Vorschau Teil 1

von Günther Jakobsen16:28 Uhr | 29.07.2015

In der Kurzbelichtung: Die Aufsteiger Darmstadt 98 (die den Zweitliga-Durchmarsch schafften) und Erstliga-Debütant FC Ingolstadt, sowie Relegations-Routinier Hamburger SV.

In der 2. Liga überzeugte der FC Ingolstadt 04 mit Torhunger und Zweikampfstärke: 53 Treffer (wie der VfL Bochum) ragten heraus. Das war allemal ausreichend, um die "Schanzer" verdient, aber doch ein wenig überraschend, zur Meisterschaft zu führen, was gleichbedeutend mit dem ersten Bundesligaaufstieg war. Der erst 2004 nach einer Fusion der Fußballsparten von MTV Ingolstadt und ESV Ingolstadt formierte Verein profitiert von der Rückendeckung des Hauptsponsors Audi. Die Unterstützung seitens der Fans könnte durchaus ausgeprägter sein - nur drei Mal war die 15.000 Zuschauer fassende Arena im Aufstiegsjahr ausverkauft. "Wenn wir es schaffen, in der Bundesliga zu bleiben, und davon gehe ich aus, werden wir uns auf Sicht auch in Sachen Stadion vergrößern müssen", ist Trainer Ralph Hasenhüttl Optimist. Seine offensive Ausrichtung will der Österreicher beibehalten: "Ich glaube nicht, dass wir zum Prügelknaben oder Punktelieferanten werden." Ungewöhnliches kündigt er für die Torhüterposition an: "Es wird nicht nur einer spielen. Der Konkurrenzkampf soll sie das ganze Jahr tragen", plant Hasenhüttl, abwechselnd die bisherige Nr. 1 Ramazan Özcan und Neuzugang Orjan Nyland einzusetzen. Im Wesentlichen wurde der Kader nicht geändert. Neben Nyland wurden bislang nur der Stürmer Kachunga sowie die Abwehrspieler Bregerie und Suttner neu verpflichtet; die Stammspieler der vergangenen Saison blieben.

Der SV Darmstadt 98, zuvor in den Saisons 1978/79 und 1981/82 erstklassig, steigt mit der Empfehlung auf, gemeinsam mit dem Karlsruher SC die beste Abwehr der 2. Liga gestellt zu haben (je 26 Gegentreffer). Auch in ihrer Offensivwirkung punkteten die Darmstädter Verteidiger: 15 Treffer von Abwehrspielern ist Liga-Bestwert. In diesem Bereich jedoch offenbarte sich zur neuen Saison Handlungsbedarf, da die Verteidiger Bregerie (6 Treffer) und Balogun (4) sowie der defensive Mittelfeldakteur Behrens (5) den Verein verlassen. Die "Lilien" versuchen, diese Lücken mit ziemlich geballter Bundesligaerfahrung zu schließen: Die Ex-96er Konstantin Rausch und Jan Rosenthal feiern ein Wiedersehen, außerdem unterschrieben mit Caldirola (Werder), Vrancic (FSV Mainz) und Holland (Hertha BSC) weitere Spieler mit Erstliga-Vergangenheit.
Dirk Schuster, jüngst als einziger Zweitligatrainer unter die besten zehn Coaches in Deutschland gewählt (Rang 4), weiß, wie die "Lilien" zum Erfolg kamen: "Bereitschaft, Willensstärke, Kampfkraft ...", führt er als erste Tugenden auf. So will er es auch in der Bundesliga halten. "Wir brauchen nicht damit anzufangen zu versuchen, mit diesen Mannschaften Fußball zu spielen. Dann würde es bitter für uns werden."

Zum zweiten Mal in Folge konnte sich der Hamburger SV nur über die Relegation in der Bundesliga halten. Bruno Labbadia schaffte es auf den letzten Drücker, der Mannschaft entscheidende Impulse einzuhauchen. Zu den wenigen Gewinnern in dieser Situation gehörten Adler, Kacar und der Chilene Diaz - ein größerer Schnitt im Kader war somit zu erwarten. Bis dato verließen zehn Akteure den Klub, darunter Marcell Jansen, der im Alter von 29 Jahren überraschend gar sein Karriereende verkündete. Weitere Abgänge könnten folgen. Auch auf der Zugangsseite ist noch Bewegung zu erwarten. Die wichtigsten Neuzugänge für die Abwehr sind bislang Sakai und Spahic. Für Mittelfeld und Sturm verpflichtete man interessante Spieler wie Ekdal und Gregoritsch, die jedoch noch ohne Bundesligaerfahrung sind. Die bringt immerhin Schipplock mit, der bei 1899 Hoffenheim zumeist als Joker auftrat. Kein Wunder, dass Labbadia sich selbst nach dem 4:1-Erfolg im Testspiel gegen den dänischen Topklub Aalborg BK noch nicht entspannt zurücklehnte: "Ich hätte gerne eine längere Vorbereitung. Wir haben bei einigen Spielern noch Nachholbedarf."



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