In Stuttgart setzt man auf Schnelligkeit, in Berlin soll der DFB-Pokal eine höhere Gewichtung bekommen und in Hannover steht Distanz zur Abstiegszone oben auf der Agenda.
Mit der Berufung Pal Dardais im Februar 2015 zum Chefcoach der Bundesligamannschaft rettete sich Hertha BSC in der vergangenen Saison vor dem Abstieg. Der Ungar, bis dahin Coach im Nachwuchsbereich der Berliner, fand die richtige Ansprache: Unter seiner Regie legte eine Serie von sieben Spielen ohne Niederlage den Grundstein zum Klassenerhalt. Seinerzeit leitete Dardai zudem parallel Ungarns Nationalteam; im Juli gab er dieses Amt ab, um sich voll auf die Hertha zu konzentrieren. Dardais Zielsetzung für die anstehende Spielzeit klingt realistisch: „Wenn es so kommt, wie ich es erahne, holen wir zehn Punkte mehr als letztes Jahr, aber wenn zwei, drei Spieler ausfallen, wird es wieder knapp.“ Mit der Verpflichtung von Weiser und Darida verspricht man sich in Berlin eine Steigerung im Offensivbereich, was dringend nötig wäre. Allerdings verletzte sich Weiser in der Vorbereitung (Innenbandzerrung), was die Einsatzmöglichkeit zum Saisonstart in Frage stellt. Zahlreiche Verletzungen hatten Herthas Optionen bereits im letzten Jahr eingeschränkt.
Als einen Gewinner der Vorbereitung bezeichnet Dardai den 18-jährigen Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt, der aber wohl erst dann eine Chance bekäme, sollte Nico Schulz seinen Vertrag nicht verlängern. Dardai verfolgt neben einem erfolgreichen Bestehen in der Liga noch ein anderes Ziel: "Ich möchte Finalist in Berlin sein. Es ärgert mich, dass ich jedes Jahr mit meiner Familie nur als Zuschauer zum DFB-Pokal-Endspiel rüber ins Stadion spaziere."
Es kam so, wie es trotz heftiger Dementi die Spatzen im Saisonausklang von den Dächern zwitscherten: Alexander Zorniger beerbte VfB-"Retter" Huub Stevens, um 2015/16 neu durchzustarten. Mit der Ankunft des Ex-RB Leipzig-Coaches setzte eine ordentliche personelle Umwälzung beim VfB ein, allerdings zog man einen Großteil der bislang 12 Neuzugänge aus eigenen unteren Mannschaften hoch. Zwölf Akteure verließen den Verein, darunter auch Torwart Sven Ulreich, der sich in Stuttgart nicht optimal unterstützt fühlte. Die neue Nr. 1 der Schwaben ist Neuzugang Mitchell Langerak.
Die Stuttgarter erwarben das Prädikat, laufstärkster Bundesligist der letzten Saison zu sein. Das betrifft nicht nur die absolvierte Kilometerleistung pro Spiel, sondern auch das Tempo, was Zorniger sehr entgegen kommt: „Wir wollen mit Geschwindigkeit arbeiten", stimmt er die Schwaben darauf ein, künftig mit und gegen den Ball - bei eigenen Vorstößen bezugt durch die Mitte spielend - das läuferisch hohe Niveau noch zu steigern. "Der Unterschied in der Balleroberung liegt bei uns im Tempo, das wir anschlagen wollen. Das ist in der Regel ein Sprint. Können wir den Sprint nicht anziehen, bleiben wir kompakt. Und warten auf die nächste Situation. Das kostet natürlich viel Energie. Der Spieler, der diese Energie nicht aufbringt, hat auf Dauer keine Chance, zu spielen." Im Härtetest gegen Manchester City (4:2) funktionierte der Hochgeschwindigkeitsfußball der Schwaben, vor allem in Halbzeit eins, bestens.
Hannover 96 schmierte in der Spielzeit 2014/15 nach starkem Beginn kräftig ab. Das kostete Tayfun Korkut - nach 16 sieglosen Spielen am Stück - den Job und stürzte die Niedersachsen in höchste Abstiegsgefahr. Michael Frontzeck kam und musste lediglich im ersten Spiel eine Pleite einstecken. Aus den restlichen vier Partien generierte er acht Punkte und avancierte von der angedachten Interimslösung zum Hoffnungsträger, ausgestattet mit einem Vertrag bis 2017. Ähnlich dem letzten Jahr krempeln die 96er die Mannschaft zum Saisonstart ordentlich um. Frühere Größen wie Schlaudraff, Pander, Rückkehrer Ya Konan und vor allem Mannschaftskapitän Lars Stindl, dessen Abgang (zu Gladbach) schwer kompensierbar erscheint, gingen. Sportlich sicher auch ein Verlust ist der Transfer von Briand zurück nach Frankreich. Auf der Haben-Seite kann Hannover den Zugang der Ex-Freiburger Sorg und Klaus als Sofort-Verstärkung verbuchen. Die Entwicklung anderer Neuverpflichtungen dürfen gespannt verfolgt werden. Mittelstürmer Erdinc (28 Jahre) ist vielfacher türkischer Nationalspieler und hat in Frankreich Erfolge gefeiert. Den neuen Offensivkräften Bech (22) und Saint-Maximin (18, ausgeliehen) sollte noch Anpassungs-Spielraum gewährt werden, ebenso, wie den Eigengewächen Anton und Bähre. Auf großspurige Ankündigungen in Richtung Europa-Cup verzichtet Frontzeck: "Die Ziele müssen sein, nicht mehr in diese Situation zu geraten und Stabilität in die Mannschaft zu bekommen", will er als oberste Maxime jedwede Abstiegsgefahr bannen.
Wenn ich spiele, wenn ich Tore schieße, dann sind das überirdische Verhältnisse.
— Jürgen Wegmann nach einem BVB-Sieg beim FC Bayern