Vorschau Teil 2

von Günther Jakobsen16:31 Uhr | 06.07.2013

Das mittlere Drittel der Bundesligateams hat teilweise tief in die Schatulle gegriffen. Fast alle wollen an die europäische Töpfe, vom Nürnberger Club vielleicht einmal abgesehen. Einige bekannte Gesichter werden wir in neuen Trikotfarben wiederfinden, neue Protagonisten folgten dem guten Ruf der Liga, könnten für Furore sorgen. Das Mittelfeld des Oberhauses dürfte 2013/2014 weniger "grau" daherkommen.

VfB Stuttgart: Aufgerüstet mit Blick nach oben
Im Schwabenland war trotz der sehr mittelprächtigen BL-Saison durch die Pokalfinal-Teilnahme immerhin etwas Zufriedenheit angesagt. Der Blick wurde nunmehr nach vorn gerichtet, in allen Mannschaftsteilen über das Normalmaß hinaus investiert, Spieler aus der zweiten Reihe wurden verabschiedet. Trainer Bruno Labbadia kann aktuell aus einem aufgebrezelten Kader mit mehr Qualität schöpfen und mit gestandenen oder talentierten, jungen Kickern neue, eher höhere Ziele anpeilen. Dass diese Blicke eher in Richtung Europa eingestellt sind, drängt sich auf, doch ob die Integration funktionieren wird, ist noch keine gemachte Sache. Zumindest sind die Erwartungen größer als in der letzten Spielzeit. Der VFB 2013 ist ein ganz schwer einzuschätzendes Team, das bei einem Fehlstart aber auch wieder abrutschen könnte, zum Ende der Saison mit der Gefahrenzone jedoch kaum in Kontakt treten dürfte.

VfL Wolfsburg: Umstrukturierungsprogramm mit guter Aussicht
Die Nach-Magath-Ära begann in der letzten Saison zwar noch nicht in Gänze nach Wunsch, aber das neue Gespann Hecking/Allofs hat Geduld. Zielstrebig wurde der überbordende Kader ausgesiebt und an prägnanten Stellen verstärkt. Bereits in der Schlussphase 12/13 stabilisierten sich die Ergebnisse, auch die Spielkultur entwickelte sich positiv. Hecking hatte die Rotation gewaltig reduziert. Dieser Weg, weg von den Magath-Aufstellungslaunen, wird sich in der neuen Saison fortsetzen. Die Kader-Mischung erscheint durchdachter, das obere Drittel als mittelfristiges Ziel realistisch. Ein Abrutschen ist aktuell weniger denkbar. Der VfL könnte in der kommenden Saison positiv überraschen.

1. FC Nürnberg: Zweistelliger Rang realistisch
Die Vorsaison lief im Frankenland überraschend gut, führte ans machbare Limit. Frühzeitig wurde die Liga gesichert, entscheidende Spiele gemeistert. Während andere Teams aus dem Tabellenumfeld jedoch aktuell teils massiv aufrüsteten, kann in Nürnberg nur partiell am Kader verändert werden, von Zugängen etwaiger "Hochkaräter" muss man an der Noris, noch, ganz schweigen. Zwangsläufig muss man den Club auch einmal mehr zum erweiterten Kreis der Abstiegskandidaten zählen, aber das kennt man vor Ort. Als notorisch unterschätzte Truppe hat man in diesem Verein leben gelernt, speziell deshalb aber auch für Überraschungen sorgen können. Zwischen Platz zehn und 18 ist auch diesmal alles drin - darüber wohl kaum.

Hannover 96: Wieder im Niemandsland der Tabelle?
Zuletzt zeigte die sportliche Leistungskraft in der niedersächsischen Hauptstadt eher nach unten. Verletzungspech, Überbelastungen, Funktionärskrach und Formkrisen wichtiger Stammspieler ließen Zweifel am aktuellen Zustand aufkommen. Nun wurde ein kleiner Schnitt unternommen. Einige Altgediente, aber auch Stammkräfte gingen, Hoffnungsträger stießen jedoch hinzu. Mirko Slomka bieten sich neue Perspektiven, Langzeitverletzte wie Huszti und Andreasen könnten wieder mitwirken, die Planungen sind zudem noch in Bewegung. Mit einem gefährlichen Absacken ist nicht wirklich zu rechnen, doch die alte Frische des Konterfußballs sollte sich wieder öfter offenbaren. Dann könnte Europa wieder ins Visier genommen werden. Realistischer erscheint momentan eher ein mittelfristiges Verweilen in den Untiefen des Mittelfeldes der Liga.

Borussia Mönchengladbach: Richtig gut verstärkt
Kruse, Raffael, Kramer und vielleicht Szenes. Gladbach hatte allem Anschein ein "gutes Händchen" bei der Wahl seiner Neuzugänge. Auf der anderen Seite ging mit Hanke nur einer der profilierten Kicker der letzten Jahre. Allein mit Max Kruse, einem der stärksten Spieler der letzten Bundesliga-Saison, dürfte die Offensive der Fohlen an Unberechenbarkeit hinzu gewonnen haben. Der Stamm blieb erhalten, er ist eingespielt. Der Kader hat Talente im Portfolio, die sich punktuell bereits mehr als nur bewährten. Mit Raffael kommt zudem ein Stratege ins Team, der gar Spiele entscheiden kann, allerdings auch immer mal wieder gern "unsichtbar" bleibt. Trainer Favre ist es mit diesem Team aber zuzutrauen, bis unter die ersten sechs der Liga vorzustoßen. Einzig größeres Verletzungspech könnte dem zuwider laufen, da die zweite Reihe längst noch nicht die Qualität zu haben scheint.

Hamburger SV: Die Tendenz muss gedreht werden
Die Leistungen in der Spätphase 12/13 sprechen nicht für einen Aufschwung in Hamburg. Nur selten wusste das Team zuletzt zu überzeugen - und nun wurde auch noch Torgarant Son abgegeben. Ob das große Talent Calhanoglu bereits einschlagen wird ist offen. Ob van der Vaart noch einmal zulegt ebenso. Dazu kommen jedoch mit Zoua und wahrscheinlich Djourou zwei weitere Verstärkungen, die den Unterschied zur letzten Spielzeit zusätzlich ausmachen könnten. Allerdings überwiegen vor dem Start noch die Fragezeichen, denn lethargische Auftritte ließen Zweifel aufkommen. Trainer Fink beschwört bereits die Leistungsträger, dass sie kräftig zuzulegen haben. In Hamburg kann man an die europäischen Töpfe heranrücken, wenn sein Ruf gehört wird. Wenn nicht, kann es auch richtig heftig abwärts gehen.



Wir können jetzt in die Osterferien gehen. Ich hab gerade der Mannschaft gesagt: Ich kann se morgen net sehe!

— Klaus Schlappner nach dem Südwest-Derby Mannheim gegen Lautern.