Petry-Freistellung in Berlin wird zum Politikum

von Jean-Pascal Ostermeier17:28 Uhr | 08.04.2021
Ungarn kritisieren Freistellung des Torwarttrainers
Die Freistellung des ungarischen Torwarttrainers Zsolt Petry beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC wird zum Politikum. Ungarn bestellte einen Beamten der deutschen Botschaft in Budapest ein, das Außenministerium und das Kabinett von Ministerpräsident Viktor Orban kritisierten das Vorgehen der Berliner scharf. In einer Mitteilung hieß es, die Berliner hätten "die freie Meinungsäußerung eingeschränkt".

Petry (54) hatte in einem Interview mit der ungarischen Zeitung Magyar Nemzet den Einsatz des Leipziger Torhüters Peter Gulacsi für das Ehe-Recht gleichgeschlechtlicher Paare in Ungarn kritisiert. Außerdem äußerte er sich höchst fragwürdig über die Migration in Europa ("Ist für mich Ausdruck des moralischen Niedergangs"). Die Hertha reagierte am Dienstag und stellte Petry frei. Der Torwarttrainer bat später um Entschuldigung.

Hertha BSC
Bundesliga
Rang: 16Pkt: 26Tore: 34:48



Das ungarische Außenministerium antwortete per Stellungnahme. "Deutschland hat wie Ungarn direkte historische Erfahrungen mit Meinungsterror, daher ist der Schutz des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung unsere gemeinsame moralische Pflicht", hieß es in der Erklärung.

Ähnlich kritisch äußerten sich mehrere hochrangige Regierungsmitglieder, darunter auch der Kabinettschef von Ministerpräsident Orban, Gergely Gulyas. "Deutschland sollte antworten, ob es noch ein Land der Rechtsstaatlichkeit ist oder nicht, Meinungsfreiheit ist ein europäischer Wert", sagte er am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

(sid)

Es war nicht so, dass wir nicht so gut, sondern die Engländer so schlecht waren.

— Jens Jeremies nach dem 0:1 gegen England