auf sich aufmerksam machte, deutete Zimmermann in Braunschweig seine Fähigkeiten lediglich an, will nun aber in Aalen seine Klasse unter Beweis stellen. Aus Freiburg kommt mit Oliver Barth ein sehr erfahrener Mann, der die VfR-Abwehr deutlich verstärkt. Bangen muss man in Aalen jedoch um Trainer Hasenhüttl, der am Hantavirus erkrankt ist und auf unbestimmte Zeit ausfällt.
Tradition hat in der 2. Bundesliga auch die Präsenz ehemaliger Bundesligisten. Mit dem VfL Bochum und dem MSV Duisburg sind die Plätze zwölf und 15 der ewigen Bundesligatabelle im Unterhaus vertreten, zudem hat auch Energie Cottbus immerhin fünf Spielzeiten in der höchsten Spielklasse vorzuweisen. Nach Rang elf in der abgelaufenen Saison gab es in Bochum reichlich personelle Bewegungen. Leistungsträger wie Ginczek (St.Pauli), Inui (E. Frankfurt), Vogt (Augsburg) und Kopplin (Union Berlin) verließen den VfL, um sich Klubs anzuschließen, die höherklassig oder zumindest nicht gegen den Abstieg spielen. Nun wird das Vertrauen in die Neuen gesetzt: Iashvili (Karlsruhe), Rzatkowski (Bielefeld), Dedic (Dresden) und Rothenbach (St. Pauli) sind erfahrene Akteure, die den Revierklub vor allem davon abhalten sollen, weiter nach unten abzurutschen. Besser als in der letzten Spielzeit will sich Duisburg präsentieren. Nach Platz zehn und dem dauerhaft bangen Blick nach unten im Spieljahr nach dem Erreichen des Pokalfinales 2011 wünscht sich Neu-Kapitän Bajic vor allem Stabilität: „Der Abstiegskampf und die Unruhe im Umfeld – so ein Katastrophen-Jahr brauche ich nicht noch mal. Ein Mittel-Ding wäre super.“ Hoffnungen setzen die „Zebras“ vor allem in Neuzugang Jovanovic, der vom Aufsteiger Düsseldorf kam und nun für die entscheidenden Tore sorgen soll. Der Königstransfer in Cottbus war die Verpflichtung von Boubacar Sanogo (St.Etienne). Der ehemalige Werderaner hat zwar lange keine guten Schlagzeilen gemacht, seine fußballerischen Fähigkeiten sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Zusammen mit Stiepermann (Aachen) soll er die Lücke stopfen, die Rangelov (FC Luzern) und Bittencourt (Dortmund) hinterlassen haben. Beim Erreichen des Saisonziels, ein einstelliger Tabellenplatz, sollen auch Guillaume Rippert und Nicolas Farina helfen, die beide vom französischen Erstligisten FC Évian Thonon Gaillard kommen. Für einige Zweitligatrainer ist der FC Ingolstadt größter Favorit auf eine Überraschung, wenn es um die Vergabe der Aufstiegsplätze geht. Neu-Ingolstädter Christian Eigler (kommt aus Nürnberg) sieht das zwar noch etwas anders („Sich richtig in der 2. Liga zu etablieren, ist das Ziel für diese und die nächste Saison. Wenn wir das geschafft haben, kann man in den Jahren darauf weiter nach oben schauen.“), doch die Konkurrenz sieht, dass die Schanzer viel investiert haben. Neben Eigler weisen auch die Neuverpflichtungen Korkmaz (E.Frankfurt), Mijatovic (Hertha) und da Costa (Leverkusen) Bundesligaerfahrung auf, wenn sich die Elf von Trainer Oral als Team findet, ist also einiges möglich für Ingolstadt. Nur knapp erreichte der FSV Frankfurt in der vergangenen Spielzeit den Klassenerhalt, gerade einmal zwei Punkte trennten die Möhlmann-Elf vom Relegationsplatz. „Ich will jetzt nicht sagen, dass wir um die Aufstiegsplätze mitspielen wollen, aber einen Platz im gesicherten Mittelfeld sollten wir schon anstreben. Eine ruhige Saison würde uns guttun.“, so der neue, alte Kapitän Schlicke. Ersetzen muss der FSV seine zwei Top-Torjäger Micanski (9 Saisontore, nach Kaiserslautern) und Chrisantus (8, as Palmas), schaffen sollen das Kapllani (Augsburg) und Leckie (Mönchengladbach), die beide Bundesligaerfahrung vorzuweisen haben. Für die nötige Sicherheit im defensiven Mittefeld soll Moise Bambara sorgen, der vom Ligakonkurrenten Ingolstadt nach Frankfurt kommt. Punktgleich mit dem FSV beendete der FC Erzgebirge Aue die vergangene Saison. Nun wird ein gesicherter Mittelfeldplatz angestrebt. Erster Schritt zur Konsolidierung des gesamten Klubs sind die neuen Sponsoren Burdenski Sportswear & Nike (Exklusiv-Ausrüster) sowie die Wernesgrüner Brauerei (Unterstützung durch einen sechsstelligen Betrag). Auch auf sportlicher Ebene hat sich etwas getan, so wurden mit Gercaliu (LKS Lodz), Munteanu (Concordia Chiajna) und Nickenig (vereinslos) auf der einen Seite erfahrene Spieler verpflichtet. Auf der anderen Seite stoßen Miatke (Jena) und Sylvestr (Dinamo Zagreb) zum FCE, beide sind junge Spieler mit viel Potenzial.
Ein Spiel ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter pfeift und ich nicht mehr brülle.
— Steffen Baumgart, Trainer des 1. FC Köln, liefert den Fußballspruch des Jahres 2021.