Etwas überraschend zählt Schalke nach Abschluss der Hinrunde zum Spitzentrio. Allerdings läuft im Titelrennen alles auf einen Zweikampf zwischen Rekordmeister Bayern München und Titelverteidiger Borussia Dortmund hinaus.
Platz 3: FC Schalke 04
Der FC Schalke 04 war der „Preis-Leistungs-Meister“ der vergangenen Halbserie. Obwohl die Königsblauen gerade einmal knapp sieben Millionen für Neuzugänge ausgaben, beendeten sie die Hinrunde auf Platz drei mit nur drei Punkten Rückstand auf Herbstmeister Bayern München. Auch nachdem Ralf Rangnick den mutigen Schritt gemacht hatte, sein Traineramt wegen einer Burn-out-Erkrankung niederzulegen, entschieden sich die Knappen mit Huub Stevens als Nachfolger für eine konservative Lösung. Der Niederländer lässt scheinbar den für ihn typischen Defensivfußball spielen, aber eigentlich geht er damit den vom Vorgänger eingeschlagenen Weg weiter. Denn schon in den letzten Spielen unter Rangnick trat S04 defensiver auf. Der Wendepunkt zum Besseren war die überraschende 1:2-Heimniederlage am neunten Spieltag gegen den Abstiegskandidaten 1. FC Kaiserslautern. Denn die Konsequenzen, die Trainer Stevens aus der Pleite zog, erwiesen sich als richtig. Der Ausfall von Torwart Ralf Fährmann, der sich im Spiel gegen die Pfälzer eine schwere Knieverletzung zuzog, entpuppte sich als Glücksfall für Lars Unnerstall. Die Nachwuchshoffnung ließ als neue Nummer eins den zum FC Bayern abgewanderten Nationaltorhüter Manuel Neuer fast schon vergessen. In der Offensive überzeugten mit Klaas Jan Huntelaar (15 Tore) und Raul (10 Tore) zwei Stars, die bei Rangnick fast auf dem Abstellgleis gelandet wären. Jefferson Farfans bevorstehender Weggang scheint den Gelsenkirchenern wenig Sorgen zu bereiten. Denn mit dem aus Helsinki geholten Teemu Pukki und dem aus Hoffenheim ausgeliehenen Chinedu Obasi gibt es jetzt schon zwei Kandidaten für den Stammplatz des Peruaners. Einige „auf“ Schalke träumen bereits wieder von der Meisterschaft. Doch in den ersten Spielen im neuen Jahr müssen die Königsblauen auf ihre etatmäßige Doppelsechs verzichten. Lewis Holtby fällt mit einer Syndesmoseverletzung aus, und Jermaine Jones ist nach seinem Tritt auf Marco Reus‘ Fuß im Pokalspiel in Gladbach (1:3) bis März gesperrt. Und sowohl in den Partien gegen die beiden Titelanwärter Bayern München und Borussia Dortmund (jeweils 0:2) als auch im Pokal in Gladbach konnten die Knappen nicht mithalten.
Platz 2: Borussia Dortmund
Im Gegensatz zu den Meisterschaften vom VfB Stuttgart (2007) und VfL Wolfsburg (2009) erwies sich der Titelgewinn von Borussia Dortmund nicht als „Eintagsfliege“. Auch in der neuen Saison sind die Westfalen neben Liga-Primus Bayern München ein Kandidat auf die Meisterschale. Zwischen den Dortmundern und den Münchnern bahnt sich ein Duell auf Augenhöhe wie in den neunziger Jahren an. In dieser Saison konnten die Westfalen die Bayern schon zweimal ausstechen. Erst im November in der Liga, als die Schützlinge von Trainer Jürgen Klopp einen 1:0-Sieg in München bejubeln durften, und dann knapp zwei Monate später im Kampf um die Gunst des Gladbacher Shootingstars Marco Reus. Mit 17,1 Millionen Euro Ablöse stießen die Dortmunder wieder in schon vergessene Dimensionen vor. Lediglich zu Beginn der Saison hatten die Borussen Probleme, sich an den Abgang Nuri Sahins zu Real Madrid und tiefer stehende gegnerische Abwehrreihen zu gewöhnen. An den Spieltagen fünf und sechs belegte der Meister lediglich Rang elf. Doch dann folgte eine Aufholjagd, die den BVB zwischenzeitlich (14. Spieltag) sogar wieder auf Platz eins führte. Der Kader ist breiter aufgestellt als in der Vorsaison. Das ist auch von Nöten. Denn in der abgelaufenen Halbserie musste der Titelverteidiger immer mal wieder Leistungsträger wie Neven Subotic, Lars Bender oder Mario Götze ersetzen. Allerdings kann die Breite des Kaders in der Rückrunde auch zum Problem werden, weil die Doppelbelastung mit der Champions League wegfällt. Lucas Barrios, der in den vergangenen beiden Jahren noch absoluter Leistungsträger war, aber zurzeit im Sturm nicht an Robert Lewandowski vorbeikommt, steht zum Verkauf. Auch Jakub Blaszczykowski und Mohamed Zidan äußerten schon Abwanderungsgedanken.
Platz 1: FC Bayern München
Der neue, alte Bayern-Trainer Jupp Heynckes schaffte das Kunststück, den Umbruch innerhalb von nur 180 Minuten zu vollziehen. Am ersten Spieltag kassierte der Rekordmeister eine überraschende 0:1-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach. Am zweiten Spieltag stand es in Wolfsburg 90 Minuten lang 0:0, bevor Luiz Gustavo in der Nachspielzeit den befreienden Siegtreffer erzielte. Danach marschierten die Münchner souverän zur Herbstmeisterschaft - abgesehen von einer kurzen Schwächephase im Herbst, nachdem sich der „gefühlte“ Kapitän Bastian Schweinsteiger in der Champions League gegen Neapel (3:2) schwer verletzt hatte. Der richtige Kapitän Philipp Lahm ging im vergangenen Jahr unter die Autoren und sorgte mit seinem Buch, in dem er seine ehemaligen Trainer wie Felix Magath, Rudi Völler und Louis van Gaal kritisierte, für Aufregung. Unter Heynckes steigerten sich die Bayern vor allem in der Defensive. In der Innenverteidigung fand Holger Badstuber zur Bestform zurück und erlebte Daniel van Buyten seinen zweiten Frühling. Der eigentlich als Innenverteidiger geholte Jerome Boateng musste deswegen oft auf die rechte Abwehrseite ausweichen, und dann blieb für den eigentlich als Rechtsverteidiger vorgesehenen Rafinha nur ein Platz auf der Bank. Der prominenteste Neuzugang, Nationaltorhüter Manuel Neuer, musste in vielen Spielen sich selbst beschäftigen, aber wenn der ehemalige Schalker mal gefordert wurde, war er zur Stelle. Zwischenzeitlich blieb Neuer über tausend Pflichtspielminuten in Folge ohne Gegentreffer. In der Offensive hat Trainer Heynckes die Qual der Wahl. Mit Toni Kroos, Thomas Müller, Franck Ribery und Arjen Robben zanken sich gleich vier Spieler vom internationalen Format um nur drei Plätze im offensiven Mittelfeld. Womöglich stellt Heynckes in der Rückserie auf das aus der Nationalmannschaft bekannte 4-1-4-1 mit Kroos als „Zwischenspieler“ um. Gegen starke Gegner wird er jedoch wohl auf das bewährte 4-2-3-1 zurückgreifen. Allerdings hat selbst der FC Bayern eine Achillesferse. Die Personaldecke in der Innenverteidigung und im Sturm ist dünn.
Senthuran Sivananda
Ich wurde mein ganzes Leben nur angeschossen.
— Raphael Schäfer ach starker Leistung im Testspiel gegen den Chemnitzer FC