Frankfurts Umbruch bezieht sich lediglich auf die komplette Neuaufstellung im Tor. Hoffenheim hingegen wechselte den Kader in großem Umfang. Dortmund blieb personell fast unverändert, will unter dem neuen Trainer jedoch taktisch anders auftreten.
Unter Thomas Schaaf pendelte die Frankfurter Eintracht in der Saison 2014/15 zwischen den Positionen 5 bis 12 - der hohe Treffer-Umsatz (56 Tore/62 Gegentore) machte viele Spiele der Hessen zum Spektakel; Alex Meier wurde Torschützenkönig (19 Treffer). Schaaf und Teile der Eintracht funkten indes nicht auf derselben Frequenz, weshalb der Coach am Saisonende die Brocken hinwarf. Schaafs Vorgänger wurde zum Nachfolger: Armin Veh kehrte nach kurzem Gastspiel beim VfB zurück an den Main. "Wir haben keine andere Ausgangsposition als es im letzten Jahr der Fall war, nämlich nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Ich bin nicht so dumm und sage, dass wir in die Europa League kommen. Es wird aber wichtig sein, träumen zu dürfen, weil es möglich ist, Höheres zu erreichen", umschreibt Veh seine Zielsetzung.
Den krassesten personellen Umbruch im Kader vollzog Frankfurt auf der Torhüterposition: Mit Trapp (Paris St. Germain), Wiedwald (Werder) und Hildebrand (vereinslos) verließen alle Keeper den Verein, die in der Liga eingesetzt wurden. Um die neue Nr. 1-Position streiten die Neuzugänge Hradecky (Bröndby IF) und Lindner (Austria Wien). Zur Stärkung der Defensive holte man die Bundesliga-erprobten Reinartz (Bayer) und Abraham (TSG Hoffenheim), als Mittelstürmer-Alternative stieß Castaignos (Twente Enschede) neu zu den Hessen. Neben den Torhütern sind im Stammspieler-Bereich noch am ehesten die Abgänge von Madlung und Piazon anzumerken.
1899 Hoffenheim, in den ersten neun Spielen der abgelaufenen Saison ohne Niederlage, rangierte lediglich acht Spieltage unterhalb des 7. Platzes, der die Chance zur EL-Teilnahme bot. Dass am Ende nur Platz 8 stand, enttäuschte vor allem Trainer Markus Gisdol: "Es stört mich brutal, dass die Entwicklung in der Rückrunde nicht so schnell weiter gegangen ist, wie ich mir das gewünscht habe." Gisdol räumte eigene Fehler ein, kritisierte aber auch Spieler: "Für die ein oder andere Position wurden uns die Augen geöffnet. Wir müssen das Ein oder Andere aufbrechen und neue Strukturen finden."
Den Worten folgten enorme Transfertätigkeiten, in beide Richtungen. Lange für die TSG aktive Spieler wie Beck, Salihovic und vor allem Ballartist Firmino, für den Liverpool 41 Mio. Euro zahlte, gingen. Die Stürmer Modeste und Schipplock wurden ebenfalls abgegeben, sowie Abwehrspieler Abraham. Bei den Neuverpflichtungen setzt man überwiegend auf junge Spieler, der Ex-Freiburger Außenbahnakteur Schmid ist mit 25 Jahren bereits ein Routinier. Die größte Überraschung landete die TSG jedoch mit der Rückholaktion eines Oldies: Kevin Kuranyi (33) kehrt nach seinem russischen Abenteuer (Dinamo Moskau) zurück in die Bundesliga.
Der Start der Hoffenheimer in die neue Spielzeit verunglückte: Beim Zweitligisten 1860 München unterlag man im DFB-Pokal mit 0:2.
Borussia Dortmund ohne Jürgen Klopp: Der Abschied des Erfolgscoaches, nach einer unerwartet kritischen Saison, spülte in der Person Thomas Tuchels einen weiteren Ex-Mainzer auf den Trainerstuhl der Schwarzgelben. Eine neue Spielphilosophie, auf mehr Ballbesitz angelegt, erwartet den BVB, der, anders als in den Jahren zuvor, keine schwerwiegende Kaderschwächung durch Abwerbung hinnehmen muss. Urgestein Sebastian Kehl ging in Rente, Teilzeitkeeper Langerak wechselte zum VfB und Missverständnis Immobile zum FC Sevilla. Neuzugang Bürki wird auf Sicht Weidenfeller im Tor beerben; weitere echte Zugänge sind nur Castro und Weigl.
Es spricht vieles dafür, dass der BVB, der unter Klopp noch in der Rückserie einen Aufschwung hinlegte, wieder in die Liga-Spitze zurückkehrt. Das erste Ziel wurde jedenfalls souverän erreicht: Mit dem Erfolg gegen Wolfsberg strebt Dortmund dem EL-Einzug entgegen. Auch den glanzlosen 2:0-Sieg im Pokal beim Chemnitzer FC können die Schwarzgelben auf der Haben-Seite verbuchen.
So einen Mann muss ich lieben. Ich will das mal mit der Oper vergleichen. Manni war bis zuletzt ein großartiger Sänger. Etwas älter zwar, aber noch immer mit einer sehr guten Stimme.
— Werder-Trainer und Klassik-Experte Otto Rehhagel zum Karriere-Ende von Manfred ,,Manni" Burgsmüller.