In der Bundesliga zeichnen sich die neuen Teams, dadurch auch deren Perspektiven, immer genauer ab. Nachfolgend eine erste kurze Bestandsaufnahme der verschiedenen Aussichten für die einzelnen Mannschaften 2013/2014. Teil eins von drei.
Eintracht Braunschweig: Ligaerhalt wird schwer
Ob die lang ersehnte Rückkehr der "Löwen" nur ein einjähriges Intermezzo wird, dürfte die vorrangige Frage im Eintracht-Umfeld sein. Die bisherigen Zugänge kommen eher aus der 2. Reihe der BL oder aus der 2. Liga, dafür wurden allerdings vorwiegend Bankdrücker abgeben. Personell also leicht verstärkt wird es dennoch ganz schwer für das Lieberknecht-Team, das allerdings im Kern gut eingespielt ist und defensiv seine Stärken hat. Da der Liga-Rest allerdings richtig gut aufgerüstet hat, ist im Moment nicht absehbar, welcher Gegner schwächer aufgestellt wäre. Der Ligaerhalt wäre aus heutiger Sicht eine Überraschung.
Hertha BSC: Das Tabellenmittelfeld ist machbar
Der Zweitligameister kehrte nach einem Jahr BL-Ausgang umgehend zurück und ist wesentlich besser aufgestellt, als im letzten Oberhausjahr. Alle wichtigen Kräfte konnten gehalten werden, mit Baumjohann, Hosogai und van den Bergh wurden gezielt Verstärkungen gewählt, die sich zwar nur punktuell in der Bundesliga bewährt haben, aber Solidität mitbringen. Eine große Überraschung ist von den Hauptstädtern nicht zu erwarten, doch zum Bundesligamittelmaß könnte es reichen. Sollte sich Ronny seine überragende Zweitligapräsenz bewahren, vor allem bei seinen unwiderstehlichen Standards, wäre dieser Anspruch umsetzbar. Wenn nicht, kann es auch eng werden, denn ansonsten fehlt es an herausragenden Spielern.
1899 Hoffenheim: Alles möglich
Keine Frage, dem Endspurt zum Klassenerhalt muss man Respekt abgewinnen. Das Team war vor der Übergabe an Trainer Gisdol klinisch tot. Doch der Übungsleiter formte in den letzten Spielen der Vorsaison einen Haufen Individualisten um in eine scheinbar verschworene Einheit. In der Form der letzten Saisonpartien plus souveräner Relegation zeigte die TSG Leistungen, die eher in Richtung oberes Tabellendrittel als unteres zeigten. Die Neuverpflichtungen können, müssen aber nicht einschlagen. Wenn doch, geht die Tendenz richtig nach oben. Mit dem Abstieg dürfte 1899 diesmal nichts zu tun haben. Dennoch: Eine Wundertüte.
FC Augsburg: Kein Verlass auf die Rückrunde
Erneut rettete der SVA die Liga aufgrund einer starken Rückrunde. Sollte diesmal vor der Winterpause allerdings ein ähnlich mageres Punktepolster auf der Habenseite stehen, wäre die dritte Erstligasaison wohl die vorerst letzte. Mit Ji und Koo gingen zudem starke Individualisten, doch mit den jungen Zugängen könnte das Auffangen gelingen. Von Altintop werden keine Wunderdinge zu erwarten sein - oder vielleicht doch ein 2. Frühling? Es wird letztlich wohl erneut nur um den Klassenerhalt gehen.
Werder Bremen: Noch schwerer als in der Vorsaison
Die große Hoffnung bei den Bremern liegt wohl letztlich beim neuen Trainer Robin Dutt. Wenn es dem besonders intelligenten Coach gelingen sollte, die alten Stärken der einzelnen Spieler zu erwecken, kann ein Platz im einstelligen Bereich möglich sein. Doch tatsächlich mangelt es dem Kader nach den elementaren Abgängen von de Bruyne und Sokratis an Klasse. Mit Makiadi wurde zwar eine Art Stabilisator verpflichtet, der so im Zentrum zuletzt nicht vorhanden war, doch die Defensive und Offensive zeigte im Frühjahr zu selten BL-Format. Völlig offen ist, ob der Italiener Caldirola hinten schnell das Manko in der Innenverteidigung vergessen lässt, und welcher noch zu erwartenden neue Stürmer dem zuletzt untergegangen Petersen Beine macht oder ihn ergänzt und neu inspiriert. Werder sollte sich zuerst auf den Ligaerhalt konzentrieren. Jeder bessere Platz im Mittelfeld wäre bereits ein Verdienst von Trainer Dutt.
1. FSV Mainz 05: Noch eine Wundertüte
Szalai, Ivanschitz und Kirchhoff sind weg. Doch mit Ujah, Polter und Okazaki sind aktuell drei aufsteigende Angreifer neu oder wieder dabei. Trainer Tuchel darf absolut zugetraut werden, dass er wieder die richtige Mischung zwischen jung und alt sowie Rotation und Stammplatzgarantie findet. Der FSV wird bestimmt in dieser Saison ein ganz unbequemer Gegner bleiben, der überraschende Punkte sammeln kann, aber auch beim Schlusslicht zu unterliegen versteht. Der Kader bewies in der letzten Spielzeit Stabilität, verlor erst in der Schlussphase an Kraft und Inspiration. Diesem Phänomen wird der kluge Coach diesmal wohl rechtzeitiger seine Aufmerksamkeit widmen. Ein Mittelfeldplatz mit leichtem Hang nach unten dürfte allemal wieder drin sein. Blickrichtung Europa klappt nur, wenn diesmal die ganze Saison funktioniert.
Wir waren nach vorne hin nicht präsent, das war in der Form nicht geplant.
— rainer Niko Kovac zur ersten Halbzeit von Eintracht Frankfurt beim 1:2 auswärts gegen RB Leipzig.