Köln verbesserte seine Fähigkeiten, ein Spiel zu gestalten, Mainz sieht sich personell gut aufgestellt, seinen Volldampf-Fußball zu spielen und Werder Bremen blickt auf eine optimale Vorbereitung zurück.
Saisonziel erreicht: Der 1. FC Köln handelte sich im vergangenen Spieljahr für seine Auftritte vor eigenem Publikum zwar ein gewisses Maß an Kritik ein, brachte von den Gastspielen jedoch genügend Punkte mit, um als Aufsteiger, ohne ernsthaft in Abstiegsgefahr zu geraten, die Klasse zu halten. Die Eindrücke der letzten Vorbereitungsspiele lassen den Schluss zu, dass Peter Stöger erfolgreich daran feilte, den "Geißböcken" einen Zugewinn an Spielgestaltung beizubringen. Daran mag auch der Systemwechsel zu einem 4-1-4-1 (weg vom Doppel-Sechser) beigetragen haben, mit dem man beim Colonia-Cup gegen Stoke City und den FC Valencia gewann.
"Der Klassenerhalt ist auch kommende Saison unser erklärtes Ziel", hält Stöger den Ball flach, will aber von einem anderen Standard-Statement nichts wissen: "Ich glaub ganz einfach nicht, dass es schwerer wie im ersten Jahr wird. Normal sagt man, der Aufsteiger lebt im ersten Jahr von der Euphorie. Der Faktor Euphorie greift bei uns nicht, weil die in Köln immer da ist."
Patrick Helmes beendete notgedrungen seine Karriere (Knorpelschaden an der Hüfte); da der Stürmer jedoch bereits in der letzten Saison nicht zur Verfügung stand, wiegt der Verlust von Ujah (zu Werder) weitaus schwerer. Auch der Abgang von Innenverteidiger Wimmer (Tottenham Hotspur) reißt eine größere Lücke. Sechs Neue (Modeste, Jojic, Hosiner, Bittencourt, Sörensen, Heintz), neben den zurückkehrenden Leihspielern, wurden verpflichtet. Dass diese in den Tests allesamt gut einschlugen, freut Stöger. "Man kann das nicht eins zu eins umlegen auf die Meisterschaft, aber es ist uns schon lieber, dass wir positive Dinge sehen, als dass wir permanent Probleme hätten."
Der FSV Mainz hat eine sehr durchwachsene Saison hinter, und eine ziemlich ungewisse vor sich. Acht Spielen ohne Niederlage folgten neun ohne Sieg - eine kuriose Serienfolge, die den 05ern letztendlich das Prädikat ´Mittelmaß´ aufdrückte. Im Februar 2015 übernahm Martin Schmidt den Trainerstab von Kasper Hjulmand, mit dem Versprechen, das Team zu einer dynamischeren Spielweise zurückzuführen. Tatsächlich konnte der Abschwung gestoppt werden, aber nun gilt es, sich neu aufzustellen. Dass noch nicht alles passt, bewies die letzte 1:2-Testspielniederlage beim englischen Zweitligisten Rotherham United.
"Ich werde nicht alles umstellen, wegen Johannes und Shinji", nennt Schmidt aus dem Kreis der Abgänger jene zwei Spieler beim Namen, die in der letzten Spielzeit wesentliche Fixpunkte darstellten: Nachwuchsstar Johannes Geis (zu Schalke) und Shinji Okazaki (Leicester), der mit Abstand beste Torjäger der Mainzer (12 Treffer). Laut Manager Christian Heidel ("Ich kann mich nicht erinnern, dass die Transferzeit schon mal so intensiv war") ist der FSV jedoch bereit, die neue Saison erfolgreich anzugehen. Frei, Muto, Niederlechner, Halimi, sowie die ablösefreien Beister, Latza, Balogun und Sereno sollen den Powerfußball der 05er mittragen.
Eine Rückkehr zu altvertrauter, grünweißer Identität verbinden in Bremen viele mit der Inthronisierung Viktor Skripniks, der den glücklosen Robin Dutt Ende Oktober 2014 ablöste und sofort Erfolg hatte, als Werder bereits hart auf dem Boden der Tabelle aufgeschlagen war. Eine bemerkenswerte Serie gleich zu Beginn der Rückrunde (13 von 15 möglichen Punkten) katapultierte die Bremer aus der Gefahrenzone und eröffnete sogar Optionen auf die Europa League, was sich allerdings zerschlug.
Zerschlagen wurde auch die Hoffnung, in der kommenden Saison das vielversprechende Stürmerduo Di Santo und Neuzugang Ujah gemeinsam auf den Platz zu bringen: Der Argentinier wechselte kurzfristig zu Schalke, was nach dem bereits länger feststehenden Verlust von Nachwuchshoffnung Selke (zu RB Leipzig) für weiteren Handlungsbedarf in der Offensive sorgte. Derzeit spricht vieles dafür, dass der US-amerikanische Nationalstürmer Johannsson an die Weser wechselt. Petersen gab man an Freiburg ab, Innenverteidiger Prödl wechselte nach England (FC Watford). Feste Zugänge von außerhalb sind neben Ujah lediglich Torwart Wiedwald und Außenverteidiger Ulisses Garcia. Der gute Kontakt Skripniks zum Werder-Nachwuchs führte jedoch etliche Akteure aus den eigenen Reihen an die Bundesliga-Elf heran - was, nimmt man die überaus erfolgreichen Vorbereitungsspiele (zehn Siege, ein Remis) zum Maßstab, gut funktioniert. "Wir wollen unbedingt erfolgreich in die Saison starten", gibt Skripnik keine Saisonprognose ab, legt sich nur auf das Naheliegende fest.
Wenn ich spiele, wenn ich Tore schieße, dann sind das überirdische Verhältnisse.
— Jürgen Wegmann nach einem BVB-Sieg beim FC Bayern