Wertvolles Remis

von Günther Jakobsen13:06 Uhr | 07.11.2012

Der Druck auf den BVB in der zweiten Hälfte war enorm. Dass man auf den letzten Drücker noch den Ausgleich kassierte war sicher unglücklich, aber dem Spielverlauf gerecht werdend. Den Punkt verdienten sich die Schwarzgelben, deren Ansehen auf internationalem Parkett sich gesteigert haben dürfte, in einer ganz starken ersten Halbzeit.

„Sie verstehen es mit dem Ball umzugehen, sind ein fantastisches Team und es ist seltsam, dass sie in der Liga nicht besser platziert sind“, drückte Real-Keeper Iker Casillas dem deutschen Meister seine Anerkennung aus und bezeichnete das 2:2-Unentschieden als faires Ergebnis. Die Madrilenen wollten nach ihrer Niederlage beim BVB mit einem Heimsieg den direkten Vergleich für sich entscheiden und tauchten in der zweiten Minute in Person von Higuain, durch Özil bestens in Szene gesetzt, bedrohlich im 16er der Borussen auf. Weidenfeller bereinigte die kritische Situation. Dortmund benötigte einige Zeit, um in den Rhythmus zu kommen, hatte dann aber in der achten Minute seine erste gute Offensivaktion, als Schmelzer Casillas mit einem Schuss aufs kurze linke Eck prüfte. Madrids Keeper war auch in der 14. Minute gefragt, als Großkreutz eine gute BVB-Kombination mit einem strammen 14-Meter-Schuss abschloss. Die schwarzgelben Gäste fühlten sich im Santiago Bernabeu-Stadion zunehmend wohler, attackierten Real sehr früh und verdichteten die Räume in der eigenen Hälfte derart, dass für die Gastgeber auf spielerischem Weg kein Durchkommen war. Mit einem klasse Treffer von Reus, den Lewandowski per Kopf vorbereitete, fiel Dortmunds verdienter 1:0-Führungstreffer (28.). Analog zum Hinspiel ließ Reals Antwort aber nicht lange auf sich warten: Nach Özils Flankenball schraubte sich Pepe im BVB-16er hoch und wuchtete den Ball mit dem Kopf unhaltbar in die Maschen (34.). Ein Nackenschlag, den die Gäste indes schnell wegsteckten. Die Schwarzgelben blieben ihrer couragierten Linie treu und setzten wenn immer möglich schnelle Attacken gen Casillas’ Tor an. Mit ein wenig Fortune - nichtsdestotrotz absolut verdient - erzwang man kurz vor der Pause die erneute Führung. Unmittelbar vor der Torlinie schaufelte der durch Götze bedrängte Arbeloa das Leder ins eigene Netz.

Jose Mourinho stellte zur zweiten Halbzeit um. Der angeschlagene Higuain konnte nicht weiterspielen, Callejon kam für ihn und Essien ersetzte Modric. Ronaldo und Di Maria rückten nun noch weiter auf, die größten Probleme bereitete der Dortmunder Defensive jedoch Callejon, dessen in der 47. Minute erzielter Treffer wegen mutmaßlicher Abseitsstellung nicht anerkannt wurde. Nur wenig später rauschte ein Schuss des Stürmers, aus der Drehung abgefeuert, nur sehr knapp rechts vorbei (49.). Dortmunds Abwehr schlingerte bedenklich; in der 57. Minute rettete Subotic in höchster Not vor Di Maria. Mühevoll überstand der BVB diese Offensive der Madrilenen unbeschadet und verschaffte sich etwas Luft. Etwa 20 Minuten lang konnte Real auf Distanz gehalten werden, eigene Entlastungsangriffe waren jedoch kaum möglich. Ein gefährlicher Vorstoß Ronaldos scheiterte an Weidenfellers Fußabwehr (79.) - und Real setzte zu einer Schlussoffensive an. Großkreutz war in der 86. Minute noch zur rechten Zeit am rechten Ort, als er auf der eigenen Torlinie stehend einen Schuss Callejons abwehrte. Doch Madrid ließ nicht locker. In der 89. Minute schließlich traf Özil zum 2:2-Endstand. Beim von halbrechts getretenen Freistoß touchierte der Ball noch den Innenpfosten. Mit dem Remis konnte der BVB trotz des späten Zeitpunktes aber noch gut leben, zumal das Resultat des anderen Spiels, ein 2:2 zwischen ManCity und Ajax, die Gesamtlage in Gruppe D weiterhin positiv für die Borussen darstellte.

André Schulin



Es war die Hölle. Fast in jedem Spiel kam ein Gegenspieler und machte ,Wuff-Wuff'.

— Friedel Rausch, Schalke 04, nachdem er im Revierderby beim BVB von einem Schäferhund gebissen wurde.