WM 2001/2002 - Viertelfinale - Fr., 21.06.2002 - 08:30 Uhr
1:2
HZ - 1 : 1

England enttäuschte trotz Überzahl maßlos

Überlistete Seaman mit einem 30-Meter-Freistoß-Heber und sah kurz darauf Rot: Ronaldinho

Überlistete Seaman mit einem 30-Meter-Freistoß-Heber und sah kurz darauf Rot: Ronaldinho

Überlistete Seaman mit einem 30-Meter-Freistoß-Heber und sah kurz darauf Rot: Ronaldinho

Beide Mannschaften hatten anfangs Probleme, ins Spiel zu kommen. Ein harmloser Kopfball von Heskey nach einem Beckham-Freistoß, den Marcos problemlos auffing (4.), änderte daran wenig. Die Abwehrreihen hatten beidseitig keine Probleme mit ihren Gegenspielern, so dass der nächste Aufreger, ein Roberto Carlos-Freistoß, erst in der 14. Minute zu verzeichnen war. Auch ein Fehlgriff von Keeper Seaman, im Herauslaufen nach einer Rivaldo-Ecke, konnte nicht genutzt werden. Der bis dato schönste Spielzug gelang den Südamerikaner, als Ronaldo an der linken Strafraumecke angespielt wurde. Nach einem engen Doppelpass mit Rivaldo kam „Das Phänomen“ zum Schuss, doch der Abschluss war zu unplatziert und Seaman hatte keine Probleme (19.). Ein weiter Schlag von Heskey in den brasilianischen Strafraum leitete die englische Führung ein. Lucio ließ den Ball dilletantisch abprallen, so dass Michael Owen aufnehmen konnte und vom Elfmeterpunkt allein vor Keeper Marcos ohne Mühe zum 1:0 einnetzte (23.). Sogleich zogen sich die Briten tief in die eigene Hälfte zurück und ließen Brasilien kommen. Ronaldo tankte sich über rechts durch den Strafraum, doch der Winkel war beim Abschluss zu spitz und Seaman klärte (27.). Nach einem kräftigen Heskey-Kopfball übers Tor (31.) und einem Roberto Carlos-Kracher ans Außennetz (33.) war bis kurz vor der Pause kreative Funkstille, denn die Deckungsreihen dominierten eindeutig. Kurz vor dem Halbzeitpfiff preschte Ronaldinho mit dem Ball in die englische Abwehrzentrale, kam am ausrutschenden Cole vorbei und legte optimal auf den halbrechts freistehenden Rivaldo ab. Der Superstar vom FC Barcelona schob den Ball ohne Zögern ins lange linke Toreck zum psychologisch wichtigen 1:1 kurz vor dem Halbzeitpfiff.

Fünf Minuten ohne Risikoaktionen waren nach dem Seitenwechsel vergangen, als die Brasilianer am rechten Flügel, ca. 30 Meter vor dem englischen Tor, einen Freistoß zugesprochen bekamen. Ronaldinho zog den Ball auf den langen Pfosten und erwischte den unglücklich postierten Seaman, der wahrscheinlich von einer Flanke ausging, auf dem falschen Fuß. Das Leder senkte sich zur Verblüffung der Beteiligten ins englische Tor: 2:1 für Brasilien. Von den geschockten Briten gingen in den folgenden Minuten noch keine nennenswerten Angriffsaktionen aus. In der 58. Minute hielt Ronaldinho in einem Zweikampf mit Mills die Sohle auf das Schlagbein des Verteidigers und wurde für dieses Foul mit der Roten Karte bedacht. Wer nun den großen Vorteil für die Engländer gesehen hatte, wurde enttäuscht. Ohne Ideen und Zug zum Tor spielten die Insulaner gegen die gut gestaffelte Deckung der Brasilianer an. Torchancen – Ausnahme ein abgefälschter Mills-Schuss (73.) – fehlten nahezu gänzlich. Die Partie verflachte zusehends, da die dezimierten Brasilianer ihrerseits wenig Konteransätze entwickelten. England enttäuschte in dieser wichtigen Phase maßlos. Kraftlos, langsam, flügellahm und mit unentwegtem Quergespiele war den Südamerikanern nicht beizukommen. Auch die eingewechselten Vassel und Sheringham setzten im Angriff keine Akzente. Einzig ein Butt-Kopfball (90.) brachte etwas Gefahr. Dann hatten die Brasilianer den knappen Vorsprung über die Zeit gerettet. Eine insgesamt enttäuschende Partie wurde abgepfiffen, die in keiner Phase den hochgesteckten Erwartungen gerecht werden konnte.

Ich war schon in Katar und weiß, dass man dort öffentlich keinen Alkohol trinken darf. Da wird er Probleme kriegen.

— Uli Hoeneß über Ex-Bayernspieler Mario Basler, der seine Karriere bei Al-Rayyan in Katar ausklingen ließ.