Beim Hamburger SV hat sich nichts verändert. Wie in den letzten Jahren gesehen, wechseln gute Ansätze beständig mit herben Rückschlägen. Auch der Trainerwechsel zu Bert van Marwijk brachte noch keinen nachhaltigen Aufschwung. Drei Niederlagen ausgangs der Hinserie nährten Abstiegssorgen.
Schon der Saisonstart vermittelte einen exakten Eindruck von der Unbeständigkeit der Hanseaten. Im Gastspiel Auf Schalke wandelte der Bundesliga-Dino zunächst einen schnellen 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung um und schickte sich sogar an - mittlerweile spielerisch klar überlegen -, den Gegner vorzeitig in die Seile zu schicken. Die gute Leistung konsequent durchzuziehen, war indes einmal mehr nicht die Sache der Norddeutschen. Am Ende musste das Team von der Waterkant noch vollauf zufrieden sein, eine 3:3-Punkteteilung mitzunehmen. Coach Thorsten Fink wähnte sich, vor allem, da man nach dem 0:1 zurück gekommen war, jedoch auf dem richtigen Weg: „Im Vorjahr wären wir dann 0:3 oder 0:4 untergegangen. Aber die Mannschaft scheint aus ihren Fehlern gelernt zu haben.“ Ein Irrtum, wie bereits der folgende Spieltag bestätigte. Die 1:5-Klatsche gegen Hoffenheim vor eigenem Publikum entlockte sogar Fink eine öffentliche Äußerung bitterer Enttäuschung: „Die Mannschaft lässt mich seit eindreiviertel Jahren nicht mal zwei, drei Spiele am Stück durchatmen“. Dazu sollte es auch nicht mehr kommen. Der standesgemäße 4:0-Heimsieg gegen den zu dieser Zeit noch völlig überforderten Aufsteiger aus Braunschweig vom 4. Spieltag bescherte Fink noch einmal ein positives Bundesliga-Erlebnis mit dem HSV - dann folgte die 2:6-Demontage beim BVB, die Finks Entlassung zur Folge hatte. Unter Interimstrainer Rodolfo Cardoso musste man anschließend noch die 0:2-Heimpleite gegen den Bremer Erzrivalen erdulden, dann wurde, relativ zügig, Bert van Marwijk als neuer Chefcoach aktiv. Und der Niederländer feierte einen sehr ordentlichen Einstand. Die ersten vier Spiele unter seiner Regentschaft blieben ohne Niederlage (zwei Siege, zwei Remis); der Absprung von den Abstiegsrängen war geschafft. Gegen die formstarken Gladbacher (0:2) und nach einem vogelwilden Schlagabtausch in Leverkusen (3:5) konnte der HSV seinen Aufwärtstrend jedoch nicht fortsetzen. Die erfolgreich gestalteten Nordderbys gegen Hannover (3:1) und in Wolfsburg (1:1) sorgten kurzzeitig wieder für Auftrieb - die Niederlagen in den drei letzten Hinrundenpartien ließen jedoch das Stimmungsbarometer wieder sinken, und die Abstiegsränge näherrücken. Über die 1:3-Niederlage beim FC Bayern musste man keine ausgeprägten Wehklagen führen. Bedenklich allerdings, dass man vor eigenem Publikum gegen Augsburg (0:1) und Mainz (2:3) den Kürzeren zog.
Mit dem Viertelfinaleinzug im DFB-Pokal, wo nun der FC Bayern wartet, haben die Hamburger in diesem Wettbewerb ihre Pflicht erfüllt. Anders in der Liga. Natürlich hatte der HSV auch im Punktkampf gute Momente; doch über mehr, als phasenweise konkurrenzfähige Versatzstücke, ging das Gezeigte auch unter van Marwijk nicht hinaus. Zu wenig, um sorgenfrei dem Saisonende entgegenzublicken, geschweige denn, von vorderen Platzierungen zu träumen. „Die Spieler machen immer wieder die selben Fehler, das hat zu tun mit der Qualität“, zog der Niederländer ein ernüchterndes Halbserien-Fazit, als sein Team, im letzten Spiel gegen Mainz, in der Schlussminute den 05ern den Siegtreffer ermöglichte. Ein personeller Befreiungsschlag dürfte dem finanziell tief in der Kreide stehenden Klub nicht möglich sein, um die Mannschaft entscheidend zu verstärken. Es sei denn, dass der Investor Klaus-Michael Kühne erneut in die Tasche greift - was jener jedoch an Bedingungen knüpft, die eine Veränderung in der Vereinsstruktur voraussetzen. Vorerst muss van Marwijk also davon ausgehen, eher zurückzustecken, da mit dem Verkauf von Artjoms Rudnevs (nach Hannover) eine Stürmervariable entfällt. Und er muss u.a. darauf hoffen, dass der gut eingeschlagene Neuzugang Pierre-Michel Lasogga (9 Treffer) seinen Torriecher weiterhin bestens justiert, dass Marcell Jansen seine starke Form (mit ø 3,32 Notenbester) aufrecht hält, Rafael van der Vaart (7 Treffer/6 Vorlagen) von Zwangspausen verschont bleibt und Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier ein erfolgreiches Comeback feiert. Auch beruhigende Nachrichten um die Zukunft von Mittelfeldtalent Hakan Calhanoglu, der offensichtlich von anderen Klubs umworben wird, könnten dienlich sein.
For me, it's scheißegal.
— Uli Hoeneß